Limburg und die hohe Kunst des „Vorbeiredens“

Auf die Frage von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller „Wenn Sie sich das Bischofsideal des II. Vatikanischen Konzils vor Augen halten, was kann man Ihrem Bischof vorwerfen?“ antwortete einer der „Hauptprotagonisten des Konflikts: Nichts“. (Tagespost 21.12.13).
Nun ist das Bischofsideal des II. Vatikanischen Konzils kein „machtbesessener“, „arroganter“ und „Geld verschwendender Protzbischof“ wie die Etikettierungen in der monatelangen Medienkampagne gegen Bischof Tebartz-van Elst lauteten, als er weg gemobbt werden sollte, weil er den romdistanzierten nationalkirchlichen Weg in Limburg korrigieren wollte.
Nach dem nun scheibchenweise einiges Licht zugunsten des Bischofs in das Dickicht der Verleumdungen kommt, schon bevor der Prüfbericht der eingesetzten Kommission vorliegt, versuchen einige in Limburg zurückzurudern.
Der Generalvikar Wolfgang Rösch hat zweifellos einen schwierigen Part. Er ist Vertreter des Bischofs und von Rom dazu beauftragt, zur Beruhigung in einer aufgewühlten Diözese beizutragen. Aber er kann das nicht auf Kosten der Wahrheit. Ein Interview der Tagespost (21.12.13) mit GV Rösch ist aufschlussreich.
Auf die Frage „Eine Kommission prüft die Baukosten. Es gibt noch andere offene Fragen. Ein Mitarbeiter soll zum Lügen gezwungen worden sein. Medien wurden offensichtlich von ‚Raben’ mit den Interna aus dem Ordinariat versorgt. Wird auch das untersucht?“ antwortet Rösch:
„Die Prüfungskommission wird zumindest alle Dinge, die mit dem Bau zusammenhängen, thematisieren. Alles andere muss durch direkte Gespräche in Rom geklärt werden“. Warum in Rom und nicht in Limburg, wo doch alles viel näher und „greifbarer“ wäre?
Zur Medienkampagne fragt die Tagespost:
„Warum teilt die Bistumsleitung… nicht die Einschätzung von Kardinal Lajolo: ‚Dass eine Medienkampagne vorliegt, ist nicht zu übersehen. Das merken auch die Gläubigen?’“ und… „gibt es doch eine Kampagne?“ versucht der GV abzuwiegeln: „Ob es eine Kampagne gibt oder nicht, mag ich nicht beurteilen. Mir ist die Unterscheidung der Geister wichtig. Was ist wirklich dienlich, was ist zum Schluss Selbstzweck geworden“. Genau darum geht es: „Was wirklich dienlich ist“, setzt die Klärung, was wirklich war voraus. Um diese Wahrheit, kann man sich nicht elegant mit „man muss differenzieren“ herumreden. Eine Medienkampagne vertuschen zu wollen, das geht wirklich nicht an. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat sie als eine „der schmutzigsten und menschenver-achtendsten Kampagnen“ (Neue Passauer Presse, 12.12.13) bezeichnet.
Eine weitere Frage der Tagespost betraf den romdistanzierten Limburger Sonderweg und die daraus resultierenden Spannungen: „Kardinal Lajolo verortet die Ursachen für den Konflikt tiefer… er habe feststellen können, dass, die Spannungen latent schon über Jahrzehnte existieren und jetzt offen zutage treten. Ist der Bischof Tebartz-van Elst eine Projektionsfläche für Spannungen, die das Bistum seit Jahren in sich trägt?“ Darauf GV Rösch: …“den Prozess, der in den Konflikt hineininterpretiert worden ist – ein Bistum, das sich sehr stark von Rom losmacht – gibt es nicht“. Wirklich nicht? Ist GV Rösch das Wort des Hauptgegners des Bischofs, nämlich des Stadtdekans von Frankfurt, Graf von Els gänzlich unbekannt, das lautet: „Die Ambivalenzen der Regelung deuten in meinen Augen darauf hin, dass der Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof eine wichtige Rolle zugedacht war, noch nicht entschieden und noch nicht zu Ende ist“?
Die Tagespost hakt nach: „Nicht einmal das Domkapitel hat damals widersprochen. Wenn Kardinal Lajolo nur etwas in den Konflikt ‚hineininterpretiert’ hat – warum wird dann seine Einschätzung von vielen Gläubigen im Bistum Limburg nachvollzogen… vor allem der synodale Weg hat eine Mentalität geprägt, in der ‚Limburger Wege’ in der Praxis nicht unbedingt nicht etwas mit dem Kirchenrecht zu tun haben brauchen“. Hier versucht Generalvikar Rösch das Problem in die überwundene Vergangenheit abzuschieben: „In den siebziger Jahren gab es bei uns vielleicht wirklich Demontagevorstellungen, als wir diesen Weg als erste Diözese ausexperimentierten… die Suchbewegungen der 70er und 80er Jahre haben wir hinter uns… wir stehen in einer gesunden Ekklesiologie.“
Der Generalvikar wird im Interview auch auf seinen Brief auf die Gemeinden angesprochen, wo er „den Dienst des Bischofs als Dienst an der ‚Einheit des Bistums’“ beschreibt. Die Tagespost fragt nach, ob es „im Bistum auch ein ‚Bewusstsein für die zweite Dimension des bischöflichen Dienstes mit dem Papst die Glaubenseinheit mit der ganzen Kirche’ gäbe“. Der GV bleibt im Allgemeinen: „Es gibt kein Schwarz-Weiß. Es geht hier eben um die große Kunst der Leitung. Sie müssen in jedem Fall versuchen, die Menschen als Menschen ernst zu nehmen und sie für die geistliche Einheit und die theologische Wahrheit zu gewinnen. Es nutzt nichts, wenn sie das ‚hoffnungslos richtig’ machen. Natürlich sind Wahrheiten nicht beliebig und konstituieren sich nicht durch Mehrheitsbeschluss“. Die Frage ist doch, ob in Limburg versucht wurde, Wege zu gehen, die sich wenig um die Einheit mit der Gesamtkirche und mit dem Papst geschert haben. Das ist der Punkt!
Auf die Schlussfrage „Können sie sich eine Rückkehr von Bischof Tebartz-van Elst nach Limburg vorstellen!“ antwortet GV Rösch: „Ich persönlich kann mir alles vorstellen… ich bin froh, dass ich nicht der Richter bin“. Letzteres ist verständlich. Nur, auch ein Schlichter muss die ganze Wahrheit aussprechen, weil er sonst kein Problem löst, sondern nur vertagt!

