Zum vierten Fastensonntag „Laetare“

Alljährlich im Frühjahr, liebe Schwestern und Brüder, findet in Hannover die größte Computermesse der Welt, die Cebit, statt. Man kann dort die sich so rasant entwickelnden Erzeugnisse einer technischen Welt sehen. Der Mensch erobert die Technik. Oder aber erobert die Technik und die virtuelle Welt den Menschen?
Eine Welt ohne Computer-Technik ist mittlerweile undenkbar. Ein Fünft-Klässler macht vielen Älteren etwas vor auf diesem Gebiet. Und auch im Bereich von Pfarrei und Kirche gibt es kein Pfarrbüro ohne Computer. Predigten auf Disketten sind im Handel und statt eines Organisten kann ein technischer Computer-„Organist“ für Musik im Gotteshaus sorgen. Die Sinne des Menschen werden langsam aber sicher computerisiert.
Haben wir – so stellt sich die Frage – angesichts solcher Technisierung unsere Sinne noch im Griff?
Nutzen wir es noch aus sehen, fühlen, hören, riechen, denken und schmecken zu können? Wann habe ich Gott zum letzten Mal gedankt für diese meine Sinne, für diese Gaben Gottes, für meine Gesundheit und meine Zufriedenheit?
Bei allem technischen Fortschritt, der sicher auch Gutes für die Menschen bringt, sollten wir uns stets dessen bewusst sein: Der Mensch ist das Vollkommenste, das je geschaffen wurde. Er ist unüberbietbar, unersetzbar!
Unsere Sinne sind kostbarste Gaben! Das erkannte auch der Blindgeborene, dessen höchstes Ziel es war, seine Augen recht zu gebrauchen und dadurch wirklich Mensch zu sein, dem alle Sinne gegeben sind. (Joh.9, 1-41)
Nun aber gibt es – und das will das Evangelium uns sagen – noch einen weiteren Sinn, der in der Tat und in keiner Weise durch Menschentun und Computerwesen erfasst werden kann, den Sinn des Glaubens, der letztlich alle Zusammenhänge des Seins und des Lebens erschließt. Er geht ganz aus dem Inneren des Menschen, seiner Seele, ja seiner Offenheit für Gott hervor.
Wo dieser Sinn aber verloren geht, da wird der Mensch selber zur Maschine, zum Roboter, zum Computer, blind für das Wesentliche der Welt, des Menschseins, des Lebens.
So will dieses Evangelium unseren Blick neu schärfen, uns sehend machen für den 7. Sinn des Lebens, den Glauben. Es will uns lehren, alle unsere Sinne einzusetzen für unser eigenes sinnvolles Leben und für einen Blick auf die Menschen um uns herum, für einen Blick hinter die Kulissen des äußerlichen Lebens, für die Weite, die Seele und Glaube uns erschließen. Fortschritt und Technik können Hilfe und Entlastung schaffen. Sie ersetzen aber nie unsere eigene Verantwortung, die Verantwortung für unsere gottgegebenen Sinne, auch den Sinn des Glaubens einzusetzen, um das Licht des Glaubens, das Licht der Menschlichkeit und die Würde jedes Menschen maßgeblich zu machen und so durch den Sinn des Glaubens hinzufinden zum Sinn des Lebens. Amen

Pfarrer Ralf Hiebert, Saarlouis am 30.3.2014

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