„Schwulsein ist eine normale Ausnahme“

Unter diesem Titel hat der erfahrene Journalist und ehemalige Chefredakteur der „Heilbronner Stimme“ Dr. Wolfgang Bok im „Cicero“ einen Artkel veröffentlicht, den zu lesen ich besonders empfehlen möchte.
http://www.cicero.de/berliner-republik/kulturkampf-der-homophilen-schwulsein-ist-nur-eine-normale-ausnahme/56849
Der „Cicero“ hat mit dem Wechsel des Chefredakteurs und mit einem durchaus jungen Redaktionsteam erstaunlich schnell wieder zu seinem alten Gewicht gefunden und ist in der Medienlandschaft sicher eines der interessantesten Magazine sowohl in seiner Printausgabe als auch in seiner Online-Ausgabe. Man muß und kann als Katholik nicht allem zustimmen, aber in diesem „Magazin für politsche Kultur“ finden sich viele gute Beiträge, die nicht dem Zeitgeist folgen und damit nicht mit den Wölfen heulen. Dadurch hebt sich der „Cicero“ auffallend und wohltuend vom Einheitsmonolog der Mainstreammedien ab. Natürlich muss ein Katholik dieses Magazin auch mit dem nötigen Abstand lesen; denn ein katholisches oder ausgesprochen christliches Blatt ist „Cicero“ nicht. Das muss es auch nicht sein; denn man ist heute froh, noch ein Presseorgan zu finden, das mitunter dem Zeitgeist energisch Paroli bietet. Ganz besonders in der Frage der fast einheitlichen kritiklosen Propagandierung des Schwulseins und der Betrachtung der sogenannten Homophobie hat der „Cicero“ anlässlich des Bildungsplans 2015 der Landesregierung von Baden-Württemberg (siehe unten auf diesem Blog) in einer Reihe von Artikeln mit Erfolg versucht, Vernunft in diese Diskussion zu bringen. Erinnert sei auch an das interessante und aufschlußreiche, ausführliche Interview Alexander Kisslers mit Erzbischof Gänswein im Januarheft 2014.
Zu dem Artikel von Wolfgang Bok meldeten sich ungewöhnlich viele Kommentatoren zu Wort, von Betroffenen wie David Berger bis zu zahlreichen Stimmen aus dem vornehmlich intellektuellen Milieu, die bis auf wenige Ausnahmen z.T. völlig irrational, manchmal wüst emotional über die sachlichen, nicht aggressiv vorgetragenen Argumente des Autors herfielen, in einer Mischung aus eigener Betroffenenheit und ideologischer Verbohrtheit, die die Argumente von W. Bok eigentlich nur unterstreichen. Leider überwiegen diese Kommentare.
Sehr weise und für Katholiken gültig hat das römische Lehramt im für die Weltkirche verbindlichen Katechismus der katholischen Kirche KKK zur Frage der Homosexualität Stellung bezogen und den Betroffenen den spirituellen Weg zum Umgang mit ihrer Veranlagung aufgezeigt und für die gesamte Weltkirche in allen Erdteilen und Völkern den Gläubigen die Diskriminierung, Benachteiligung und Herabsetzung der Betroffenen untersagt.
Nachfolgend gebe ich meinen Kommentar in cicero-online in etwas erweiterter Form wieder:

Alleine die Kommentierung hier beweist, dass Herr Bok mit seiner Feststellung eines „Kulturkampfes“ recht hat. Und in einem Kulturkampf geht es immer wenig rational sondern emotional zu.
Boks vernünftige, nicht aggressive Aussagen werden dann auch gleich als „Ansammlung von homophoben Vorurteilen und homophober Hetze“ bezeichnet.
Ganz offensichtliche Tatsachen werden als „beliebter Trick eingeordnet. Und natürlich melden sich Betroffene zu Wort. Verständlich. Dabei wird übersehen, dass die meisten Schwulen ruhig normal leben wollende Menschen sind, die einfach mit diesem schrillen Kulturkampf in Ruhe gelassen werden wollen. Sehr viele von ihnen gehen sonntags zur Kirche, drängen ihr Sosein niemandem auf und einige Kluge unter ihnen haben vor vielen Jahren schon davor gewarnt, dass dieser laute „Kampf“ eines Tages ein Bumerang wird. Ich darf von mir behaupten, völlig frei von Vorurteilen gegenüber Menschen anderer Kulturen zu sein. Dazu wurde ich auch erzogen und ausgebildet.
Aber bestimmte Tatsachen kann ich nicht übersehen. Der „Schwulenhass“ auf dem Schulhof hat damit richtig an Fahrt gewonnen, als immer mehr Schüler aus den Kulturen dorthin kamen, in denen Homosexualität nicht nur nicht geduldet wird, sondern drastisch geahndet wird. Das verstärkt um ein Vielfaches die schon immer, aber früher sehr viel schwächer vorhandene Neigung besonders bei Jungens, ihr normales Ringen um die eigene sexuelle Identität durch Ablehnung jedes Anderseins und damit durch Einstimmen in den Antischwulenchor zu verteidigen. Natürlich ist es richtig und nötig, die pubertierenden Kinder durch besonnenen Unterricht zu wirklicher Toleranz d.h. zu Verständnis des Soseins eines gewissen Prozentsatzes der Menschheit hinzuleiten.
Aber den Kulturkampf in die Schulen zu tragen und eine völlige Gleichstellung der sexuellen Neigungen den Schülern per Lehrplan aufoktruieren zu wollen, ist mit Sicherheit der falsche Weg und wird nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Das sagen auch viele kluge Schwule, die von den aggressiven Aktivitäten einer ideologisierenden Minderheit angewidert sind. Auch sehen viele von ihnen die Schwierigkeiten, die auf uns zukommen aus der Tatsache, dass die unter 40jährigen Deutschen in den Großstädten bereits in der Minderheit sind. Dieses lässt sich durch emotionales Gebrüll und Ideologie nicht aus der Welt schaffen.
Herr Bok hat völlig recht: Jede Warnung und jeder Versuch einer sachlichen Argumentierung wird sogleich von Betroffenen und deren ideologischen und damit politischen Unterstützern mit Geschrei als „homophobe Hetze“ abqualifiziert. Ob es uns passt oder nicht: wir haben nun mal unsere Zukunft millionenfach rechtswidrig aber straffrei abgetrieben und klagen das noch als Menschenrecht ein, aber die Folgen, dass nun eine Jugend aus anderen Kulturen mit scharfer Ablehnung des „normalen Schwulseins“ hier bei uns immer mehr dominiert, können wir nur schwer ertragen. Aber wir werden es müssen; denn selbst viele Schwule aus diesen Kulturen müssen in den Anti-Chor einstimmen – besonders auf dem Schulhof – um in ihren Familien und Freundeskreisen aus der Kultur ihres Ursprungslandes bestehen zu können. Hier ist eine geduldige und vorsichtige Pädagogik gefragt und kein politisches Hauruckverfahren.
Ich stimme dem Artikel von Herrn Bok zu. Der „Cicero“ wird sich nicht beirren lassen und sollte auch bei dieser Haltung bleiben. Im Gegensatz zu einem anderen Kommentator habe ich den „Cicero“ wieder neu abonniert. „Das ist dann auch gut so.“
Michael Schneider-Flagmeyer 18.01.2014 | 12:17 Uhr (cicero-online)