Hubert Gindert

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3 Antworten auf Limburg und die hohe Kunst des „Vorbeiredens“

  1. Mathias Wagener sagt:

    Das „Hoffungslos richtig“ schreckt mich förmlich auf. Was will uns der Generalvikar denn damit sagen ? Das heißt doch, dass jemand machen kann, was er will (im positiven Sinn) und er hat dennoch keine Chance. Das ist die „Ideologie“ des Mobbings. Es ist „ausgemacht“, einer muss weg, egal warum. Wer da noch meinen kann, dass der Generalvikar die Rückkehr des Bischofs wünscht, ist meines Ermessens auf dem Holzweg. Der Generalvikar steht auf der Seite derer, die die Rückkehr in den Bischofssitz nicht betreiben (und damit nicht wollen). In Limburg soll alles so bleiben wie es ist und das ist eben nicht gut so.
    Wünschen wir der neuen Initiative für die Rückkehr des Bischofs alles Gute !

    • Marc sagt:

      Gemeint ist wohl: Der Bischof will die Wahrheit den Leuten einhämmern. Seine Verkündigung ist nicht „zeitgemäss“. Was auch immer das heissen soll.
      Zu Deutsch: Er macht alles richtig ist aber nicht cool genug. „Er kommt zu dominant rüber.“
      Genauer: Irgendwie muss er doch auszutauschen sein ist das Motto!

  2. Marc sagt:

    Das ganze Gerede des GV nützt ueberhaupt nichts. Wenn es regnet, gilt es eine Entscheidung zu treffen. Was wollen Sie sagen Herr Generalvikar?

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