„Krieg“ in der Kirche?

Die Bergpredigt Jesu beginnt gleich nach den Seligpreisungen mit der Beschreibung dessen, was wir sind und sein sollen nach dem Willen Gottes.
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ (Matth.5,13)
Dieses Herrenwort ist ein fester Bestandteil der ganzen Verkündigung Jesu, die von Umkehr und Buße und dem steilen Weg, der nach oben führt, spricht. Und auf diesem Weg ist Er der Eckstein, an dem sich Viele stoßen werden. Der Herr hat uns auch gesagt, dass der Jünger nicht über dem Meister steht und dass, wenn man schon ihn verfolgt hat, die „Welt“ es auch mit uns nicht anders treiben wird. Aber er hat uns seinen Beistand versprochen und unsere Augen auf das ewige Ziel gelenkt.
Nun haben wir seit fast einem Jahr einen Papst, der das große Charisma hat, die klare Lehre seines Vorgängers in einfachen Worten, die jedermann versteht, als Pastor Mundi unter das Volk zu bringen. Dabei wird er nicht müde, in Taten und Worte die enge Verbundenheit mit seinem Vorgänger zu betonen. Immer wieder sagt er, dass er ein Sohn der Kirche sei und somit fest auf dem Boden der Konzile und des römischen Katechismus steht. Wer die täglichen „Franziskusperlen“ auf kath.net liest, kann daran nicht zweifeln. Er will nicht die Lehre der Kirche verändern sondern den Ton der Verkündigung oder wie Erzbischof Gänswein sagt: Er will nicht den Glauben sondern die Gläubigen ändern. Das verstehen viele Leute in der Kirche offensichtlich falsch.
Jesus hat vom „Salz der Erde“ gesprochen, das wir sind und sein sollen und nicht vom „Schmieröl des sich stets wandelnden Zeitgeistes“.
Wenn er vom steilen Weg nach oben spricht, dann ist es unsere Aufgabe, nicht die Mühsal und das Schwere dieses Weges mit Schrecken auszumalen, sondern zu zeigen, dass mit jedem Schritt auf diesem Weg die Aussicht weiter und schöner wird und die Frucht, die auf dem Wege liegt immer reifer, süßer und greifbarer wird.
Und es ist die Pflicht der Hirten und Verkünder der Kirche die Menschen davor zu warnen, dass das Schmieröl des Zeitgeistes die Menschen auf dem breiten und nur scheinbar bequemen Weg nach unten rutschen lässt, wo die Aussicht immer schlechter wird.
Das geschieht leider bei einem großen Teil der Hirten und Verkünder nicht.
So hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann gerade in einem Zeitungsinterview eine wesentliche Änderung der kirchlichen Sexualmoral verlangt und der kirchlichen Lehre durch Papst und Konzile, wie sie im katholischen Katechismus KKK festgelegt ist, widersprochen. (Wir haben im vorausgehenden Artikel über den Brief an Bischof Feige die Berichte darüber auf kath.net verlinkt. Hier kann sich der Leser über das Problem informieren).
Ist das nun pastorale Sorge für die Menschen, die die Lehre der Kirche ablehnen oder ist das mehr?
Vor fast zwei Jahren hat sich Bischof Ackermann in einem Brief an einen Religionslehrer, der sich über die Fortbildung der gymnasialen Religionslehrer durch den Ex-Priester und Ex-Religionspädagogen Hubertus Halbfas zusammen mit einem evangelischen Dissidenten beschwerte,  hinter sein Schulreferat gestellt und die Fortbildung verteidigt, obwohl ihm bekannt war, dass Halbfas in seinem neuen Buch den gesamten christlichen Glauben der Kirchen samt apostolischem Glaubensbekenntnis und Katechismen in rüdem Ton vom Altar gewischt hatte. Siehe hierzu:
http://kath.net/news/37020 und http://kath.net/news/37116
Bischof Ackermann, der sich sehr um eine menschfreundliche Pastoral bemüht, sehr aufgeschlossen im Umgang mit Menschen ist, aber ganz offensichtlich hilflos dem zum Teil rabiaten kirchlichen Apparat gegenübersteht, hat sich hier nun in Sachen Sexualmoral theologisch verrannt und damit die für diese Fragen zuständige kommende Bischofssynode sowie den Heiligen Stuhl in Verlegenheit gebracht.
So haben denn auch einige seiner Mitbrüder ihm in der Öffentlichkeit deutlich widersprochen. Darunter waren auch ein Erzbischof und ein Bischof, die sich selten in der Öffentlichkeit äußern.
Wer sich eben auf den mit Schmieröl „gesalbten“ breiten Weg des Zeitgeistes begibt, kommt ins Rutschen, darf sich aber des Beifalls des Säkularismus in und außerhalb der Kirche gewiss sein.
Der einzige Bischof, der seinem Trierer Mitbruder öffentlich beisprang, war der Bischof von Magdeburg Gerhard Feige, der Kritik an den Kritikern übte.
Es ist wichtig und unerlässlich, diesen Vorgang in einem Gesamtzusammenhang zu sehen. Dazu gehört auch das Drama von Limburg, das in Wirklichkeit darin besteht, dass im Domkapitel und wichtigen Kreisen des dortigen Klerus eine andere, säkularisierte Kirche gewünscht wird. Mit welchen Waffen dort „Krieg“ geführt wird, haben wir alle in den letzten Monaten ausgiebig verfolgen können.
