Peinliche Intervention

Der hondurianische Kardinal Oskar Rodriguez Maradiaga hält die Rückkehr des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst für ausgeschlossen: „Ich weiß, dass viele Gläubige im Bistum Limburg verletzt sind. Um offene Wunden zu heilen, schütte ich keinen Alkohol darauf“ (Konradsblatt 4.2014, S.4).
Diese Bemerkung des Kardinals aus Honduras klingt erstaunlich. Es heißt zwar im Katechismus der katholischen Kirche (KKK, Ziff. 1560):

„Als Stellvertreter Christi hat jeder Bischof das Hirtenamt über die ihm anvertraute Teilkirche inne, gleichzeitig aber obliegt ihm die Sorge für alle Teilkirchen, die er zusammen mit allen Brüdern im Episkopat kollegial auszuüben hat“.

Ist die Aussage des honduorianischen Kardinals ein Beispiel für die „kollegiale Ausübung“ seiner Sorge für die Diözese Limburg? Und, wenn ja, für welche Gläubigen dieser Diözese? Kennt der Kardinal nur den einen Teil der Gläubigen, die verletzt sind? Weiß er nicht, dass sich in einer Unterschriftenaktion ebenso viele Katholiken für Bischof Tebartz-van Elst ausgesprochen haben, wie in einer anderen gegen ihn? Hat Kardinal Maradiaga nichts gehört von der Erklärung Limburger Katholiken „Wir wollen unseren Bischof zurück“, die ein beachtliches Echo gefunden hat.
Wenn der Kardinal aus Honduras die Verhältnisse in Limburg so gut kennt, dass er seine Feststellung treffen konnte, dann müsste er auch bescheid wissen von der monatelangen Hetzkampagne gegen den Limburger Bischof. Als ausgebildeter Psychologe wüsste er dann auch, dass viele Gläubige, die er als „verletzt“ sieht, es deswegen sind, weil sie womöglich desinformiert und verhetzt worden sind. Erzbischof Gerhard-Ludwig Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, der als ehemaliger Regensburger Bischof persönlich erlebt hat, wie Medienkampagnen ablaufen, hat die von Limburg als das benannt, was sie auch war: „Eine der schmutzigsten und menschenverachtendsten Kampagnen“ (Neue Passauer Presse, 12.12.13).

Nun hat Kardinal Maradiaga in der gleichen Presseintervention auch den Präfekten der Glaubenskongregation – öffentlich! – kritisiert. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Bleibt die Frage, vor welchen Karren hat sich Kardinal Maradiaga spannen lassen? Peinlich, peinlich!

Hubert Gindert

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6 Antworten auf Peinliche Intervention

  1. Froschkönig sagt:

    Kardinal Oskar Rodriguez Maradiaga hat nur festgestellt ,dass Bischof Tebartz van Elst einmal das Gericht und dann die Öffentlichkeit , bezüglich der voraussichtlichen Baukosten , belogen hat und dadurch viel Vertrauen in seinem Bistum verloren hat . Ich glaube , auch Prof. Hubert Gindert wird nicht bestreiten können, dass es sich hier um Sünden handelt ! Siehe KKK Seite 619 !

  2. Gerhard ley sagt:

    Ich stimme Herrn Gindert und Apfelbaum vollinhaltlich zu!

  3. Mathias Wagener sagt:

    Si tacuisses…Der Kardinal aus Honduras würde besser einmal mehr schweigen. Zuviel Porzellan hat er mittlerweile schon zerschlagen, um es zurückhaltend auszudrücken. Die Situation in Limburg dürfte er wohl kaum so gut beurteilen können, um sich soweit aus dem Fenster zu lehnen. Wer die Entwicklung dort kennt, weiß, was geschehen ist. Gerechtigkeit für den Bischof, Gerechtigkeit schafft Frieden. Tebartz van Elst ist und bleibt der legitime Bischof von Limburg.

