Weltbild – und doch ein Ende?

Nun scheint es tatsächlich wahr zu werden. Der Weltbild-Verlag geht in einem seiner wichtigsten Bereiche in die Insolvenz. Mußte es wirklich soweit kommen? Für das Forum Deutscher Katholiken möchte ich daran erinnern – wie auch im Archiv unseres Blogs nachzulesen ist – dass gerade wir uns bemüht haben, in Gesprächen und Initiativen und Dokumentationen den Verantworlichen und den Eigentümern des Verlages die Situation auf der Tatsachenebene sowie auf der geistlichen Ebene aufzuzeigen. Drei Dokumentationen über das im geistlichen Sinne schlimme Treiben des Verlages wurde den Bischöfen übersandt. Eine dieser Dokumentationen wurde von mir zusammengstellt und einem Mitglied der Medienkommission der Deutschen Bischofskonferenz übergeben. Dieser Weihbischof legte die Dokumumentation auch in einer Sitzung der Medienkommission vor. Darauf erhielt ich ein Schreiben von der Bischofskonferenz, das ihr Erschrecken über das Treiben des Verlags ausdrückte und schnelle Abhilfe in Aussicht stellte. Es geschah nichts!
Auf die zahlreichen schriftlichen Eingaben, die wir machten einschließlich der großen in Magazinform gedruckten Dokumentation, erfolgte in den meisten Bistümern nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Viele Jahre haben wir uns bemüht, das Thema aus der Öffentlichkeit heraus zu halten, um dem Ansehen der Kirche nicht weiter Schaden hinzuzufügen. Erst als die säkulare Presse das Thema giftig aufgriff, sah man sich von Seiten der Bischöfe veranlasst, aktiv zu werden und beschloß, den Weltbildverlag zu verkaufen. Auch diese gute Absicht versackte und später hiess es, das Unternehmen sei unverkäuflich. Wir wissen zumindest von zwei potenten Kaufkandidaten, die dann aber aufgrund des Hüh und Hott, der Unentschlossenheit der Eigentümer ihr Interesse aufgaben. Das ist ja auch verständlich, wenn der Verkäufer nicht weiss, was er will.
Dann war von einer Stiftung die Rede, von der man nur im Nachhinein sagen kann: Genaues weiss und wußte man nicht. Das hohe Vertrauen, dass man nach wie vor in den Geschäftsführer setzte, hat sich jetzt doch als Fehlhaltung erwiesen und es zeigt sich, dass man im Grunde aus der Caritasaffaire im Bistum Trier in der Bischofskonferenz und ihrem Sekretariat nichts gelernt hatte. Natürlich ist beim Weltbild-Verlag der Geschätsführer gottlob nicht kriminell geworden wie in Trier.
Wir wollen hier keineswegs auch nur den geringsten Anschein von Schadenfreude oder Rechthaberei erwecken. Indem wir viele Jahre lang das Thema aus der Öffentlichkeit herausgehalten haben, haben wir doch wohl deutlich genug gezeigt, dass es uns nur um die Sache, den biblischen Auftrag der Kirche ging und damit auch um ihr Ansehen. Unser Vorsitzender und Gründer, Prof. Hubert Gindert hat immer wieder das persönliche Gespräch mit Verantwortlichen gesucht. Heute wird sich und uns mancher fragen, ob das nicht falsch war und ob man nicht vor 8 Jahren schon an die Öffentlichkeit hätte gehen sollen.
Das Forum Deutscher Katholiken wurde im Jahre 2000 gegründet, um die Lehre der Kirche und auch besonders des II. Vaticanums bekannt zu machen und auch die Kirche vor Angriffen in der Öffentlichkeit zu verteidigen und die Kräfte, die auf dem Boden des Katechismus der katholischen Kirche KKK stehen, zu sammeln und zu bündeln. Es schmerzt uns zutiefst, nun mit ansehen zu müssen, wie das schon so ramponierte Ansehen gerade der deutschen Teilkirche durch diese Weltbild-Affaire weiter leiden muss. Es war ja schließlich auch abzusehen, was die säkulare Presse und auch die Gewerkschaft Ver.di daraus nun macht. Und noch tiefer trifft es uns, das manches daraus sogar berechtigt ist. Trotzdem stellen wir fest, dass insgesamt sowohl die Gewerkschaft sowie die meisten Medien teilweise erschreckend uninformiert und von Sachkenntnis wenig beleckt, ihrer Abneigung gegen die katholische Kirche ziemlich undifferenziert wieder einmal freien Lauf lassen. Selbstverständlich ist den Bischöfen das Schicksal der Angestellten des Konzerns nicht gleichgültig. Und selbstverständlich ist der Kirche zu unterstellen, dass sie alles ihr nur Mögliche – und das ist nicht wenig – tun wird, um soziale Härten zu vermeiden. Im Übrigen ist der Arbeitsmarkt für erfahrene und gute Fachkräfte zur Zeit mehr als günstig.
Noch tiefer aber geht die geistliche Problematik. Jahrezehntelang hat Josef Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt XVI. die deutsche Teilkirche ermahnt, die Überinstitutionalisierung der Kirche zurückzufahren. Seine Ermahnung in diesem Sinne gipfelten in der Freiburger Rede des Papstes mit der Forderung nach Entweltlichung. Auch diese Ermahnung wurde von der Mehrheit der deutschen Bischöfe weder richtig verstanden noch ernsthaft in die Tat umgesetzt.
Erst die Diskussion um den dummerweise so genannten „Protzbau“ in Limburg brachte das Thema der Finanzen und ihren Umgang damit wieder ins Rollen, allerdings mit dem schrecklichen Ergebnis, dass das ganze Desaster auf einen bischöflichen Mitbruder abgeladen wurde, während die Mehrheit der Bischöfe diesen im Regen stehen ließ und einige noch nachtraten wohl in der Hoffnung, dass damit der Kelch an ihnen vorüber gehen würde. Dass darüber ein Mensch, ein Bischof und seine Familie sozial fast totgetreten wurde, spielte offensichtlich zunächst keine Rolle.
Aber jetzt kommt das ganze Finanzgebaren der deutsche Teilkirche auf den Tisch. Und in Rom hat Papst Benedikt einen Nachfolger gefunden, der mit dem von seinem Vorgänger Benedikt angestossenen Thema „Entweltlichung“ wirklich ernst macht, indem er Taten sehen will und auch mit Sicherheit nicht locker lassen wird.
Die Deutsche Bischofskonferenz wird sich nun ernstlich mit allen fragwürdigen Finanzgeschäften einschließlich der dubiosen Beteiligungen beschäftigen müssen und sich fragen müssen, ob Gott wirklich solch eine Kirche will, geistlich gelähmt durch Überbürokratisierung und Überinstitutionalisierung oder eine Kirche will, die nach den Worten von Papst Franziskus ernsthaft geistlich aufbricht, damit sie nicht die Worte des im Himmel erhöhten Herrn an die Gemeinde von Ephesus trifft: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke aus welcher Höhe du gefallen bist. Kehr um zu deinen ersten Werken! Wenn du nicht umkehrst, werde ich kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken. … Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes steht.“ (Apok 2,4-7)