Aber auch gegen den Präfekten der Glaubenskongregation, den designierten Kardinal Müller, wird nicht nur aber besonders von deutschem Boden aus zu Felde gezogen.
Nachdem Kardinal Marx und Erzbischof Zollitsch glaubten, den Präfekten öffentlich ermahnen zu müssen, kamen besonders infame Äußerungen vom Generalabt der Benediktiner, Notker Wolf, in der Talkrunde 3 nach 9 von Radio Bremen. Dieser Würdenträger rutscht schon lange auf dem breiten Pfad des Zeitgeistes.
Auf die Frage, ob es unter den deutschen Bischöfen Betonköpfe gebe, antwortete er: Dieses könne er mit einem freudigen Ja beantworten.
Auf die Frage nach einer neuen Sexualmoral sprach er von einer „Kommandomoral“. Viele seien mit ihrer Sexualität in großen Schwierigkeiten. „Sie werden bei den Priestern sofort abgekanzelt.( sic!) Das kanns´s nicht sein.“ Wolf lobte die Freiburger für ihre Haltung den wiederverheirateten Geschiedenen gegenüber und sagte zum Fragebogen, es sei gut, dass die Kirche mal frägt statt indoktriniert (sic).
Auf den Hinweis des Moderators, Giovanni di Lorenzo, Chef der „Zeit“ , dass Erzbischof Müller ja nun aufgestiegen sei, sagte Wolf: Dieser sei nicht aufgestiegen sondern Papst Franziskus vor die Nase gesetzt worden. Der Papst könne nicht seinen Vorgänger brüskieren. Dass er damit Papst Franziskus und seinen Vorgänger abwertete, fiel dem Herrn Generalabt gar nicht auf. Was wird der geistliche Herr erst jetzt sagen, wenn er liest, dass Papst Franziskus das Vorwort zu Kardinal Müllers neuem Buch geschrieben hat?
Die Krone der Unverschämtheiten setzte sich allerdings der Pater Klaus Mertes SJ in der Süddeutschen Zeitung vom 7.2.2014 auf. Hier nannte er zwar die Anschuldigungen der UNO gegen den Heiligen Stuhl „gerührten Quark“ warf aber zugleich dem Heiligen Stuhl vor, dass er erst jetzt beginne, die Ursachen für sexuelle Gewalt aufzuarbeiten. Das kann weder Unwissenheit noch Dummheit sein, das ist einfach Dreistigkeit in Höchstform.
Gleichzeitig sagte er: „Bischöfe , die an Vertuschungen beteiligt waren, sollten zurücktreten oder ihr Amt verlieren.“ – zum Beispiel der designierte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation und frühere Bischof von Regensburg. Der klettere „mir nichts dir nichts auf der römischen Karriereleiter nach oben.“ Das sei für die Opfer unerträglich.
Abgesehen davon, dass der Jesuit Mertes hier auch massiv den Papst aus der Gesellschaft Jesu kritisiert, muss man seine Perfidie genauer betrachten. Mertes hat sich geschickt als der Vater der Aufklärung des Missbrauchs in der Kirche präsentiert, kurz bevor die Bombe in seiner eigenen Gemeinschaft hochging und zwar in Berlin, wo er Rektor war sowie in Bonn. Er, der jahrelang zu den Vertuschern gehörte und eine Sekunde vor 12 die Flucht nach vorne antrat – ein Opfer des Jesuitenkollegs in Bonn hatte schon 10 Jahre zuvor ein Buch über sein Leiden geschrieben – wirft nun Kardinal Müller vor, vertuscht zu haben in einem Fall, den dieser von seinem Vorgänger geerbt hatte, den Priester suspendiert hatte, ihn aber nach fachlichem Gutachten später wieder zugelassen hatte.
Mertes wirft auf den Präfekten der Glaubenskongregation dicke Steine aus dem wohl dünnsten Glashaus in Sachen Missbrauch heraus.
Dass der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation gerade in Deutschland viele Feinde hat, hat schon Benedikt XVI. in diesem Amt ertragen müssen – der Panzerkardinal. Das ist nichts Neues.
Traurig ist zu sehen wie sich die Prophezeiung der Muttergottes in La Salette sowie in Amsterdam
( beides kirchlich anerkannt) erfüllt. Nämlich, dass Kardinäle gegen Kardinäle und Bischöfe gegen Bischöfe stehen werden. Das ist der „Krieg“ in der Kirche.
Nun sagen uns viele Leute, dass gerade wir, die „papsttreuen Publizisten“ (Ludwig Ring-Eifel) und Gruppierungen diesen Kampf anfeuern.
Denen sei entgegengehalten, dass die, die „Feuer“ rufen, nicht die Brandstifter sind, sondern die, die beim Löschen helfen wollen.
Die hier beschriebenen Zustände in der Kirche sind ein verheerendes Signal und Zeugnis für die Gläubigen und für die Welt.
Uns allen, die wir uns Christen nennen, gilt der Ruf Christi „Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“ (Mk 9,50) Es ist die höchste Pflicht und Aufgabe der Hirten dabei mit gutem Beispiel voranzugehen und wir haben dabei zu folgen, damit alle „auf Christus schauen, den Urheber und Vollender unseres Glaubens (Hebräerbrief).
„Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein,
Wenn sie auf Ihn nur schauet, wird sie in Frieden sein.“
Alle in der Kirche sind gerufen, Christi Zeugen bis an die Grenzen der Erde zu sein, damit die Welt glaubt. Mögen alle in der Kirche eins und damit wirkliche Zeugen sein.
(Zuerst erschienen auf kath.net.)