  4. Kirschbaum sagt:

    Prof.Gindert und „Apfelbaum ist zuzustimmen, dass die Äusserungen des hondurianischen Kardinals zu Limburg und Kardinal in spe Müller unakzeptabel sind.
    Kardinal Maradiaga hat große Verdienst um die Kirche in seinem Land und in Lateinamerika. In Glaubensfragen hat er sich wie Kardinal Marx übrigens auch stets standfest erwiesen. Nur scheint mir beiden Kardinälen gemeinsam zu sein, dass sie in der Kirche „Politik“ betreiben und dass im Falle von Kardinal in spe Müller auch persönliche Dinge eine Rolle spielen, besonders bei Kardinal Marx. Mit der von Apfelbaum angesprochenen Machtfrage ist immer auch das Thema des Neides verbunden, zu dem sich Papst Franziskus in seiner Predigt vom 23.1.2014 in S. Marta geäussert hat. Der Neid stammt vom Teufel und die invidia clericalis (der geistliche Neid) ist eine Art, wie Satan in und an der Kirche arbeitet. Gerade Kirchenfürsten müssen sich davor besonders hüten. Kardinal Maradiaga hat sich schon früher durch sein etwas forsches Mundwerk den Mund kräftig verbrannt, was ihm aus gegeben Anlass die Juden heute noch vorwerfen. Er hat sich insofern einmal mehr blamiert, als er sich völlig unwissend über die wahren Verhältnisse in Limburg gezeigt hat. Ausserdem hat der Erzbischof von Tegucigalpa mit Sicherheit andere Sorgen zu haben als die der kleinen deutschen Diözese Limburg.
    Beide hier angesprochenen Kardinäle müssen dringend lernen, dass es ein verheerendes Signal an die Gläubigen und an die Öffentlichkeit ist, den Präfekten der römischen Glaubenskongregation in der Öffentlichkeit anzugreifen.

  5. Apfelbaum sagt:

    Es geht nicht darum, dass er sich vor einen Karren hat spannen lassen, sondern, dass er Müller angreifen und diskreditieren will. Es geht um eine Machtfrage.
    Ich finde es absolut unmöglich einem deutschen Schmierblatt wie dem KölnerStadtAnzeiger als ausländischer Kardinal von einem anderen Kontinent ein Interview zu einer so heiklichen Sache wie der Limburg-Hetze zu geben und dabei noch den Präfekt der Glaubenskongregation, der aus dem gleichen Land kommt und die Verhältnisse kennt, anzugreifen und nieder zu machen. Das ist erstens absolut unkollegial und zweitens kirchenschadend. Der weiß doch genau, dass die Dinge in der Klärung sind. Es gibt nicht den geringsten Anlass dazu, irgendeinen Kommentar abzugeben, zumal er keinerlei irgendwie erwähnenswerten Bezug zu Deutschland hat. So könnte man es zwar verstehen, wenn es Marx getan hat, aber der hat sich schön brav zurück gehalten, weil er genau weiß, dass als nächster er mit seinen Millionen-Ausgaben am Pranger steht. Marx und Zollitsch waren ab dem Zeitpunkt ruhig, wo die Presse plötzlich insgesamt die Finanzen der Kirche am Wickel hatte. Marx gibt ein Vielfaches an Geld aus wie es in Limburg geschehen ist.
    Maradiaga und Marx versuchen ständig Müller anzugreifen, es geht ihnen dabei um reine Machtfragen. Sie können es anscheinend nicht ertragen, dass Müller als Präfekt der Glaubenskongregation mehr zu sagen hat als sie. Aufgrund der Zugehörigkeit zum C8-Kreis glauben sie, sich das raus nehmen zu können und sich damit bei bestimmten kirchenfernen Kreisen schon für die Zeit nach Franziskus empfehlen zu können. Mit Maradiaga und Marx wäre die Kirche ganz übel dran. Da kann man nur sagen: Gott bewahre uns vor diesen Personen.
    Und ob jemand Psychologe ist würde ich sowieso komplett außen vor lassen. Psychologen haben nicht mehr oder weniger Menschenverstand als andere Menschen. Oft ist es sogar so, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, weil die Psychologie keine Anker hat.

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