Michael Schneider-Flagmeyer

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7 Antworten auf Weltbild – und doch ein Ende?

  1. Eduard Werner sagt:

    Ich verstehe die Überraschung nicht, die jetzt alle Beteiligten in der Sache Weltbild zeigen. Dieser Verlag hat doch mit seinen Musik CDs mit Satansweihen den Fluch und nicht den Segen auf sich herabgerufen. Wer könnte einmal im Himmel selig sein, wenn er dort sehen müsste, dass er orientierungslose JUgendliche zu Satansweihen veranlasst hat? Das allein müsste doch schon die Hölle sein. Wer sich auf Herbert Haags „Abschied vom Teufel“ verlassen hat, der hat die Rechnung wohl ohne den Belzebub gemacht.

  2. Marc sagt:

    Wer als Römisch Katholischer Verlag nicht mal in der Lage ist das Wort EUCHARISTIE orthografisch korrekt auf seine Homepage zu schreiben um seine Produkte zu verkaufen, braucht sich nicht zu wundern, wenn sein Umsatz in den Keller geht!

  3. Mathias Wagener sagt:

    Gegen den Vorwurf der Veruntreuung möchte ich doch sprechen. Es bestand sicher seitens der Kirche lange die beste Absicht, den Verlag retten zu wollen wegen des Erhalts der Arbeitsplätze nicht zuletzt. Das hat mit Veruntreuung nun wirklich nichts zu tun. Irgendwann ist aber das Ende der Fahnenstange auch hier erreicht. Mit Vorwürfen, die strafrechtliche Normen erfüllen könnten, mag man sich doch zurückhalten. Es scheint das neue Gesellschaftsspiel zu sein: Warum hat die Kirche schuld. Tut sie nichts, gefährdet sie Arbeitsplätze, leistet sie große finanzielle Beiträge, dann vergeudet sie Kirchensteuermittel.

  4. Marc sagt:

    In Anbetrachts des geschätzten Schuldenbergs von 190 Millionen Euro den Weltbld vor sich herschleppt darf man die Frage nach Veruntreuung der katholischen Kirchensteuergelder klar und deutlich stellen!

  5. Mathias Wagener sagt:

    Die Sorge um die Beschäftigten darf aber nicht vergessen machen, welche enormen Beiträge schon für WELTBILD geleistet worden sind, ohne dass sich die Unternehmenssituation besserte. Wie ich gerade gelesen habe, ist schon wieder eine Rettungsrunde zusammengekommen, um noch einmal enorme Leistungen zu erbringen. Mit aus der Luft gegriffenen Vergleichen wie Rüstungsfirmen ist der Sache hier auch nicht gedient.