Michael Schneider-Flagmeyer

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11 Antworten auf „Krieg“ in der Kirche?

  1. Kemmer, Hermann-Josef sagt:

    Zitat aus dem Artikel:
    Dazu gehört auch das Drama von Limburg, das in Wirklichkeit darin besteht, dass im Domkapitel und wichtigen Kreisen des dortigen Klerus eine andere, säkularisierte Kirche gewünscht wird. Mit welchen Waffen dort „Krieg“ geführt wird, haben wir alle in den letzten Monaten ausgiebig verfolgen können.

    Folgernder Link dürfte zur Versachlichung des offensichtlich künstlich inszenierten Dramas in Limburg beitragen
    https://faktencheck-limburg.de/

  2. Eduard Werner sagt:

    Ob man die innerkirchlichen Auseinandersetzungen nun „Krieg“ nennt oder Streit, ist doch zweitrangig. Dass es scharfe Auseinandersetzungen gibt, kann ja nur ein „Werteblinder“ oder „Hörgeschädigter“ bestreiten. Voriges Jahr sagte ein katholischer Theologieprofessor, der ja Priesterkandidaten ausbildet, zu seinem evangelischen Kollegen wörtlich: „Was aus Rom kommt, lese ich schon lange nicht mehr.“ Dieser Professor ist kein Einzelfall. Es wäre anständig, wenn er sich eine Konfession suchte, die seinen Vorstellungen entspricht und nicht unseren angehenden Priestern antirömische Lehren beibringt. Wer gegen die eigene Kirche kämpft, ist ein Verräter. Und dazu noch ein unehrlicher Verräter, der sich von der gegnerischen Seite protegieren und bezahlen lässt.

