Wollen einige Frauen in der Kirche leiten oder nur an der „Macht teilhaben“?

Die westfälische evangelische Präses Annette Kurschus weist darauf hin, dass nur 2 von 20 EKD-Gliedkirchen von Frauen geleitet werden. Sie sagt: „Es liegt nicht daran, dass wir nicht genügend geeignete Frauen hätten. Sie wollen es oft nicht.“
Warum wollen diese Frauen nicht? Eine Erklärung, die Präses Kurschus für möglich hält, ist die, dass Frauen mehr als Männer „die gesamte Lebenswirklichkeit“ in den Blick nähmen. Nun, da ist sicher etwas dran. Mit Blick auf die Familie würden sie sich laut Kurschus fragen, ob die Karriere Einschränkungen bei der Familie wert sei. Wir verlinken hier den kath.net-Artikel und bitte die Leser dort die näheren Begründungen zu lesen.
kath.net/news/45285
Uns geht es hier um einen anderen Aspekt. Auch in unserer Kirche drängen viele Frauen ins Amt und rufen laut nach „der Teilhabe an der Macht“. Wir erinnern uns an eine wichtige Meldung, die aus der anglikanischen Kirche in England schon ziemlich bald – leider wenig beachtet – kam nach der Freigabe des geistlichen Amtes für die Frauen. Viele Frauen liessen sich zu Diakoninnen und Priesterinnen weihen und zogen sich nach Monaten schon aus dem Amt zurück, weil sie feststellten, dass das Pastorenamt hartes Steineklopfen bedeutet und die pastoralen Anforderungen und Belastungen groß sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Bischofsamt.
Nun ist es keineswegs so, dass Frauen nicht in der Lage oder bereit wären, große Belastungen auf sich zu nehmen. Im Gegenteil! Die Geschichte der Menschheit ist voll von enormen und bewunderungswürdigen Leistungen von Frauen. Denken wir nur an die Mütter und die Trümmerfrauen in und nach dem 2. Weltkrieg, die ihre Männer auf dem Schlachtfeld verloren hatten oder in Gefangenschaft vermuteten. Erinnern wir uns an die zahllosen Aufgaben, die Frauen auch in der Öffentlichkeit anstelle der Männer durchführten, die an der Front waren, und dazu noch alleine Kinder und Haus versorgen mussten.
Nein, Frauen sind durchaus zu Leitungsaufgaben auch in der Kirche fähig. Das wurde und wird ja auch von den letzten drei Päpsten besonders betont und die Förderung von Frauen in Leitungsämtern, ausser dem geistlichen Amt, gefordert.
Eine andere wichtige Frage, die Frau Präses Kurschus anspricht, ist die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Erst jüngst haben vier hochqualifizierte Akademikerinnen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieben, dass beides nicht miteinander vereinbar sei und das auch schlüssig begründet. http://kath.net/news/45142  Alle drei haben sich für die Familie, für die sorgfältige Betreuung der Kinder entschieden, die nichts und niemand ersetzen kann. Präses Kurschus entlarvt die Legende, dass Margot Käßmann beides geschafft habe, Karriere und Familie. Mit Recht weist sie darauf hin, dass dieses nur möglich war durch die Übernahme wichtiger Funktionen in der Familie durch den Ehemann und Vater der Kinder. Eines der beste Beispiele dafür heute ist die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer.
Aber die Frauen, die in unserer Kirche (und auch in der Politik) am lautesten nach der „Teilhabe an der Macht“ schreien, sind oft gar keine Mütter.
Und nach den Erfahrungen der Anglikaner auf der britischen Insel, darf man zumindest doch einmal fragen, ob sie alle nicht nur leitungswillig sondern auch leitungsfähig sind mit all den damit verbundenen starken Belastungen. In manchen Fällen wird doch sehr deutlich, dass man herrschen will, ohne Schwielen den den Händen zu bekommen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf Wollen einige Frauen in der Kirche leiten oder nur an der „Macht teilhaben“?

  1. Mathias Wagener sagt:

    „Teilhabe an der Macht“ ? Wenn dies auch nicht so direkt ausgedrückt werden mag, geht es darum und das ist ein ganz fataler Ansatzpunkt. Hier gibt es keine „Macht“ zu verteilen, hier geht es nicht um „Selbstverwirklung“ und „Selbstfindung“. Etwas ganz Anderes wird verlangt, kolossal viel Steineklopfen ist das Thema ,der wirkliche harte Alltag. Die Belastungen sind enorm. Das wurde hier in dem Artikel zutreffend dargestellt. Es geht nicht um Quorumsideologien usw. Mit Frauen im Priesteramt geben sich aber die Unermüdlichen nicht zufrieden, die nächste Stufe ist das Allgemeine Priestertum.

    • Rainer Dämgen sagt:

      Ihnen ist schon klar, dass das allgemeine Priestertum aller Gläubigen (= das Priesterum alles Getauften) schon immer auch Glaubensgut der Katholische Kirche war?

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