„Hosanna dem Sohne Davids“,

so haben wir heute am Palmsonntag bei der Palmenprozession gesungen, mit der wir heute in die Karwoche eingetreten sind, um des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn und Heilands Jesu Christi nicht nur zu gedenken, sondern Ihn auf diesem Weg zu begleiten und uns von Ihm begleiten zu lassen. Wir haben die ganze Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Matthäus vernommen und davor die Worte des Propheten Jesaja gehört: „Gott der Herr gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.“
Diese Verse sind mir heute besonders ins Herz gegangen zumal der Heilige Vater in seiner Palmsonntagpredigt gefragt hat: „Wer bist du vor Jesus“?
Bin ich ein Jünger, der sich von Gott so in Dienst nehmen lässt, dass er die Müden stärkt durch ein aufmunterendes Wort? Höre ich auf ihn wie ein wahrer Jünger?
Der Prophet fährt fort: „Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.“ Wirklich? Habe ich es mir öffnen lassen? „Ich aber wehrte mich nicht und hielt meinen Rücken hin denen, die mich schlugen. … Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott der Herr wird mir helfen: darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich meine Gesicht hart wie einen Kiesel; ich werde nicht in Schande geraten“, fährt der Prophet Jesaja fort (Jes 50,4-7).
Das bringt mich dazu, einige Überlegungen anzustellen darüber, wie wir, die oft so gescholtenen und verspotteten „Papsttreuen“ mit unserer Jüngerschaft umgehen. Und ich möchte alle Leser dazu ermuntern, dieses ebenfalls zu tun. Papst Franziskus hat uns heute in seiner Predigt anhand der im Evangelium genannten Personen eine Reihe von Möglichkeiten vor augen gestellt, wie wir sein könnten. Er hat es in der Form der Frage getan: „Bist Du wie…“?
kath.net/news/45603
Sind wir wie Zeloten, die Gottes Reich mit dem Schwert durchsetzen wollen? ( Wobei die Zunge das verletzenste Schwert sein kann) Wie Petrus, der in vermeintlicher Verteidigung des Herrn dem Kriegsknecht Malchus ein Ohr abschlägt. Jesus weist ihn zurecht und sagt, dass wer zum Schwert greife, durch das Schwert umkommt. Und er heilte das Ohr des Malchus. Noch bei seiner Gefangennahme, bei der es recht brutal zuging, tut Jesus ein Heilungswunder an dem Knecht des Hohen Rates. Der will auch das nicht zur Kenntnis nehmen.
Aus den Fragen, die uns der Papst in dieser Predigt stellt, könnte man mal wieder einen Beichtspiegel jetzt gerade vor Ostern machen.
Uns wird von den Frommen oft vorgeworfen, wir würden zu schnell auf andere eindreschen und zu wenig von der Sanftmut und Demut Jesu zeigen. Da mag was dran sein in dem ein oder anderen Fall beim dem einen oder anderen. Aber viele von denen, die uns das vorwerfen, müssen sich fragen lassen, ob sie denn selbst die richtige Haltung haben. Sanftmut und Demut haben als Stamm beide das Wort Mut. Sanftmütig und demütig zu sein, heisst nicht, den Kopf immer einzuziehen und uns wegducken, um unsere Hände in Unschuld zu waschen. Deshalb fragt uns der Papst heute das, was er die 3 Millionen Jugendlichen schon in Rio gefragt hat: „Bin ich wie Pilatus? Und wenn ich sehe, dass die Situation schwierig wird, wasche ich mir dann die Hände und verstehe es nicht, Verantwortung zu übernehmen?“
Jesus selbst hat in der Verteidigung der Ehre seines Vaters zu drastischen Mitteln gegriffen mit deutlichen Worten wie bei der Reinigung des Tempels von denen, die mit Gott ihre Geschäftchen betrieben. Und der Hohepriester und der Sanhedrin haben sehr wohl verstanden, dass er sie gemeint hat. Und den Knecht des Hohen Rates, der ihn bei der Vernehmung ins Gesicht schlägt, weist er scharf mit den Worten zurecht: „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach: wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?“ (Joh. 18,23)
Wir dürfe nicht den Menschen richten, damit wir nicht gerichtet werden. Aber der heilige Paulus fordert uns auf, die bösen Taten vor allem gegen den Glauben und die Kirche durchaus zu richten im Sinne von beurteilen. „Wisst ihr nicht, dass wir einmal über Engel richten werden?“ (1. Kor 6.7)
Für uns, die wir Zunge und Ohr eines Jüngers haben sollen (Jesaja), kommt es eben auf das richtige Maß und die rechte Gesinnung an. Heiliger Zorn kann durchaus berechtigt sein, wenn wir sehen, wie viele Menschen in der Kirche in und ausserhalb des Amtes mit der Kirche und ihrem depostitum fidei umgehen und persönlich Macht und Karriere anstreben. Dieser Zorn ist aber nur dann berechtigt, wenn wir uns selbst gefragt haben, was von dem bei uns selbst vorhanden ist und unsere eigenen Fehlhaltungen immer wieder im hl. Sakrament vor Gott getragen haben.
Wir haben keineswegs die Verpflichtung, über alles das „Mäntelchen der Liebe“ zu breiten; denn zur Liebe gehört Konsequenz. Sonst ist sie nur Gefühlsduselei. Und Konsequenz kann manchmal scheinbar hart sein.
Von meinem Vater habe ich einen alten Spruch gelernt: „Wenn du jemand in den Hintern trittst, dann musst Du es so tun, dass der jederzeit wieder gut aufstehen kann.“
Übersetzt heisst dieser etwas grobe Spruch aus der Volkssprache: Wir müssen unsere Kritik und unsere berechtigten Mahnungen so angemessen vorbringen, dass sie nicht perönlich schwer verletzend wirken und von vorneherein dem anderen eine Besinnung und Umkehr unmöglich machen. Hier haben wir alle noch zu lernen. Dabei dürfen wir durchaus in betracht ziehen, dass dem anderen keine Einsicht möglich ist. Wir sind nur für unsere eigene Verstocktheit verantwortlich nicht für die der anderen.
Die Lage in unserer Kirche erfordert eine deutliche und klare Sprache derer, die sich dem Lehramt der Kirche voll und ganz verpflichtet fühlen aber immer in dem Bewusstsein, dass wir nicht aus eigenener Vollkommenheit handeln, sondern dass unser fester Glaube ein unverdientes Gnadengeschenk ist.
Deshalb soll unser ständiges Gebet sein: „Dank sei dem Herrn, der uns aus Gnad in seine Kirche berufen hat.“
Nie wollen wir von der Kirche weichen aber auch nicht selbstgefällig auf denen herumhacken, die Gottes Gnade noch nicht erkennen und annehmen konnten und noch kalt geblieben sind. Wir wollen stets der Worte des im Himmel erhöhten Herrn eingedenk sein: „Ach das ihr doch kalt oder warm wäret. Weil ihr aber lau seid, will ich euch ausspeien aus meinem Munde.“ Laue gibt es leider zu viele in unserer Kirche im Amt und im Laienstand. Möge uns der Geist Christi helfen, das rechte Maß zu finden, damit wir wirkliche Jünger und Zeugen werden und den Kalten die Wärme Gottes bringen und niemals lau werdend in Schande geraten.