    • Marc sagt:

      Durch einen mittlerweile laisierten Priester der sich als Priester in seiner Hl. Messe mit der katholisch verheirateten Frau (einer Mutter von 2 Kindern) seines Nächsten durch Blickkontakt zunächst verband und mittlerweile mit dieser Frau weltlich verheiratet in meiner Umgebung lebt, bin ich als Heranwachsender total von der rk Kirche abgefallen.
      Durch viele Umwege und Wirrungen bin ich nach Jahrzehnten wieder zum wahren Glauben zurückgekommen. Durch Beichte und Gebet vor einem Kreuzaltar und 2 neue Katholische Freunde. Ein extrem zeitaufwendiger „Vorgang“.
      Nun fragte mich vor kurzem eine gutsituierte alte kranke Dame nach der Hl. Messe im Bistum Limburg mit erstaunter Tonlage: „Glauben SIE an die Jungfrauengeburt???“
      Meine Anwort war: „Ja, daran glaube ich.“
      Für mich gibt es ihn, den Glaubenskrieg in der katholischen Kirche.

      In Berlin beim letzten Papstbesuch teilte mir im Kurzgespräch ein Besucher versöhnlich mit, dass sich Gott ueber jedes verlorene Schaf freut das zurückkehrt.
      Herzlichen Dank an diesen mir unbekannten Teilnehmer in Berlin.

  3. Gerhard Stumpf sagt:

    Im Glauben, den uns unsere Kirche im Auftrag Jesu vermittelt, erkennen wir unsere Würde. Sie besteht darin, dass jeder Einzelne von Gott geliebt ist und durch das Opfer Jesu Barmherzigkeit erlangt. Der Kleine Katechismus stellt die Frage „Wozu sind wir auf Erden?“ und gibt die Antwort: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen
    und dadurch in den Himmel zu kommen.“
    „Gott, Du hast uns erschaffen für Dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir” (hl. Augustinus).
    „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?” (Mt 16,26).
    Den dreifaltigen Gott – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist – können wir nur in und mit unserer Kirche erkennen, lieben und ihm dienen. Dies ist die Botschaft, die Papst und Bischöfe verkünden.
    Es ist aber auch die Wahrheit, dass diese Botschaft abgelehnt und sogar bekämpft wird, wo Menschen sich zum Maß aller Dinge machen wollen, wo Hirten ihre Herde nicht vor den Wölfen warnen und gegen die Wölfe in Schutz nehmen. Es genügt nicht zu sagen, die Wölfe sind gar nicht schlimm. So werden erfahrene Hirten ihre Kenntnisse ihren unerfahrenen Kollegen mitteilen und hoffen, dass ihre Worte gehört werden. Denn Wölfe sind gefährlich, auch wenn Tausende sie als friedliche Tiere hinter Zaun und Wassergraben im Zoo erlebt haben.
    Die Wahrheit verlangt, dass wir die Vorgänge in uns, in unserer Umgebung, in unserer Gesellschaft von unserem Glauben her betrachten, der uns ja durch Christus in seiner Unveränderlichkeit geben ist. Im Leben jedes Menschen aber gibt es Sünden, die nicht folgenlos sind und uns von der Kirche wegführen. Durch das Bußsakrament erhalten wir die Gnade des Neuanfangs, durch die Sühne die Befreiung von den Folgen der Sünden. Die Einheit mit Christus und seiner Kirche wird so wieder hergestellt – dem Zeitgeist zum Trotz.

  4. K. H sagt:

    Viele meinen, um des lieben Friedens willen jeden „Krieg“, Streit, Auseinandersetzung oder auch nur klare Worte vermeiden zu müssen. Auch Christus hat eindeutig Klartext gesprochen; „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“
    Das heißt doch, die geistige Auseinandersetzung findet statt bis zum Ende der Zeiten.
    Und Bischöfe, die meinen „um des lieben Friedens willen“schweigen zu müssen , verunsichern die Gläubigen mehr als die Gegner. Im Laufe der Kirchengeschichte gab es immer wieder Zeiten des Niedergangs. Aber immer wieder standen heilige Männer und Frauen auf und dirigierten das Schiff Petri wieder in die richtige Richtung und das nicht mit weichgespülten Worten und Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist.