  6. Peter Hummel sagt:

    Sehr geehrter Herr Schneider-Flagmeyer,

    ich wohne selber in Augsburg und teile vieles von dem, was Sie hier schreiben. Insbesondere zum Thema Geschäftsführung. Aber: In Ihrem Blogbeitrag kommt mit keinem einzigen Wort die Sorge um die Menschen zur Sprache, die möglicherweise ihre Arbeitsstelle verlieren. Allein in Augsburg sind das über 2000. Das Wort „Mitarbeiter“ erwähnen Sie nicht mal, sondern bringen lieber das Schicksal eines einzelnen Bischofs aus Limburg auf die Tagesordnung, der sich sicher keine Sorgen um seine Zukunft machen muss, jedenfalls nicht im finanziellen Sinn. Er hat weder eine Familie zu versorgen, noch muss er sonst persönlich für jemanden sorgen.
    Eine solche Einstellung finde, ich bei aller berechtigten Kritik, höchst problematisch, weil sie zeigt, dass für Sie und Ihr Forum eine Ideologie höher gewertet wird als die Sorgen der Betroffenen. Und viele dieser Betroffen können doch überhaupt nichts dafür, dass sich das Programm und die Ausrichtung von Weltbild so entwickelt hat.
    Sie werden möglicherweise jetzt frohlocken, dass Sie das geschafft haben, wofür Sie jahrelang gekämpft haben, dass nämlich Weltbild Geschichte wird. Ein Trost für junge Frauen und Männer, für Auszubildende und langjährige Angestellte ist das nicht.
    Aber so engstirnig in seiner Weltanschauung wird man womöglich, wenn man selber bereits in Rente ist und die Schäfchen im Trockenen hat. Dann hat man genügend Zeit, sich um skurrile und mit Verlaub völlig alberne Zusammenhänge zwischen Limburg, Augsburg und dem Vatikan zu kümmern.
    Wäre es nicht sinnvoller, für die Menschen bei Weltbild zu beten und zu persönlich zu reflektieren, ob man in der Vergangenheit immer alles getan hat, um deren Arbeitsplätze zu erhalten. Oder ob man durch sein Verhalten vielleicht sogar mit dazu beigetragen hat, dass es so kam, wie es kam.
    Ich würde mir wünschen, dass Sie als Katholik auch gegen Rüstungsfirmen so engagiert vorgehen wie gegen Weltbild, vor allem dann, wenn dort Katholiken beschäftigt sind. Mit deren Produkten werden nämlich nicht nur die Geister verwirrt, sondern Menschen getötet. Aber dazu höre ich von Ihrem Forum nie was. Und Sie wissen genau, dass die Kirche direkt und indirekt an solchen Firmen beteiligt ist.
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Hummel

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Sehr geehrter Herr Hummel,
      darf ich mal hinten anfangen? Rüstungsfirmen sind nicht im Besitz von katholischen deutschen Bistümern. Der Weltbild-Konzern aber schon. Zur Fragen der Rüstung hat sich die Kirche oft genug und engagiert genug geäussert.
      Dass wir nicht frohlocken, habe ich wohl deutlich genug gesagt. Ich bitte Sie herzlich, das noch einmal nachzulesen.
      Zum sozialen Problem für die Mitarbeiter, das natürlich immer im Gespräch war und auch sehr ernstzunehmen ist, habe ich gesagt, dass die Kirche sicher willens und in der Lage ist, alle sozialen Härten zu vermeiden. Ich bin überzeugt, dass der Stellenabbau mit der entsprechenden Verantwortung für die Betroffenen gelingen kann. Soweit dürfen wir bei aller Kritik, die wir haben, der Deutschen Bischofkonferenz vertrauen.
      Ausserdem ist noch nicht klar, ob sich nicht doch noch Interessenten finden, die den Betrieb weiterführen, wenn auch möglicherweise in Einzelbetrieben. Das muss man jetzt einmal erst abwarten.
      Ihre Rentnerpolemik überspringe ich. Klar ist mir allerdings nicht, warum wir in der Vergangenheit alles hätten tun sollen, um die Arbeitsplätze bei Weltbild zu erhalten.
      Wir haben immer wieder in zehn Jahren darauf hingewiesen, dass es nicht zu den Aufgaben der Kirche gehört, einen katholischen Verlag zu einer Art Quelleversand aufzublähen, von dem abzusehen ist, dass er als völlig kirchenfremdes Unternehmen, ein Unternehmen, für das die Kirche keine Kompetenzen hat, scheitern muss, schon weil auf einem solchen Unternehmen mit den immer und immer wieder beanstandeten Artikeln kein Segen liegt.
      Also bitte, machen Sie uns nicht für die Arbeitsplätze bei Weltbild verantwortlich, sondern wenden Sie sich an die, die seit Jahren für die ganze Entwicklung die Verantwortung tragen. Die Adresse der Deutschen Bischofskonferenz und des verantworlichen Sekretariatsleiters P. Langendörfer SJ, Mitglied im Aufsichtsrat, finden sie im Internet.
      Mit freundlichem Gruß
      Michael Schneider-Flagmeyer

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