Michael Schneider-Flagmeyer

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2 Antworten auf „Hosanna dem Sohne Davids“,

  1. Mathias Wagener sagt:

    Den Ausführungen von Herrn Dr. Schneider-Flagmeyer kann ich nur zustimmen. Nur eine kleine Anmerkung, die ich für unnötig halte: Was soll das mit dem“Herumhacken“ auf Andere, die nicht glauben ? Wer hackt hier herum ? Kritik an anderen Positionen darf ja wohl noch erlaubt sein.

  2. alois sagt:

    DANKE DEM FORUM UND KATH-NET,danke frau kuby,mattussek,lohmann etc, danke einigen bischöfen und den wenigen deutschen priestern, die noch rom- oder papsttreu sind. als lauwarmer und papsttreuer katholik kam ich mir in den letzten jahren oder gar jahrzehnten in unserer westlichen gesellschaft recht einsam und isoliert vor.

    endlich finde ich einen kreis von gleichgesinnten und mitgläubigen und muß gleich die frage von papst franziskus “ welche person in der leidensgeschichte ist dir ähnlich “
    beantworten:

    vorab :ich als lauwarmer katholik komme leider nicht vor:ich gehöre zur menschenmenge,die jesus beim einzug in jerusalem zugejubelt haben und bei der passion durch abwesenheit geglänzt oder nur von ferne zugeschaut haben.

    vorbildlich reagiert haben – sorry – nur die frauen: sie schweigen und leiden,
    und die männer incl jünger : schlafen oder agieren – wenn auch falsch

    unser heutiger klerus und funktionäre sind unschwer am verhalten der apostel zu erkennen.ebenso wie die theologen an den schriftgelehrten.

    pilatus und die soldaten verkörpern die staatsmacht und staatshörigkeit; der mensch ist kein individuum sondern objekt oder – so die soziologen- ein soziales aggregat.
    jeder spielt seine soziale rolle als richter, henker soldat oder als angeklagter oder verurteilter.

    entscheidend für die veurteilung ist allein eine nicht näher bestimmte aber eindeutig durch meinungsführer manipulierte volksmasse., die mehrheitlich ruft oder schreit :
    KREUZIGT IHN
    das erinnert durchweg an unsere heutige westlich geprägte und medial gesteuerte gesellschaft.

    wir dürfen nicht ohnmächtig zuschauen !!!!

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