    “ Mir klingen immer die Worte der Bibel wie der Kirchenväter im Ohr, die die Hirten mit großer Schärfe verurteilen, die wie stumme Hunde sind und, um Konflikte zu vermeiden, das Gift sich ausbreiten lassen. Ruhe ist nicht die erste Bürgerpflicht, und ein Bischof, dem es nur darauf ankäme, keinen Ärger zu haben und möglichst alle Konflikte zu übertünchen, ist für mich eine abschreckende Vision.“

    aus: Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde, Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende; Ein Gespräch mit Peter Seewald, Seite 67<<

  5. Kemmer, Hermann-Josef sagt:

    Ich möchte hier durchaus anmerken, dass in der Kirche Christi, die die katholische ist, tatsächlich ein sogar radikaler Krieg ausgebrochen ist, allerdings nicht ein Krieg im herkömmlichen Sinn, der mit Waffengewalt ausgetragen wird, sondern ein geistiger Krieg oder geistlicher Krieg. Ich habe nicht Theologie studiert kann somit in hochqualifizierter Weise nicht mitreden. Aber eines habe ich Katholik sehr gut begriffen.

    Das, was früher als „katholischer Glaube“ galt, gilt heute schon lange nicht mehr. Ich habe den Eindruck, dass in der kath. Kirche (hier in Deutschland) sich eine Theologie breitmacht, die nicht mehr den Willen Gottes einschließlich des Willens Jesu als absolutes und erstrebenswertes Ziel ansieht, sondern verzweifelt versucht, den zeitgeistigen Menschenwillen so auf der einfachen breiten Straße des Glaubens zu halten, dass sich der Wille Gottes mit dem des zeitgeistig denkenden Menschen zumindest kompatibel gestaltet. Praktisch die breite Straße ins Himmelreich, die Jesus als Verhängnis angesehen hat. Wir sehen dies ganz deutlich an der Beicht- und Bußpraxis, die in kaum einer Predigt als „erstrebenswert“ angesehen wird, obwohl sie direkt durch Jesus als Geschenk eingesetzt wurde. Das kann aber nur dann geschehen, wenn die Äußerungen Jesu in der Bibel immer mehr zu Metaphern degradiert werden und damit Jesus selbst zu einem ohne historischen Hintergrund verkommenen verkündeten Jesus wertlos wird, weil seine Worte im wahrsten Sinne blutleer gedeutet werden. Wer jesuanische Wunder leugnet und z. B. die Brotvermehrung zur reinen sozialen Teilung degradiert, so weiß ich, dass auf diese Weise die Ursprünglichkeit der Kraft Jesu verloren geht. Wer die Hölle so marginalisiert, dass der Satan als persönlicher aber gegenüber der hl. Dreifaltigkeit machtloser Geist angesehen wird, dass er kaum noch außer in Liedern wie „Wahrer Gott, wir glauben Dir“ Erwähnung findet, , so sehe ich einen geistigen Krieg innerhalb der kath. Kirche – insbesondere der deutschsprachigen Kirche – mit Rom um die Vorherrschaft der geistlichen Meinung.
    Limburg mag da als Stellvertreterkampf angesehen werden. Ich sehe die schwindende Kraft des Glaubens ausgelöst durch innerprogressives Denken der kath. Kirche gegenüber der Kraft des Glaubens bei Christen, die verfolgt werden, der doch so ursprünglich stark ist. Wir sehen die Heiligenverehrung auf absteigendem Ast. Wir sehen Begrifflichkeiten wie „Sünde“ nicht mehr klar definiert, die in der eigenen verantwortlichen Schuld liegt. Das Streben nach Vollkommenheit, die Jesus seinem Vater bescheinigte, scheint nicht mehr oberstes Ziel zu sein. Mittelmaß der weichen Art ist angesagt. Und um nach außen hin mit dem Zeitgeist mitschwimmen zu können, treten solche im Artkel beschriebenen Konflikte auf. Man will den Katholiken, der 50 Jahre lang zu einem sozial denkenden Mitläufer erzogen wurde unter Marginalisierung des Wissens von Glaubensinhalten auf das Mittelmaß zurechtstutzen, welches ein bequemes Christentum auf seifenglatter Straße propagiert. Und die Kirche hier hat dieses Ziel auch bald geschafft. Sie sehen, dass die evangelischer Kirche, die doch all das hat, was die Progressiven vertreten, in der beliebigen Bedeutungslosigkeit versinkt. Sie haben Frauenpriestertum, Zölibatsabschaffung, sie haben Gedächtnisfeiern, sie haben all das verwirklicht, was unsere progressiven Priester und Bischöfe im Grunde auch vertreten und sie sehen, dass auch in dieser Kirche Nachwuchs ausbleibt, sogar noch mehr. Die kath. Kirche hier hat nur Angst um ihrer Pfründe, so habe ich manchmal den Eindruck. Dieser Angst wird zuweilen den Menschen nach dem Mund geredet. Ob dabei der Wille Gottes verkündet wird, scheint nicht immer sicher zu sein. Es muss unbedingt eine echte geistliche Standortbestimmung her. Die scheint mir in der deutschen Teilkirche mehr als dringend erforderlich zu sein, um nicht in der Bedeutungslosigkeit in und durch Abhängigkeit politischer Genderansichen zu verkümmern. Es wird Zeit, sich dem Zeitgeist entgegen zu stellen, auch wenn es Kirchensteuern kostet. Wir sind Gott gegenüber verpflichtet. Die Seelsorge am Menschen sollte sich auf das konzentrieren, was Gott will und das steht häufig im Widerspruch zum allzumenschlichen Denken.

