Abbe Ernest Rixon – „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Die katholische Kirche hat den Nationalsozialismus nicht nur von Anfang an grundsätzlich abgelehnt. Sie hat auch Tausende von Märtyrern hervorgebracht, die getreu der kirchlichen Vorgaben die Menschenrechte und die Menschenwürde bis zu ihrem eigenen Tod verteidigt haben. Einer von ihnen ist der belgische Pfarrer Abbe Ernest Rixon. Er wurde 1889 in Warmont geboren. 1913 wurde er zum Priester geweiht. Wegen seiner Innerlichkeit und Frömmigkeit wurde er von den Leuten „der heilige Pfarrer“ genannt.
Am 26. Juli 1942 hatten die niederländischen Bischöfe landesweit gegen die Deportation holländischer Juden protestiert. Dieser bischöfliche Rundbrief wurde in allen katholischen Kirchen der Niederlande vorgelesen. Die Bischöfe anderer Konfessionen, die sich ursprünglich an dieser Verurteilung der Judendeportationen beteiligen wollten, zogen sich plötzlich ängstlich zurück. Deshalb rächten sich die SS-Leute einige Tage später nur an den katholisch getauften Juden, indem sie zunächst ausschließlich diese verhafteten und zur Vernichtung nach Auschwitz brachten. Am 13. Dezember 1942 ließen auch die belgischen Bischöfe einen Protestbrief gegen die Judendeportationen in den Kirchen verlesen. Hier hatte die SS den katholischen Priestern jedoch vorsorglich verboten, einen bischöflichen Protestbrief zu verlesen. Die meisten Priester, so auch Abbe Ernest Rixon, hielten sich nicht an dieses SS-Verbot. Sie gehorchten vielmehr ihrem Gewissen und ihren Bischöfen gemäß dem Petruswort „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Auch Abbe Ernest Rixon von der Pfarrei St. Christophe in Lüttich wusste, welche Gefahr er auf sich lud, als er am 13. Dezember 1942 den bischöflichen Protestbrief seiner Gemeinde vortrug. Sein Schicksal ist gut dokumentiert. Erwartungsgemäß wurde er am 5. Januar 1943 verhaftet und vor ein deutsches Kriegsgericht gestellt. Dort wurde er zu zweieinhalb Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Wie in vielen ähnlichen Fällen endete die zeitlich begrenzte Gefängnisstrafe mit dem Tode. Er kam zunächst in das Zuchthaus Hagen, dann nach Ohlsdorf und schließlich in das Zuchthaus Bochum. Von dort schrieb er an seine Schwester: „Ob ich Dich wiedersehen werde, weiß ich nicht, denn Gottes Wege sind meine Wege.“ Er opferte sein Leben zur Heiligung seiner priesterlichen Mitbrüder auf. Während der Zwangsarbeit starb Abbe Ernest Rixon an Unterernährung, an Kälte und an mehreren Krankheiten.
Es ist bitter, dass gerade aus Deutschland, aus dem der neue Antisemitismus kam, auch die böswilligsten Vorwürfe gegen die katholische Kirche kommen. Dabei war es Papst Pius XI., der schon am 25.März 1928 den Antisemitismus mit scharfen Worten verurteilte. Solche klaren Aussagen setzten Papst, Bischöfe und Priester bis zum Kriegsende fort. Und die Folgen sind 4000 katholische Priester, die aus Rache den Tod erleiden mussten – und ungezählte katholische Laien. Sie alle belegen mit ihrem Martyrium die wahre Haltung der Kirche. Warum also die eigentlich haltlosen Vorwürfe, die Kirche und ihre Diener hätten zur Judenverfolgung geschwiegen? Stattdessen sollten wir alle an das Blutzeugnis der Märtyrer von damals und von heute dankbar erinnern. Ihr Opfer lässt uns an eine übermenschliche Kraft glauben.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Abbe Ernest Rixon – „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“

  1. Alfons Zimmer sagt:

    siehe http://www.getuigen.be/kruemmede!
    Im Bochumer Strafgefängnis, wo Rixhon starb, waren in der NS-Zeit über 40 katholische Priester inhaftiert.
    Alfons Zimmer, Pastoalreferent in den JVAen Bochum

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