Anton Schmid opferte sein Leben, um Juden zu retten.

Neben den kirchlichen Judenrettern wie Prälat Lichtenberg, Margarete Sommer, Gertrud Luckner und Pater Max Größer gab es auch beim Militär Menschen, die ihr Leben riskierten, um Juden vor dem sicheren Tod zu retten. Zu ihnen gehören u.a. der Offizier Wilm Hosenfeld, Oberstleutnant Dr. Klaus Hornig, General Groppe und der Feldwebel Anton Schmid.
Anton Schmid ist am 9. Januar 1900 in Wien geboren. Er wurde religiös erzogen und wuchs sehr früh in die katholische Umwelt hinein. Er erlernte das Handwerk eines Elektrotechnikers. Später eröffnete er ein Elektrofachgeschäft. Mit den Juden in der Nachbarschaft pflegte er freundschaftlichen Umgang. Bei Kriegsbeginn 1939 wurde auch Anton Schmid zum Militärdienst eingezogen und schließlich als Feldwebel nach Wilna/Litauen befohlen. Dort wurde er Augenzeuge von unfassbaren Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung. Um das Erlebte zu verkraften, gab es nur zwei Wege: Entweder die eigenen Gefühle, das Mitleid mit den Hilflosen, einzufrieren oder heimlich zu helfen. Doch Helfen konnte das eigene Leben kosten. Anton Schmid entschied sich dennoch für den zweiten Weg. Er leitete in Wilna eine Sammelstelle für versprengte deutsche Soldaten. Dort sprach der jüdische Litauer Max Salinger den deutschen Feldwebel an und bat um Hilfe. Schmid verschaffte dem Bittsteller rasch eine neue Identität, indem er ihm das Soldbuch des gefallenen Soldaten Huppert gab. Dann beschäftigte er ihn als Schreibkraft in seinem Büro. Und Salinger war gerettet. Wenige Tage später wurde Schmid eines Abends auf dem Nachhauseweg von der jungen jüdischen Frau Luisa Emaitisaite gefragt, ob er ihr ein billiges Hotelzimmer besorgen könne. In ihrer Hilflosigkeit gestand sie dem Feldwebel ganz offen, dass sie einer Razzia entkommen sei. Schmid antwortete, dass dies angesichts der vielen Straßenkontrollen zu gefährlich sei. Dann versteckte er sie in seiner Wohnung. Nach einigen Tagen kam Schmid der weiterführende Gedanke, die versteckte Jüdin mit falschen Papieren auszustatten und sie dann in seiner Dienststelle als Sekretärin zu beschäftigen. Deshalb begab sich Schmid in das nahe katholische Kloster Ostra Brama. Der dortige Abt Andreas Gdowski war spontan bereit, die nötigen Papiere auszustellen. Er sagte: „Ein alter Mann wie ich muss sich vor Menschen nicht mehr fürchten. Und vor Gott kann ich so einen kleinen Betrug verantworten.“ Damit war auch diese Frau vorläufig in Sicherheit. Nun war Schmid emotionell auf das Retten von Menschen eingestellt. Auch den jüdischen Schriftsteller Adler und seine Frau, die ihm vom Kloster Ostra Brama geschickt worden waren, nahm er in die Wohnung auf. Aber im Ghetto von Wilna waren Tausende von Juden zusammengepfercht. Von dort wurden fast täglich 100 Juden zur Erschießung in den Wald Ponary 10 km außerhalb von Wilna gebracht. Um möglichst viele Juden zu retten, besorgte Schmid vielen Arbeitspapiere für kriegswichtige Aufträge. Schließlich organisierte er Lastwagen, auf denen er selbst Hunderte von Juden in das etwas sicherere Weißrussland transportierte. Dabei wurde er schließlich verraten. Er wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Vor der Hinrichtung konnte er noch an seine Frau schreiben: „ Du weißt ja, wie mir ist mit meinem weichen Herzen. Ich konnte nicht viel nachdenken und half ihnen …“. Vor der Erschießung empfing er vom Militärpfarrer noch die Sterbesakramente. Im Abschiedsbrief an seine Frau und Tochter schrieb Schmid: „Ich grüße und küsse Euch- auf dieser und der anderen Welt, wo ich bald in Gottes Hand bin. Dein und Euch ewig liebender Toni“.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Anton Schmid opferte sein Leben, um Juden zu retten.

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Dank Herrn Werner für die Schicksale der Judenhelfer im 3. Reich. Viele davon hatten katholische Wurzeln.

    „Ich grüße und küsse Euch- auf dieser und der anderen Welt, wo ich bald in Gottes Hand bin. Dein und Euch ewig liebender Toni“-

    In einer solchen für Anton Schmid tödlichen Situation auf die Hand Gottes im Jenseit hoffend, zeigt Größe angesichts des Leides, was auch er vor Augen hatte. Er aber hat sein Herz rühren lassen und sein Leben aufs Spiel gesetzt für jüdische Menschen. Eine größere Gottes- und Menschenliebe kann in diesen damaligen verteufelten Zeiten ein Mensch kaum noch beweisen. Dieser Mensch wie die vielen anderen- auch heute in aller Welt – auch sind Balsam für die Seele. Durch solche mutigen Menschen wird das Schöpfungswerk Gottes im Nchhinein geheiligt. Und genau das hat Anton Schmid bewiesen.

    Nicht nur die Familie, sondern auch ganz Österreich aber auch Deutschland kann stolz sein, einen solchen Menschen in den eigenen Reihen gehabt zu haben. In der Geschichte wird auch das Kloster Ostra Brama erwähnt, welches den Juden Hilfe geleistet hat. Auch diesen Christen ist heldenhafter Mut zu bescheinigen. Der Normalsterbliche erfährt nichts über die andere Seite Deutschlands. 2 Stunden Nazi-Reich täglich in den öffentlich-rechtlichen Medien sind 70 Jahre nach Beendigung des WK 2 wirklich genug.

    Wir schauen auf diejenigen, die ihr Leben als Märtyrer lassen mussten oder in der Angst leben mussten, von den Nazis erschossen oder in die Gaskammer geschickt zu werden, nur weil sie Menschen anderen Glaubens, nämlich unseren älteren Geschwistern, geholfen haben. Zu wenig wird auch der Christen gedacht, die im KZ geendet sind. Und ich bin mir da sicher, dass nicht nur Pater Kolbe segensreich gewirkt hat. Im Kleinen und Unbekannten wurde mehr getan worden sein, als öffentlich hat werden können.

    Es wird Zeit, dass auch in den Mainstreammedien diese Tatsache anerkannt wird, dass es neben Schindler und Pater Kolbe auch andere Menschen gab, denen das Schicksal derJuden hier in diesem Lande nicht gleichgültig war.

    Danke für diesen Bericht, Herr Werner.

    Weiter so!

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