„Der Mensch liegt in größter Not“ – Gedanken zur Fastenzeit

„O Röschen rot! Der Mensch liegt in größter Not. Der Mensch liegt in größter Pein! Je lieber möchte ich im Himmel sein. Da kam ich auf einen breiten Weg. Da kam ein Engelein und wollt mich abweisen. Ach nein, ich ließ mich nicht abweisen! Ich bin von Gott und will wieder zu Gott! Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben. Wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben.“

Diesen Vers aus „des Knaben Wunderhorn“, einer Liedsammlung, die Clemens von Brentano und Achim von Arnim 1805 bis 1808 veröffentlicht hatten, hat Gustav Mahler im 4. Satz seiner 2. Symphonie, der Auferstehungs-Symphonie, als Alt-Solo in herrliche, tief berührende Musik gesetzt.
Der Mensch liegt in größter Not! Das galt von jeher, aber die Ereignisse in unserer Zeit und in diesen Tagen machen uns die Wahrheit dieser Feststellung noch einmal besonders deutlich.
Wir brauchen hier das Elend und die Not unserer Zeit gar nicht zu benennen; denn die Medien machen sie uns jeden Tag und jede Stunde mehr als deutlich.
Und doch setzt Gott immer wieder Zeichen, die uns Mut machen und uns darauf hinweisen, dass Er da ist und mit uns ist. Bei der Betrachtung des  Isenheimers Altars, der wohl die gewaltigste „Bildpredigt“ der abendländischen Kunst ist, sehen  wir im „Weihnachtsbild“ links oben über  der Madonna mit dem Kind, Gott Vater erscheinen, der auf einer Lichtleiter seine himmlischen Herrscharen zur Erde herab sendet. Eine der letzten Tafeln dieses gewaltigen Werkes des Matthias Grünewald zeigt die Versuchung des heiligen Antonius. Dieser liegt auf der Erde und wird von  beängstigenden  Dämonen aufs Schrecklichste gequält. Aber wie auf dem Weihnachtbild erscheint oben links im Licht wieder Gott Vater. Er hält die Hand über seine(n) Heiligen. Der heilige Franziskus nannte die Dämonen die Vögte Gottes, welche die Auserwählten durch ihre Quälereien auf dem rechten Weg halten. Gott bleibt der Herr über alle Dinge!
Behalten wir dieses Bild vor Augen und erinnern wir uns besonders in dieser Zeit daran, in der uns so vieles dämonisch erscheint und Papst Franziskus immer wieder vom Werk des Teufels und seiner Verführung spricht.
Gott hält alles in der Hand und sendet uns immer wieder Zeichen seiner Gegenwart und seines Trostes, die meist völlig unspektakulär zunächst einmal daher kommen und in dieser lauten, auf Sensationen und Skandalen getrimmten Welt kaum wahr genommen werden, „damit das , was etwas ist ,beschämt werde durch das, was (scheinbar) nichts ist.“ Alles Große ist einfach (nicht im Sinne von simpel). Die Geschichte des Volkes Gottes bis in unsere Tage ist voll von diesen Zeichen Gottes. Wir sind nur blind dafür geworden.
So erreicht uns in diesen Tagen die Nachricht, dass seit Ende Januar 2014 in der Wohnung eines einfachen Rentner-Ehepaares in der Nähe von Banneux in Belgien eine Statue unserer lieben Frau von Banneux, der Jungfrau der Armen, abends in der Dunkelheit zu leuchten beginnt. Der zuständige Ortsordinarius, der Bischof von Lüttich, hat eine Untersuchung angeordnet, um –wie die Kirche das immer in solchen Fällen tut – einen Betrug auszuschließen oder aber eine natürliche Erklärung zu finden.
Kath.net/news/45251
Nun kennen wir seit den Erscheinungen von La Salette in allen Teilen der Welt Statuen der Muttergottes, die( manchmal blutige) Tränen weinen. Das leuchtet uns ein; denn die Sündenlast der Menschheit wird immer unerträglicher.
Warum sollte also nun die Muttergottes im Dunkel der Nacht erstrahlen?  Als sie dem 11jährigen Mädchen Mariette Beco in Banneux am 15. Januar des Jahres 1933 am Vorabend des Beginns der furchtbaren Weltkatastrophe der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkrieges erschien, sah das Kind sie im himmlischen Licht in der abendlichen Dunkelheit des Gartens. Sie kam aus der Richtung von Lourdes und erschien in ähnlicher Gestalt und Gewandung. Das erinnert uns an den Prolog des Johannes-Evangeliums (1,5) „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Gottes Licht strahlt auch noch in den finstersten Momenten unseres Lebens, wie es „Mathis der Maler“ schon um 1515 auf dem Isenheimer Altar so beeindruckend gezeigt hat.
