Charlotte Holubars ging aufrecht ihren Weg.

Wer heute über Vorgänge und Personen in der NS-Zeit urteilt, hat oft keine Ahnung von den Schwierigkeiten, denen Christen damals ausgesetzt waren und auch keine Ahnung davon, wie viele Christen den Pressionen der Nationalsozialisten heldenhaft widerstanden haben. Die Schicksale von Tausenden von heute vergessenen Märtyrern belegen sowohl die totale Überwachung durch das System, als auch die Standhaftigkeit vieler Christen damals. Ein Beispiel dafür ist das Leben und Sterben der Lehrerin Charlotte Holubars.
Sie wurde 1883 in der niederschlesischen Kreisstadt Striegau geboren. Sehr früh verlor sie ihre Mutter. Nach acht Jahren Volksschule erreichte sie schließlich doch noch die Ausbildung zur Volksschullehrerin. Weil ihr Vater 1906 nach Westfalen versetzt worden war, wollte sie ebenfalls nach Westdeutschland übersiedeln. So kam sie nach Heusweiler bei Saarbrücken. Dort arbeitete sie wieder als Lehrerin. In ihrer Freizeit hielt sie für die Jugend der Pfarrei Gruppenstunden und versuchte dabei, die Jugendlichen für Christus zu gewinnen. Die Schüler, die Eltern und der Ortspriester waren von Charlottes Einsatz begeistert. Als 1933 an ihrer Schule der nationalsozialistische Lehrerbund gegründet wurde, sah sie es als ihre Aufgabe an, diesen Verband zu missionieren. Da sie dabei anfangs erfolgreich war, wurde ihr dies bald verboten. Folglich trat sie aus diesem Verband wieder aus. Als ihre Vorgesetzten überdies begannen, ihren Unterricht ideologisch zu beeinflussen, beantragte sie die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. 1937 zog sie nach Schönstatt am Rhein. Dort schloss sie sich der klösterlichen „Gemeinschaft der Frauen von Schönstatt“ an und suchte religiöse Jugendgruppen zu bilden. Das durfte nur sehr unauffällig geschehen, weil die Nationalsozialisten neben der Hitlerjugend keine Konkurrenz duldeten. Ihre erfolgreiche Seelsorge in Jugendgruppen war schon im Saarland der Gestapo nicht verborgen geblieben. Deshalb wurde sie genau beobachtet. Der Gestapo fiel auf, dass Charlotte Holubars besonders viele Kirchgänger empfing, die alle im Verdacht standen, dass sie den Nazis gegenüber zurückhaltend eingestellt waren. Überdies bekam sie Briefe von dem im KZ Dachau gefangenen Priester P. Kentenich. Er war der Gründer von Schönstatt. Das führte zu einer Razzia in ihrer Wohnung. Die einzelnen Briefe Kentenichs waren der Zensur wohl zunächst als harmlos erschienen. Aber in der Gesamtschau ergaben sie eine Schilderung der Zustände im KZ Dachau. Daher wurde Frau Holubars verhaftet und zunächst in das Gefängnis nach Koblenz gebracht. Dort schrieb der Gefängnisseelsorger über sie: „Sie war eine jener starken fraulichen Seelen, wie sie mir in meiner langen Zeit als Seelsorger nur ganz selten begegnet sind. Nichts von Bedrückung merkte ich an ihr, kein Wort der Klage vernahm ich aus ihrem Mund. Auf meine Frage nach ihrer Zukunft gab sie ganz ruhig die Antwort: „Wie Gott will. Er lenkt alles.“ Der Gefängnisseelsorger war überzeugt davon, dass ihr Opfer bei Gott die glückliche Heimkehr von P. Kentenich aus dem KZ bewirkt habe. Die Mitgefangenen waren von Frau Holubar so beeindruckt, dass sie die Frau Holubar die „heilige Lehrerin“ nannten. Aber in einem normalen Gefängnis durfte sie nicht bleiben. Die Gestapo hatte für sie einen schlimmeren Ort ausgedacht. Das war die Hölle im KZ Ravensbrück. Dort starb sie am 9. November 1944 an den Folgen von Hunger, Kälte und Misshandlungen – ungebrochen in ihrer Überzeugung, dass ihr Leiden für Christus einen Sinn hat und in die ewige Seligkeit führt.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Charlotte Holubars ging aufrecht ihren Weg.

