Kirchenzeitung nicht Abklatsch sondern Alternative

In der letzten Ausgabe der Essener Kirchenzeitung „Ruhrwort“ war in „eigener Sache“ zu lesen (Konradsblatt 2/2014, S.2).

„Unsere Zeitung haben wir nicht als Propaganda verstanden. Eine Zeitung soll (…) ein Spiegel der Wirklichkeit sein. Auch der Wirklichkeit unserer Kirche. Das verlangt auch von einer Kirchenzeitung, dass sie nicht ein herausgeberhöriges, willfähriges Multiplikationswerkzeug ist, ein Verlautbarungsorgan höherer Kirchen- und Bischofsmeinungen, sondern dass sie als Kommunikationsfeld zwischen Bischof und Gemeinden und Gläubigen agiert.“

Dieser Text gibt das Selbstverständnis der Redakteure des „Ruhrworts“ wieder. Die Essener Bistumszeitung stand im Dienst der Ortskirche. Diese hat einen Verkündigungsauftrag. Kirche soll die frohe Botschaft unverkürzt und unverfälscht den Menschen unserer Zeit nahe bringen, ihnen in ihrer Alltäglichkeit Hilfe, Trost, Freude am Glauben, auch in schwierigsten Stunden, beispielsweise wenn ein ärztlicher Befund auf eine unheilbare Krankheit oder eine Todesnachricht vorliegt, über das irdische Leben hinaus vermitteln. Die Frohe Botschaft kann das, weil sie, wie Papst Franziskus sagt, die Nachricht davon ist, dass jeder Mensch von Gott unwiderruflich geliebt wird. Das ist auch der Grund dafür, dass der Mensch, selbst wenn er in große Schuld verstrickt ist, jeden Tag einen neuen Anfang setzen kann. Das wiederum kann kein säkulares Medium, weder Zeitung noch Fernsehen leisten.

Mit der Verbreitung dieser frohen Botschaft wäre eine Kirchenzeitung voll ausgelastet, schon deswegen, weil immer weniger Menschen diese Botschaft kennen und deswegen in schwierigen Situationen keine Kraft aus ihr schöpfen können. Hat das „Ruhrwort“ diese gute Nachricht verbreitet?

Wenn eine Kirchenzeitung nur ein Abguss der Tageszeitung mit katholischem Mantelteil ist, wenn sie nur „Spiegel der Wirklichkeit“ ist, ohne diese aus der Sicht des Glaubens zu interpretieren, kann man dafür auch eine kommentarlose Bilddokumentation oder ein Polizeiprotokoll zur Hand nehmen. Wenn Redakteure die Zeitung ihres Bischofs, für den sie doch arbeiten, als „Verlautbarungsorgan“ oder als „willfähriges Multiplikationswerkzeug“ diffamieren, haben sie ihren Auftrag verfehlt. Denn in einer Kirchenzeitung kann es nicht darum gehen, das zu bringen, was in jeder Tageszeitung nachzulesen ist. Dann braucht man sie nämlich nicht. Dass die Essener Kirchenzeitung vor dem Aus steht, hat womöglich auch damit zu tun, dass Katholiken das „Ruhrwort“ nicht vermissen.

Hubert Gindert

 

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2 Antworten auf Kirchenzeitung nicht Abklatsch sondern Alternative

  1. Eduard Werner sagt:

    Folgende Aufgaben könnten Kirchenzeitungen erfüllen: Berichten über die Märtyrer im Nationalsozialismus und auch im Kommunismus, über die Märtyrer heute in Asien und Afrika, Kirchenzeitungen könnten den Glauben und die Kirche verteidigen durch wahrheitsgemäße Information – natürlich nicht durch „Hofberichterstattung“ – Wer sonst? Das brächte Pfeffer in die einseitige Medienlandschaft. Kirchenzeitungen könnten auch Glaubenswahrheiten vermittel, damit die „Gläubigen“ ihr Wissen nicht nur aus den oberflächlichen und glaubensfeindlichen Medien beziehen müssten. Kirchenzeitungen hätten Aufgaben, sie verschwinden nur, wenn sie ihre Aufgaben nicht erfüllen.

  2. Kemmer, Hermann-Josef sagt:

    Auch der Wirklichkeit unserer Kirche. Diese Wirklichkeit der Kirche sieht leider trübe aus, zumindest hier in Deutschland. Daran ist diese Kirche hier nicht unschuldig. Ich bin 60 Jahre alt und regelmäßiger Kirchgänger, habe aber z. B. in keiner Predigt eines Priesters oder Pastoralreferenten gehört, dass es sinnvoll sei und christlich, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Ich habe zur Christenverfolgung leider nur wenig von der Kanzel kommend vernommen, ebenso wenig Zustimmung oder Verteidigung des Zölibats. Stattdessen höre ich Aufgabe des Zölibats und Hinwendung zum Frauenpriestertum. Wir hören vielfach all das, was Menschen wollen und hören von der Kanzel zuwenig, was Gott wollen könnte. Jesus hat nun einmal die Jungfräulichkeit als hohen Maßstab für ein jesuanisches Leben gesetzt. In aramäischen Kreisen ist es Usus, dass das Ideal hochgehalten wird, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Für diese Christen ist das selbstverständlich und ist in ihrer Kultur verwurzelt.
    Wann habe ich zum letzten Mal eine Predigt gehört, in der die Geheimnisse der hl. Messe den Gläubigen erklärt wird? Die einfachsten Glaubensregeln kennen die jungen Leute nicht mehr. Die Kirche hier hat dieses Glaubensunwissen mit zu verantworten. Christliche Ethik und Moral, allerdings auch der Glaube ist nicht mit demokratischen Mitteln zu verändern. Das wird zu wenig gesehen. Jesus hat mitunter klare Vorgaben gegeben und stehen nicht zur Disposition. Wann wurde zuletzt die erlösende Macht der Beichte von der Kanzel propagiert. Ich kann mich nicht erinnern! Die Eucharistie als solche war schon lange nicht mehr GEgenstand einer Predigt.
    Ich kenne die Kirchenzeitung nicht. Aber sie wird möglicherweise den Trend der kath. Kirche, den Glauben versozialisieren und verpsychologisieren zu wollen, mitgetragen haben. Und da wird dann viel zerredet und die Klarheit des Evangeliums wird vernebelt und auf Menschengedanken hin zunehmend ausgerichtet. Eine Zeitung, die den Mehrheitskatholiken nach dem Mund redet, wird möglicherweise als „salzlos“ angesehen. Wenn ich dieser Zeitung Unrecht getan habe, entschuldige ich mich an dieser Stelle von ganzem Herzen. Aber meine Aussagen zur Selbstabschaffung des Glaubensgerüstes des Katholischen in Eigenregie halte ich aufrecht.

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