Emmanuel – „Gott mit uns“

Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer Zeit, in der man gerne Prognosen macht, Vorhersagen aller Art: Prognosen über den Arbeitsmarkt, Prognosen vor jeder Landtags- und Bundestagswahl, Horoskope für Wochen und Jahre, Wettervorhersagen und düstere Spekulationen über Gang und Lauf unserer Welt.
Es scheint auch so – und das wurde in den letzten Jahren immer mehr deutlich – dass sich ein Drang und Hang vieler Menschen in den Bereich spiritistischer, anrüchig-merkwürdiger Vorhersagen abzeichnet; dass „unglaubliche Geschichten“ Furore machen, Angst einjagen, und Tausende junge, erwachsene und alte Menschen in ihren Bann ziehen. Allen diesen Prognosen und Zukunfts-Horoskopen haftet aber eines gemeinsam an: eine Stimmung der Düsterkeit, der Zukunftsangst und des Pessimismus; das irgendwie Ungewisse, dass aus den unglaublichen – wahre, glaubliche Geschichten werden, dass diese Visionen irgendwann eintreten.
Visionen und Vorhersagen sind keine neuen Erscheinungen. Sie hat es zu allen Zeiten gegeben. Gerade, wenn wir in unsere christliche Tradition hineinschauen, begegnen sie uns zahlreich.
Wir brauchen auch gar nicht spektakuläre Ereignisse: „Erscheinungen“, „Wunder“ oder „Privatoffenbarungen“ aufzugreifen. Die Bibel, die Grundlage, der Grundstein unseres Glaubens ist voll von solchen Zukunftsgesichtern. Gerade im Alten Bund waren es die Propheten, die ihrer Zeit immer voraus waren und den Menschen ihrer Tage sagten, wo es lang und wo es hingeht.
Wenn ich nun suche nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden zwischen den Prognosen und den Visionen, von denen ich eingangs sprach, und denen, die uns die Schrift, die Bibel überliefert, so scheint mir der springende Punkt zu sein, dass die Zukunftsbilder der Heiligen Schrift von gläubigen, gottnahen Menschen geschrieben sind und nicht von Sterneguckern, die ans Verdienen denken,nicht von Journalisten, denen jedes Mittel und jeder Trick recht ist, nicht um Wählerstimmen zu erhaschen, um aus politischen und ideologische Gründen Angst, Panik oder Wirrwarr zu erzeugen, nicht aus Profitgier und Geschäftemacherei, sondern aus gläubiger Nähe zu Gott wurden den Menschen und werden uns, die wir uns dem Wort Gottes stellen, Wege, Zeichen der Umkehr und neue Chancen aufgezeigt.
Die Bilder und Überlieferungen der Heilgen Schrift sind Meilensteine zur Orientierung, Meilensteine des Optimismus, weil hinter diesen Prophezeiungen kein Konzern, keine Partei und keine Rundfunk- oder Fernsehanstalt steht, sondern der lebendige Gott, der durch diese Worte zu uns spricht.
Gerade in den Tagen vor Weihnachten begegnen uns immer wieder die alttestamentlichen Verheißungen. Wer sie mit wachem und bereitem Herzen hört, wer sie hineinhält in die Zeichen unserer Zeit, dem wird der frohe, von Gott selbst ausgehende Optimismus geschenkt, der in diesen Worten steckt.
Eine sehr nahegehende und frohe Verheißung ist uns heute begegnet im Buch des Propheten Jesja: Siehe die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären; ein Kind ist uns geschenkt, das „Gott mit uns“ heißt.
Wir sehen dieses Wort erfüllt in Christus, der von Maria geboren wurde als der Emmanuel. Dieses Wort ist doch eine glaubhafte und frohmachende Zukunftsprognose, eine wirkliche glaubhafte Geschichte, weil sie wahr wurde damals im Stall von Bethlehem und weil sie wahr wird, immer dort, wo wir uns auf dieses Wort der Verheißung einlassen.
So wie Er allzeit unter den Seinen war, so ist Er auch in unserer Zeit bei uns als der „Gott mit uns“ (Emmanuel), der uns und diese Welt, seine Schöpfung, nicht verlässt. Diesem Ziel, diesem Geheimnis, dieser Prophezeiung sind wir im Advent entgegengegangen.
Dieser Heilsvision gehen wir in unserem ganzen Leben, im Advent unseres Lebens entgegen!
Gehen wir diesen Weg nicht in einer düsteren Stimmung sondern in der tiefen Gewissheit, dass dieser Gott mit uns ist!
Das wollen wir feiern! IHN wollen wir finden, den Emmanuel als Emmanuel-Gottmituns. Das ist nicht nur ein Name, das ist das Wesen, die Zusage, die bleibende Aufgabe für DEN, der da auf uns zukommt.   Amen!

Predigt zum 4. Advent dem 22. Dezember 2013 von
Pfarrer Ralf Hiebert, St. Ludwig in Saarlouis

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