Pater Lothar König -Schweigen ist Gold, Reden ist Dachau

In der Nazi-Diktatur hatten viele Christen Anlass, ein Kindergebet umzuformulieren. Sie beteten nicht mehr „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ Sie flüsterten vielmehr „Lieber Gott, mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm.“ Oder sie resümierten ihre Erfahrung „Schweigen ist Gold, Reden ist Dachau.“ Die Nationalsozialisten benutzten den Schrecken, den der Name Dachau damals im Volk verbreitete, sehr bewusst zur Abschreckung möglicher Gegner. Die Geheime Staatspolizei hatte es u.a. auch auf den Jesuitenpater Lothar König abgesehen. Aber den bekamen sie nicht zu fassen.
Lothar König wurde am 03.Januar 1906 in Stuttgart als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Schon mit 18 Jahren trat er in das Noviziat der Jesuiten ein. Er studierte in München zunächst Philosophie und Naturwissenschaften und anschließend Theologie. Am 26.07.1936 weihte ihn Kardinal Faulhaber in der Münchner St. Michaelskirche zum Priester. Im Juli 1939 kam P. König als Professor für Kosmologie an das Berchmannskolleg in Pullach bei München. Daneben konzentrierte er sich darauf, die Kirche zu schützen. Er lotete genau aus, wie weit Priester bei Predigten mit ihren kritischen Bemerkungen gehen können, ohne sofort verhaftet zu werden. Er besuchte viele Klöster und Bischöfe und gab dort Ratschläge und besorgte vertrauliche Informationen. Durch seine frühzeitigen Warnungen konnte er sogar manches Kloster vor der Auflösung durch die Gestapo bewahren. 1944 stellte ihn sein Vorgesetzter Pater Provinzial Rösch frei zur Mitarbeit beim Kreisauer Widerstandskreis. Dort sollte er Pläne entwickeln, wie Deutschland nach dem Sturz Hitlers gerechter und sozialer aufgebaut werden könnte. P. König wusste genau, auf welch gefährliches Unternehmen er sich damit eingelassen hatte. Aber die menschenverachtenden Grausamkeiten in den KZs und die nationalsozialistische Staats-Ideologie spornten sein Verantwortungsgefühl an, mitzuhelfen, damit diese Diktatur möglichst schnell beseitigt und eine neue Grundordnung für Deutschland geschaffen werde. Die zahlreichen kirchlichen Proteste wie das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ 1937 oder der niederländische Hirtenbrief vom 26. Juli 1942 und der belgische Hirtenbrief vom 13. Dezember 1942 gegen die Judendeportationen hatten nicht nur keine Verbesserung gebracht, sondern im Gegenteil die Nazis noch zu grausameren Racheakten gereizt. Als das Attentat Stauffenbergs auf Hitler am 20. Juli 1944 fehlgeschlagen war, rollte eine Verhaftungswelle über Deutschland. Auch Pater Alfred Delp, ein Mitbruder von P. König, wurde verhaftet und hingerichtet. Diesen billigen Triumph gönnte Pater König den braunen Häschern nicht. Er flüchtete. Da er keine Bleibe fand, musste er heimlich in sein Kloster in Pullach zurückkehren und sich dort im Kohlenkeller verstecken. Nur ein Mitbruder wusste um dieses Geheimnis. Er versorgte ihn mit Essen, das von den Lebensmittelrationen der anderen Jesuiten heimlich abgezweigt werden musste. Im kalten Keller wurde P. König krank und zog sich den Keim einer tödlichen Krankheit zu. Erst mit dem Ende des Krieges Anfang Mai 1945 konnte P. König sein qualvolles Versteck verlassen. Aber schon am 5. Mai 1946 starb er. Dem Blutrichter Freisler ist P. König entkommen. Aber seinem Schicksal ist er nicht entgangen. Seine Flucht scheint dennoch berechtigt. Immerhin hätte er unter Folter gezwungen werden können, Mitwisser zu verraten. Wir Nachgeborene können dankbar sein, dass uns solche Gewissensentscheidungen bis jetzt noch erspart bleiben.

Eduard Werner

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