  1. Kemmer, Hermann-Josef sagt:

    Danke für den äußerst erbauenden und erbaulichen Artikel.
    Der Eingangssatz dieses Artikels „…Wer heute über Vorgänge und Personen in der NS-Zeit urteilt, hat oft keine Ahnung von den Schwierigkeiten, denen Christen damals ausgesetzt waren und auch keine Ahnung davon, wie viele Christen den Pressionen der Nationalsozialisten heldenhaft widerstanden haben.“ ist leider nur zu wahr.
    Wir heute, so auch meine Wenigkeit, können garnicht mehr ermessen, wie es war, in dieser dunklen Zeit Christ zu sein. So mancher TV-Konsument im heimeligen TV-Sessel ist sich dieser Drangsal und der aktiven Diskriminierung von Christen in Verfolgungssituationen nicht bewusst.

    Aber diese Drangsal und diese Diskriminierung gegen Christen und hier nicht nur gegen Katholiken gibt es insbesondere in islamischen Ländern noch HEUTE. Einige fallen nicht durch Diskriminierung von Christen auf, weil es in den Ländern kaum noch welche gibt. Das alles wird sowohl von den Medien und leider auch von der kath. Kirche hier sehr stiefmütterlich behandelt.

    Jeder Katholik sollte sich an seine Pfarrgemeinde wenden und darum ersuchen, dass dieses Thema in der heutigen Zeit nicht unter „Ferner liefen“ zu führen ist, sondern ein Hauptanliegen innerhalb der gesamten Weltkirche, aber auch in dieser deutschsprachigen Kirche sein sollte. Ja, es sollte sich zum Identifikationsthema aufschwingen. Denn genau mit diesem Thema lernen wir wieder, das Bekenntnis zu Christus in seiner Kirche zu fördern, weil wir in den christlichen Märtyren in islamischen und auch in kommunistischen Ländern Vorbilder sehen können wie in dieser heldenhaften Frau, die Herr Eduard Werner so trefflich beschreibt. Solche Vorbilder sind gefragt. Ein weiterer poitiver Effekt wäre die einigende stärkende Identität des Christlichen und auch des Katholischen in der hl. Dreifaltigkeit, je nach Intensität. Je höher die Intensität, desto mehr muss sich jeder Christ mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen und er wird feststellen, dass Islam und Christentum zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
    Mein persönliches Bekenntnis an dieser Stelle: Erst das Lesen des Koran und das Beschäftigen mit dem Islam hat mir erst so richtig bewusst gemacht, welche kostbare Perle wir in unserem Herrn Jesus Christus haben und dass nur ER der einzig wahre und heilige und vollkommene Zugang zum Dreieinen Gott ist und das christliche Gottesbild erst zur liebenden Vollkommenheit aufschwingt. Obwohl ich katholisch aufgewachsen bin, habe ich diese Intensität des Denkens erst durch die Lektüre des Koran erhalten. Gottes Wege schaffen es, auch krumme Wege zu nutzen, um die eigene Identität zu stärken.
    Beim Lesen des Koran wurde mir bewusst, welcher Druck auf Muslimen lastet, einem Gott gegenübertreten zu müssen, der als willkürlicher Herrscher gegenüber seinen Gläubigen wie ein Sklavenhalter auftritt. Nur die Erfüllung von Bedingungen führen zur Barmherzigkeit dieses Gottes, die er aber bitte nur an seinen Gläubigen gewährt.
    Während JESUS uns zu Kindern Gottes macht und wir erbberechtigt sind, hält der Gott des Islam den größtmöglichen Abstand zu seinen Gläubigen und herrscht aus unendlicher angstgebietender Ferne.

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