    • Koppehele Christel Anna sagt:

      Ich habe eben Ihren Kommentar bzw. Artikel gelesen und stimme damit
      hundertprozentig überein. Trotz all dieser traurigen, ja skandalösen
      Tatbestände in der Kirche, die ein wacher Katholik, Gott sei’s geklagt, ja
      seit Jahrzehnten kennt, ist es aber ermutigend, die Auffassung eines
      „Gleichgesinnten“ zu entdecken. Es gibt so viele, die nach dem Motto
      leben „Augen zu und durch“. Assisi 1986 war für mich der Supergau in
      der Kirche, das konnte ich mit allem, was ich bisher gelernt habe: (Grüner Katechismus), Heilige Schrift und die Lehre der Vorkonziliaren Päpste…
      nicht mehr in Einklang bringen. „Wachet und betet, damit ihr nicht
      in Anfechtung (Verführung!) fallet“, sagt Jesus selbst und Petrus wiederholt es mehrmals. Und der Judasbrief fordert unmißverständlich zum Kampf für den Glauben aufgefordert!! –
      CHRISTUS VINCIT !

  6. Kauffeldt, Günter sagt:

    Ein solcher Artikel kann nur Sprachlosigkeit hervorrufen. Eine Überschrift wie im Mittelalter oder vor dem ersten Weltkrieg mit „Krieg“ zu beginnen, kann nur für alle Leser entwürdigend sein. Mag der Schreiber seine noch so konservativen Vorstellungen äußern wollen, es entbehrt jeglicher kirchlichen Grundlage. Aus Mt 5,13 einen Schmierenvergleich abzuleiten, mögen manche Leser vielleicht auch für den blog.forum-deutscher-katholiken.de gebrauchen. Ich jedenfalls bin sprachlos…
    Schade eigentlich…

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Sehr geehrter Herr Kauffeldt,
      Sie zitieren zwar aber beachten nicht, dass ich das Wort Krieg in Anführungszeichen gesetzt habe. Ihr Kommentar beweist doch nur einmal mehr, wie sehr die „Fronten“ in diesem „Krieg“ festgefahren sind. Im Schlußteil meines Artikels habe ich versucht, wieder uns alle auf den Weg mitzunehmen, den Christus uns gewiesen hat.
      Wenn ich die Verhältnisse und alles Geschehen in Limburg betrachte, dann bin ich allerdings versucht, die Anführungsstriche zumindest für Limburg zu streichen. Sie können für „Krieg“ auch Streit einsetzen, da beides sich gegenseitig bedingt. Sie behaupten angesichts der genannten Tatsachen, dass diese konservativen Vorstellungen ( was ja wieder ein Kampfwort ist) jeglicher kirchlicher Grundlagen entbehren. Das ist allerdings nur eine Behauptung, die lediglich zeigt, wo Sie in diesem Kampf („Krieg“) stehen. Und wie alle, die dem von mir beschriebenen Zeitgeist anhangen, weisen Sie auch auf das Mittelalter hin, das eine dunkle Zeit suggerieren soll.
      Ich möchte Sie und alle, die dieses Wort ständig mißbrauchen, ermuntern, sich in den bedeutenden kulturhistorischen Werken über dieses Zeitalter zu informieren, in dem soviel Licht war, z. B. bei Friedrich Heer, der einer der kenntnisreichsten und „wissensten“ Kulturhistoriker des 20. Jahrhunderts und alles andere als ein „Konservativer“ war.

