Auf den Punkt gebracht

Es gibt Begriffe, die einen Vorgang mit einem Wort prägnanter beschreiben, als dies manche mit langatmigen Artikeln oder gar mit Büchern können. Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg ist dies mit dem Begriff „Entsakralisierung“ gelungen, wenn er sagt, „gegen Bischof Zdarsa von Augsburg sind Ideologen am Werk, die die Entsakralisierung der Katholischen Kirche vorantreiben wollen“ (Augsburger Allgemeine Zeitung 26.5.12).
Den Vorgang der „Entsakralisierung“ finden wir, über die Diözese Augsburg hinaus, gegenüber der Eucharistie, der Priesterweihe und dem Ehesakrament. Sie setzt sich fort in der „Entsakralisierung“ von Kirchen, die zu multifunktionalen Räumen gemacht werden, wenn dort Konzerte und Vorträge stattfinden, die wenig oder nichts mit geistlicher Thematik zu tun haben. Entsprechend schlendert ein Publikum in die Kirchenräume, das sich laut unterhält, Kaugummi kaut und Bonbons lutscht und selbstverständlich keine Kniebeuge macht, bevor es sich in die Kirchenbänke hineinplatziert. Bei manchen Erstkommunion- und Firmfeiern oder bei Hochzeiten, bei denen den Mitfeiernden der Fotoapparat wichtiger als das Gebetbuch ist, sieht es ähnlich aus.
Bei der „Entsakralisierung“ geht es den o. a. Ideologen in erster Linie um die Sakramente, und hier vor allem um die Eucharistie, „Mitte und Höhepunkt des Lebens der Kirche“ (KKK, 1407). Die Eucharistiefeier, mit dem zentralen Sakrament der Kirche, zu deren Teilnahme alle Katholiken am Sonntag verpflichtet sind, soll durch einen Wortgottesdienst ersetzt werden können. Um dieses Vorhaben voranzubringen, werden alle denkbaren „Argumente“ angeführt: Priestermangel, die unzumutbare Entfernung zum nächsten Ort, an dem eine Eucharistiefeier stattfindet, das Zusammenkommen der Gottesdienstgemeinde, theologisch ausgebildete und verfügbare Pastoralassistenten etc. Bischof Zdarsa hat diesen Bestrebungen mit seinem Fastenhirtenbrief 2012 einen Riegel vorgeschoben. Deshalb ist er zur Zielscheibe der „Entsakralisierer“ geworden.
Auf dem Weg zur „Entsakralisierung“ der Eucharistiefeier stellt das Weihepriestertum das wichtigste Bollwerk dar. Nur ein Priester kann den Auftrag Jesu, den er im Abendmahlsaal den Aposteln gegeben hat, gegenwärtig setzen. Die Unverfügbarkeit der Jesuworte im Abendmahlsaal rechtfertigt die Änderung „für viele“ anstelle „für alle“. Sie erklärt aber auch den Widerstand mancher Kreise gegen diese Änderung, weil so dem menschlichen Gestaltungswillen die Grenze aufgezeigt wird. Diese Grenze wird auch deutlich, wenn Johannes Paul II. allen Bestrebungen, Frauen zu Priestern zu weihen, im apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ vom 24. Mai 1990 eine definitive Absage mit den Worten erteilt: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich … dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“.
Die „Entsakralisierer“ versuchen nun, die auf Christus zurückreichende Tradition der Kirche zu unterlaufen, indem sie beim Diakonat für die Frau ansetzen, in dem Wissen, dass das Weihepriestertum im Diakonat, Priestertum und Bischofsamt dreigeteilt eine Einheit bilden. Der Frauendiakonat wäre also der entscheidende Durchbruch. Aber auch hier stoßen sie auf eine unübersteigbare Barriere, weil Weiheämter nur Männern gespendet werden können, wie dies der Katechismus der Katholischen Kirche eindeutig ausdrückt.
Nach katholischer Lehre ist die Ehe ein Sakrament, nach protestantischer Sicht ein „weltlich Ding“. Trotzdem halten bibeltreue Protestanten an der Einehe fest. Die katholische Ehelehre lässt keine Scheidung und Wiederverheiratung zu. Die Kirche hat dafür große Opfer gebracht, wie unter anderem das Beispiel Heinrich VIII. von England zeigt.
Die „Entsakralisierer“, wie die 200 Pfarrer und Diakone im Erzbistum Freiburg mit ihrem Memorandum „Den notwendigen Aufbruch wagen“, treten für die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zu den Sakramenten ein. Sie bringen insbesondere die „Barmherzigkeit“ als Argument und erklären: „Uns ist bewusst, dass wir damit oft gegen derzeit geltende kirchenrechtliche Vorschriften der römisch-katholischen Kirche handeln.“ Das Kirchenrecht schützt aber nicht nur die Lehre der Kirche. Es schützt die Schwachen! Das sind die Ehepartner, die gegen ihren Willen geschieden werden und die Kinder aus diesen Ehen. Der Vorgang zeigt, dass die „Entsakralisierung“ vielfach aus der Mitte der Kirche kommt. Dem ist entschieden entgegenzutreten!
Hubert Gindert
Prüfstand Der Fels 7/2012 S. 217

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Auf den Punkt gebracht

  1. quer sagt:

    Die „Entsakralisierung“ findet zwar durch „katholische“ (!) Theologen statt, stößt aber auf herzliches Willkommen bei den „Gläubigen“.

    Überfällig daher, die Trennung von Spreu und Weizen.

    Ich stelle mir Aberwitziges vor: Von seinem (hoffentlich noch gläubigen und mit Rom verbundenen) Bischof erhält jeder Pfarrer (mit Ausnahme der „Entsakralisierer“) den bindenden Auftrag, den Glauben eines jeden Gemeindemitgliedes im Gespräch zu examinieren. Dabei ginge es nicht um die Lauheit (vor der niemand gefeit ist), sondern allen um den Glauben in seiner Gänze….
    Alle jene, die ihren Glauben nicht zweifelsfrei darlegen können/wollen, müssen in der Folge exkommuniziert werden.

    Frage: Wieviele tatsächlich (bedingungslos) glaubende Gemeindmitglieder werden wohl übrig bleiben? 10, 20 oder gar 30%??

    Die Angst um das schöne Geld verhindert aber eine solche Selbstvergewisserung und Selbstreinigung der Kirche, ohne die eine Neu-Evangelisierung nicht die geringste Chance auf Erfolg hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*