Mut zur Wahrheit

In der Verwirrung der Ortskirchen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz werden gelegentlich Scheingefechte geführt, die am Kern des Geschehens vorbei gehen. Das beginnt schon mit den Begriffen „Konservativ“ und „Progressiv“, die von denen, die sie handhaben, nicht definiert werden. Es bleiben Worthülsen, die in der Auseinandersetzung mit den Inhalten gefüllt werden, die man braucht, um andere herunterzumachen. Selbsternannte Richter sprechen z. B. vom Lager der „Konservativen“ und dem der „Progressiven“, die der Einheit der Kirche im Wege stünden und sich deshalb möglichst auflösen sollten. Manfred Lütz meinte kürzlich mit Blick auf den Katholikentag in Mannheim „die Konservativen sollten dankbar für die Progressiven und die Progressiven dankbar für die Konservativen sein“. Warum bitte?
Zunächst: Das Lager der Konservativen kann sich nicht auflösen, weil es dieses „Lager“ gar nicht gibt. In Deutschland zählt man eine beträchtliche Zahl (81) von neuen geistlichen Gemeinschaften und katholischen Verbänden unterschiedlicher Ausrichtung, die zur Kirche stehen, aber nicht wirklich miteinander kooperieren. Deswegen sind sie nicht kampagnefähig und ohne Gewicht in der Auseinandersetzung. Trotzdem werden sie dem „Lager der Konservativen“ zugeordnet. Ähnlich mag es den so genannten „Progressiven“ ergehen, die sich aber der Sympathie der Medien, bis hinein in die kirchliche Berichterstattung, erfreuen. Daraus ist zu ersehen, dass die Forderungen der so genannten „Progressiven“ stets mit „fortschrittlich“, „zeitgemäß“, „reformerisch“ etc. apostrophiert werden.
Tatsächlich geht es nicht darum, was so genannte „Konservative“ oder „Progressive“ meinen, sondern darum, ob ihre Vorstellungen den Aussagen Christi und der Lehre der Kirche entsprechen. Genau das müssten die selbsternannten Oberrichter und die von Amts wegen Berufenen in der Situation einer heillosen Verwirrung klarstellen. So geht es konkret darum, ob die bekannten Reizthemen (Priesterweihe für Frauen, geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion etc.) bzw. die Forderungen von ZdK, BDKJ, KFD, „Wir sind Kirche“, oder „Kirche von unten“ der Lehre der Kirche entsprechen oder ob das nicht der Fall ist. Solche Klarstellungen wären die Voraussetzung für einen echten Dialog. Aber dazu bräuchte es den Mut zur Wahrheit und die griffige Sprache eines Léon Bloy!
Hubert Gindert

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3 Antworten auf Mut zur Wahrheit

  1. waeltwait sagt:

    Den Beitrag von Hubert Gindert kann ich nur unterstützen.

  2. Schon Christus musste sich mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. In Wort und Tat bezeugte er, dass er in der Welt lebte und doch nicht von der Welt war. Gewiss, der Zeitgeist siegte über Christus. Doch Christus ist von den Toten auferstanden. So siegte er doch über den Zeitgeist. Nun hat Christus die Kirche gegründet und lebt durch sein Wort und die Sakramente in dieser Kirche weiter. Mit dieser Kirche konfrontiert sich Christus stets auf Neue dem jeweiligen Zeitgeist. Der Heilige Geist wird alle begleiten, die auf Christus hören und ihm in Wort und Tat nachfolgen. Der Zeitgeist wird sich immer wieder zum Richter über Christus und seine Kirche aufspielen. Doch der Heilige Geist lehrt die Gläubigen, die Wahrheit zu bezeugen, ob gelegen oder ungelegen. Allerdings wird dieses standhafte Bekenntnis nur möglich sein, wenn wir Gläubigen im Gebet in engster Weise mit Christus verbunden bleiben, dh. aber auch mit der Kirche, weil wir in ihr Christus im Wort und in den Sakramenten begegnen. Dies gilt für alle Gläubigen in der Kirche, für die Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laien. Wir dürfen die Glaubensstärke und Glaubenstreue unseres Papstes bewundern und Orientierung daran nehmen. Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass dort, wo die Einheit mit dem Papst auch nur in kleinsten Teilen aufgegeben wird, der Zeitgeist seine scheinbaren Triumphe feiert.

  3. quer sagt:

    So geht es um die bekannten Reizthemen….. usw..“

    Genau so ist es. Allerdings: das eigentliche Problem liegt darin, daß die DBK nicht die Kraft und den Willen hat, mit diesem Zirkus aufzuräumen und den Herrschaften zu sagen: „Euer Begehren, Eure Vorstellungen sind protestantischer (EKD) Natur, kehrt um!“
    Sie tun es nicht. Einen Glauben verkündet man. In Sachen Glauben gibt es nur ein Entweder, Oder und keinen Dialog mit angeblich Gläubigen.

    Es gibt ebenfalls nichts zu diskutieren mit Andersgläubigen. Es ist deren Sache, ob sie glauben wollen, oder eben nicht.

    Die DBK selbst ist es, die subtil eine Los-von-Rom-Bewegung zumindest duldet. Als jüngster Beleg dafür kann das sog. Dekret dienen. Gleiches geschah vor 500 Jahren schon einmal. Die Zeit der Leuterung ist angebrochen.

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