    • Kemmer, Hermann-Josef sagt:

      Werter Herr Kauffeldt,
      Christentum war und ist immer Kampf. Denken Sie an die Märtyrer der heutigen Zeit, die in der heutigen Kirche so sehr vernachlässigt werden. Schauen wir nach Korea und in islamische Länder. Hätten diese Christen einen so schlappen Glauben, würden sie reihenweise zum Islam konvertieren oder ihrem Glauben abschwören. Aber sie haben den Kampf Jesu mit den Mächten des Bösen aufgenommen. Da hilft kein Seifenoperglaube, sondern da hilft echte Nachfolge Jesu. Und wenn ich den Jesus der Bibel nicht zutiefst ernst nehmen kann, was bleibt dann noch? Das „Schwertwort“ Jesu bringt es auf den Punkt. Ich weiß nicht, was Ihnen über Jesus gesagt worden ist. Wird er als Kumpel von nebenan dargestellt, der gern mit uns eine Cola trinken würde, wenn er denn bei uns wäre oder wird er an seinem Erlösungswerk gemessen, welches er als Gott am Kreuz in die Auferstehung geführt hat? Aber Sie werden feststellen, wenn Sie im NT lesen, dass dort der Kampf Jesu um die Seelen der Menschen in seinem Erlösungswerk seinen Höhepunkt findet. Wie hat er den Tempel gesäubert, etwa mit wohlfeilen Worten? Welche Ordnungsrufe hat er gegen die Pharisäer, die Rechtgläubigen seiner Zeit geschleudert? Diese Worte würden auch mich ins Mark treffen, wenn Jesus sie gegen mich verwandt hätte. Ja, sie sollen auch ins Mark treffen. Das ist Absicht und sie sollen Vorsicht wecken im Umgang mit seinem Glauben und seinem christlichen Leben. Also ein Friede-Freude-Eierkuchen-Gemeindefestfeier-Glaube ist nicht im Sinne Jesu. Im Gegenteil: Jesus schärft unsere Sinne, zu hören auf das, was der Seele schadet und was ihr Heil bringt.
      Die Verkündigung, die heute in der Kirche so breit angelegt ist, auf das Niveau eines Karnevalslieder heruntergebrochen: „Wir kommen alle, alle in den Himmel“ ist eine für die Seelenexistenzfrage sehr heikle Frage und auch ein sehr fragwürdiger Weg der Verkündigung, wenn wir dem historischen Jesus des NT genau zuhören.
      Gott ist ein Gott der Liebe. Aber was ist mit denen, die diese Liebe nicht oder nur sehr unvollkommen annehmen oder annehmen können. Haben sie alle die Option auf das Himmelreich? Jesus sagte da deutlicheres. Wenn wir das ignorieren und zerreden, begeben wir uns wie der Esel aufs Glatteis.

  7. Mathias Wagener sagt:

    Ich bin schon der Auffassung, dass die Lehre einer eindeutigen und klaren Darstellung bedarf, die keinen Zweifel daran läßt, dass es sich nicht um eine wirtschaftlich soziale neue Spielart des Sozialismus handelt. Man möge nicht den Eindruck erwecken, Benedikt XVI habe das Evangelium zu kompliziert vertreten. Er hat es entschieden vertreten und offenbar richtig vertreten, was die Reaktion der Gegner zeigt. Franziskus bereitet einen anderen pastoralen Weg, der notwendigerweise und ohne die Möglichkeit des Vertuns dasselbe beinhaltet. Lassen wir nicht zu, dass daraus inhaltliche Gegensätze konstruiert werden.

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