Papst Franziskus und seine Kapitalismuskritik

Es rauscht im deutschen Blätterwald nach der Veröffentlichung vom Evangelii Gaudium zur Kritik von Papst Franziskus an den Unarten eines wild wuchernden Kapitalismus. So versucht sich Herr Dr.theol. Daniel Deckers nun auch auf dem Gebiet von Politik und Wirtschaft in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Aber hier zeigt er offensichtlich genauso wenig Verständnis und Kenntnis wie auf dem Gebiet von Lehre und Verfassheit der Kirche. So warf er denn auch in seinem Artikel „Der Globalisierungskritiker“ in der FAZ vom 28.11.13 Papst Franziskus vor, er schüre „das traditionelle antifreiheitliche Ressentiment der Kirche gegenüber Wirtschaft und Staat wie kaum einer seiner Vorgänger.“
Von so viel Ignoranz und Unfähigkeit, einen Text im Zusammenhang zu verstehen, die Deckers mit vielen seiner Kollegen gemeinsam hat, hebt sich wohltuend ein Artikel im Cicero von Max A.Höfer, „Der Antikapitalist“ vom 12.12.13 ab. Höfer ist einer der ausgewiesenen Fachleute in Sachen Wirtschaft in den Medien.
http://www.cicero.de/salon/papst-franziskus-die-gegenreligion/56614
Hierzu habe ich den folgenden Kommentar auf Cicero online geschrieben:

Ein höchst bemerkenwerter Artikel in der derzeitigen Presselandschaft, die von Oberflächlichkeit, Nichtverstehenwollen und Nichlesenkönnen nur so wimmelt.
Dass die katholische Soziallehre heute fehlt, ist eine zutreffende Feststellung. Das liegt aber daran, dass alles, was von der katholischen Kirche kommt, heute in aggressiver, emotionaler und undifferenzierter Weise heruntergemacht wird. Die Welt braucht eben ein Feindbild.
Dass die katholische Soziallehre einer Erneuerung bedarf, kann ich so nicht unterschreiben. Wer sich mit ihr beschäftigt, sieht doch ganz eindeutig, dass der rote Faden, der sich seit Rerum Novarum durch die Lehre zieht keineswegs verblasst ist, sondern nach wie vor weitergeführt wird.
Ich erinnere an die Arbeiten von Prälat Prof. Dr. Lothar Roos und an die sehr gründlichen und in ihrer Aussage sehr schlagkräftigen Arbeiten von Pater Prof. DDr. Wolfgang Ockenfels OP, dem Sozialethiker der katholischen Fakultät Trier.
Besonders in seinem Buch „Was kommt nach dem Kapitalismus?“ Augsburg 2011, bezieht er gegen den „Casino-Kapitalismus der Finanzhaie und Heuschrecken“ scharf Stellung und wirbt für eine Rückbesinnung „auf die klassischen Werte und Tugenden der katholischen Soziallehre zur Wiederbelebung der sozialen Marktwirtschaft.“
Bei der Marktwirtschaft müssen wir eben wieder das Wort „sozial“ neu entdecken und hinzufügen. Schließlich war und ist die Soziale Marktwirtschaft entscheidend von der katholischen Soziallehre beeinflusst.
Nicht die katholische Soziallehre muss sich erneuern, sondern die Welt sollte wieder mehr auf sie hören.
So ist es dankbar zu begrüßen, dass Papst Franziskus es offensichtlich gelingt in seiner volksnahen Sprache und Pastoral, die nach wie vor aktuelle Soziallehre der Kirche zu verdeutlichen. Er weist in Evangelii Gaudium (52) ausdrücklich darauf hin ,dass er „die verschiedenen Analysen voraussetzt, welche die anderen Dokumente des universalen Lehramtes dargeboten haben.“
Er verurteilt nicht einfach den Kapitalismus in der Art, wie ihm oberflächliche und nicht sehr kenntnisreiche Journalisten unterstellen, sondern er unterscheidet deutlich im Sinne der großen Sozialenzyklika „Centesimus Annus“ (1991) von Johannes Pauls II.
„Wird mit Kapitalismus ein Wirtschaftssystem bezeichnet, das die grundlegende und positive Rolle des Unternehmers, des Marktes, des Privateigentums und der daraus folgenden Verantwortung für die Produktionsmittel sowie die freie Kreativität des Menschen im Bereich der Wirtschaft anerkennt, ist die Antwort sicher positiv.“ (C.A. 42)
Die andere, abzulehnende (und heute scheinbar vorherrschende) Auffassung von Kapitalismus, ist die, die wie oben beschrieben Wolfgang Ockenfels als Casino-Kapitalismus kennzeichnet.
Diese Auffassung und Praxis geißelt Papst Franziskus dankenswerterweise zu Recht.
Dazu Lothar Roos: „Die Soziallehre der Kirche redet nicht heute so und morgen anders.“
„Will man die Aussagen von Papst Franziskus zum „Kapitalismus“ richtig verstehen, dann ist dies nur im Kontext der gesamten Sozialverkündigung der Kirche möglich.“ (kath.net am 13.12.13)
Es ist sehr wohltuend und stimmt mich hoffnungsvoll, dass Max A. Höfer und der Cicero eine so kenntnisreiche und differenzierte Betrachtung von Evangelii Gaudium zum Kapitalismus vorlegen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Papst Franziskus und seine Kapitalismuskritik

  1. Mathias Wagener sagt:

    Deckers vertritt den entgegengesetzten Standpunkt, den der Mainstream, dem ja auch die FAZ fröhnt, in überschwenglichem Lob für Franziskus verbreitet hat. Es gibt Vorgängerschriften genug (mater et magistra..), auf die sich der Papst stützen kann.
    Vielleicht wäre es gut, wenn der Papst seinen Äußerungen im betreffenden Fall bisherige in der Kontinuität stehende kirchliche Dokumente voranstellte. Ich will mich hier aber nicht als Ratgeber des Papstes aufspielen. Das sicher nicht.

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