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3 Antworten auf „Schwulsein ist eine normale Ausnahme“

  1. Konrad Kugler sagt:

    War China, die Volksrepublik China 1972 streng katholisch?

    Das müßte man im Umkehrschluß annehmen, wenn man die Haßwellen zur Kenntnis nimmt, die gegen die katholische Kirche anbranden.

    Im kommunistischen China wurden 1972 Schwule erschossen. Warum trifft sie nicht der Haß.

    Hat das gar etwas mit der Wahrheitsfrage zu tun.

  2. Kemmer, Hermann-Josef sagt:

    Die ideologisch aufgehetzte Polarisierungsdebatte zu dieser Thematik ist ein Schritt rückwärts in Sachen Toleranz. Pro und Contra-Argumente sind im Grunde genug geführt worden. Es geht hier nicht um Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Es geht einfach nur um die Ablehnung der „alternativlosen“ Ideologisierung in der Schule. Der Hebel ist ohnhin falsch angesetzt. Welchen Sinn macht es – außer der Zerstörung der Wertvorstellungen der Familie – Kindergarten- und Grundschuldkinder in die sexuelle Frühaufklärung zu treiben. Weder diese noch die Gleichstellung als „Wahl“ der Geschlechter hat etwas in der Schule zu suchen. Diese Frühaufklärung ist ein Relikt aus der Forderung der GRÜNEN nach Freigabe der Pädophilie, die seltsamerweise in dieser Partei überhaupt nicht aufgearbeitet wird.
    Und der Kommentator hat völlig Recht, wenn er die muslimische Gedankenwelt der Antihomosexualitätspraxis anspricht. Diese verschärft die Polarisierung dieses Themas ungemein. Die Realitäten werden offensichtlich in diesem Lande von den Entscheidungsträgern völlig ignoriert. Kein Elternteil von muslimischen Kindern lässt sich die unnötige Gleichstelllungsagenda dieses „Unbildungsplans“ gefallen, wenn es an die Praxis geht. Wenn der Schüler dann zuhause auf „antischwul“ getrimmt wird, verschärft sich diese Polarisierung. Denn die Familie hat in der muslimischen Welt einen ungleich höheren Stellenwert als in dieser von Linken und Grünen Multikulti herbeigeführten Toleranzromantikerideologie der Gleichheit für alle. Dieser Bildungsplan und alle die länderübergreifend in gleichem Sinne nachfolgen werden, kreiert von wertefreien Politikern, haben sich die falschen Einwanderer ausgesucht. Diese lassen sich nicht so leicht manipulieren. Mit diesem Bildungsplan wird der muslimische Integrationswille auf ein Minimum reduziert. Weder Abtreibungsfreigabe noch Bildungspläne wie dieser bringen der Bevölkerung Glück, weil sie gegen den Willen Gottes permanent verstoßen, ob viele Menschen es wahr haben wollen oder nicht.

  3. Meier, Karl sagt:

    Ich denke, man sollte zu seiner Meinung stehen.
    Ich lehne Homosexualität ab, ich finde sie widerlich. Ist eben so. Die meisten Leute sehen das ähnlich. Ich werde deswegen keinen Schwulen überfallen, sie sind meiner Ansicht nach schon geschlagen genug. Aber ich werde mir auch nicht bieten lassen, dass mir irgendwer das Wort verbieten will.

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