Die Muttergottes kam in Banneux um Trost zu spenden und die Menschen zum Gebet aufzurufen.
„Betet viel!“ „Ich komme, das Leid zu lindern.“ „Ich bin die Jungfrau der Armen.“ „Glaubt an mich – und ich werde an euch glauben.“ Wer an sie glaubt, glaubt an den, der sie uns am Kreuz zur Mutter gab.
Sie stiftete in  Banneux nach Lourdes die zweite Quelle in Europa, deren Wasser ebenfalls bis auf den heutigen Tag nicht fault. Sie sagte von der Quelle, sie sei für die Kranken, die Leidenden. Sie verabschiedete sich am 2. März mit den Worten: „Ich bin die Mutter des Heilands, die Mutter Gottes. Betet viel! Lebe wohl!“ Der Bischof von Lüttich erkannte 1949 die Erscheinungen an.
In der Erscheinung von Banneux liegt also Trost durch das Licht Christi, das dort in der Muttergottes in die Dunkelheit (der beginnenden Katastrophe) schien.
Wenige Wochen vorher war die Muttergottes in Beauraing in der belgischen Diözese Namur erschienen als „Muttergottes mit dem goldenen Herzen“. Sie zeigt den Kindern ihr lichtumflutetes unbeflecktes Herz. Auch diese Erscheinungen wurden 1949 durch den Heiligen Stuhl  anerkannt und der selige Papst Johannes Paul II. besuchte die beiden belgischen Erscheinungsorte.
Beide Erscheinungen geschahen am Vorabend des verheerenden Weltenbrandes 1939-1945. Die Muttergottes brachte Trost und Mahnung. Sie brachte Licht, das in die Dunkelheit schien. In Beauraing versprach sie. „Ich werde die Sünder bekehren.“
Trost, Mahnung und Aufforderung zum Gebet. Nicht nur Tränen der Klage über den Zustand der Menschen und der Kirche, sondern Aufrichtung und Trost. In Amsterdam sagt die Muttergottes als „Frau aller Völker“ immer wieder. „Habt keine Furcht. Diese Zeit ist unsere Zeit.“ Sie ist die Zeit Gottes, die Zeit des Himmels. In der Heiligen Schrift steht – jemand hat es einmal gezählt – für jeden Tag des Jahres einmal: „Fürchte dich nicht.“
Wir sollen ohne Furcht mit Vertrauen auf Christus schauen, den „Urheber und Vollender unseres Glaubens.“ Wir sollen „die Welt heiligen“  (Lumen Gentium) und den Menschen sagen, wie sehr Gott sie liebt.
Was auch immer bei der Untersuchung der leuchtenden Muttergottes-Statue in Belgien herauskommt, dieses Zeichen kann uns an all das erinnern, was wir hier gesagt haben. Aber die Trauer des Himmels über unseren Zustand kommt auch bei dieser Statue zum Ausdruck. Der Rosenkranz der „Jungfrau der Armen“ erscheint bei der Erleuchtung schwarz. Trauer und Mahnung bleiben mit dem Trost.
In Amsterdam klang das so: „Habt keine Furcht. Diese Zeit ist unsere Zeit….Aber sie müssen hören und sich ändern. Achtet auf die Meteoren!“
Das letzte Wort sagt uns nicht nur die Muttergottes sondern das hören wir heute immer öfter von den Astro-Physikern.
Doch über allem steht das Wort des Herrn: „Fürchtet euch nicht! Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben.“ Deshalb wollen wir mit Mut, Zuversicht und Vertrauen durch die Fastenzeit auf Ostern zugehen in der Gewissheit, dass über allem Elend der Menschheit Gott wacht und „nicht fahren lässt das Werk seiner Hände“. Niemals wird die Dunkelheit dieser Welt das göttliche Licht auslöschen können!

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf „Der Mensch liegt in größter Not“ – Gedanken zur Fastenzeit

  1. Walter Lunz sagt:

    Richtig erkannt! Gott baut sein Zelt immer wieder sichtbar unter uns auf, durch Zeichen, die dem Volk Gottes seine Anwesenheit im Heute und Jetzt zeigen. Das sichtbarste Zeichen ist und bleibt die Heilige Eucharistie!!!

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