Warum sollen Priester eigentlich heiraten?

Diese Frage stellte Klaus Kelle in der Rheinischen Post. Ja, warum eigentlich? Stellen doch laut Kelle diese Fragen gerade Leute, die im Traum nicht daran denken, eine Pfarrei zu führen oder in einem Kloster ein spirituelles Leben zu führen.
Im Vatikan, berichtete Kelle, gingen zur Zeit viele Briefe an den Papst von Frauen ein, die ein heimliches Liebesverhältnis mit einem Priester hätten und um Abschaffung des Zölibats bitten. Wir kennen nun seit Jahrzehnten diese Bitten, die eigentliche eine Forderung sind und oft mit der Drohungung verbunden sind, dass die Frauen sich aus der Kirche zurückziehen werden. Wir erinnern uns auch, dass vor vielen Jahren die Leitung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) auf ihrem Jahrestreffen in Maria Laach die Frauen zum Ungehorsam in der Kirche aufgerufen hat.
Der Zölibat muss weg! So lautet der Schlachtruf aus Welt und großen Teilen der Kirche. Er ist wider die Natur! Kelle fragt sehr mit Recht, ob von denen jemals eine(r) diese Forderung dem im Zölibat lebenden Dalai Lama gestellt habe.
Vor einige Jahren tourte ein Theologin durch die Republik und durch die Talkshows und „gestand“, dass die mit einem Priester zusammenlebte, dessen Namen sie aber nicht nennen könne; denn dieser sei ja dann in seiner kirchenbeamtlichen Stellung und damit in seiner satten Sicherheit gefährdet, was sowohl seine Bezüge als auch seine Pension beträfe. Gleichzeitg warf sie dem heiligen Papst Johannes Paul II. Heuchelei in seiner Haltung zum Zölibat vor. In dieser Talkrunde saß aber auch ein evangelischer Pfarrer, der früher einmal ein sehr bekannter Schauspieler war. Er ergriff sogleich das Wort und machte die Dame auf ihre eigene Heuchelei und ihre erbärmliche Versorgungsmentalität aufmerksam, mit der sie sich und ihren priesterlichen „Lebensgefährten“ als ein Opfer der kirchlichen Willkür hinstellte. Seine Worte saßen und ließen diese „Theologin“ verstummen.
Immer wenn ich an diese Angelegenheit denke, denke ich auch an eine Begegnung, die ich vor Jahren einmal auf der Hauptstraße in Karlruhe-Durlach hatte. Ein altes Mütterchen blieb stehen und sprach mich an und sagte mir, dass sie den Eindruck hätte, dass auch ich ein Jünger des Herrn Jesu sei. Ich muss gestehen, dass ich etwas seltsam berührt war. An ihrer Ausdrucksweise erkannte ich sogleich, wohin sie gehörte. Und das sagte sie dann auch sofort: Sie gehöre zur nahen Liebenzeller Mission. Ich erkärte ihr, dass ich katholisch sei. „Das macht nichts“, sagte sie. „Das sind auch Christen“. Und so kamen wir in ein langes Gespräch. Die alte Frau erzählte mir, dass sie sich in ihrer Jugend in einen jungen katholischen Kaplan verliebt habe, der ihre Liebe durchaus erwiderte. Für sie sei dass ja zunächst kein Problem gewesen; denn bei den evangelischen Pfarrern sei ja gerade die Heirat erwünscht. „Aber dann habe ich mir gesagt, dieser Mann hat dem Herrn Jesus etwas versprochen. Und das muss er auch halten. Und dann habe ich mich zurückgezogen. Aber ich habe niemals geheiratet.“ Die Geschichte hat mich sehr berührt. Die Frau hieß Maria. Auch sie ist eine Braut Christi. Sie ist jetzt sicher im Himmel.
Damals fiel mir die heuchelnde Theologin aus dem Fernsehen ein. Diese hieß Magdalena. Aber ihr fehlte damals die Erkenntnis und die Bußfertigkeit der biblischen Magdalena. Es ist besonders schlimm, wenn Menschen der Kirche für ihre Schwäche, ihre Sünden und ihr Versagen die Kirche verantwortlich machen.
Besonders traf mich das Wort der Liebenzeller Maria, dass ihr Kaplan Jesus etwas versprochen hatte, das er halten müsse. So steht es auch geschrieben: Dass man dem Herrn seine Gelübde halten soll. Ich freue mich darauf, dieser lieben Schwester aus der Bad Liebenzeller Mission einmal im Himmel wieder begegnen zu dürfen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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5 Antworten auf Warum sollen Priester eigentlich heiraten?

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Die Menschen, die den Zölibat abschaffen wollen, haben von der Liebe keine Ahnung.
    Ich denke, dass der Zölibat zutiefst jesuanisch ist. Ganz einfach, weil Jesus nicht verheiratet war. Stellen wir uns vor, was Jesus seiner Familie angetan hätte. Hätte die Familie seinen Tod verstanden? Liebe ist Verzicht und hat überwiegend das DU im Blick. So funktioniert eine gute Ehe. Jesus hält die Jungfräulichkeit, die Keuschheit hoch im Wert. Wenn Jesus ehelos blieb, sollten es die Stellvertreter Jesu in der Hl. Messe auch sein. Wenn sie Jesus und Gott lieben, fällt es ihnen auch nicht schwer.
    Wer sich als Priester allein fühlt, ist nicht ein harter Arbeiter im Weinberg seines Herrn.
    Es ist zeitgeistig, nach der Abschaffung des Zölibats zu rufen. Nur Menschen, die den Bezug zur Menschenlichkeit über den Bezug zu Gott setzen, können dies fordern.
    Muslime dürfen 4 Frauen heiraten, weil Mohammed die Polygamie vorgelebt hat. Da spricht niemand drüber. Jesus war ehelos und was liegt näher, als dass gerade diejenigen, die Priester sind und in und durch Jesus in ihren priesterlichen Handlungen Stellvertreterfunktionen am nächsten kommen dürfen (das ist ein Geschenk und eben auch Verpflichtung) dem Vorbild JESUS nachleben.
    Ehe ist nicht immer Zuckerschlecken. Ehe heißt größtenteils ebenfalls Verzicht. So kann Zölibat auch Schutz sein.
    Ich denke, dass die Kirche am Zölibat festhalten sollte. Geschiedene Priester am Altar brauche mir nichts von Liebe, Nächstenliebe oder Feindesliebe zu erzählen. Ein Priester soll ganz für Christus und seine Gemeinde da sein. Da kann er für Christus am meisten wirken und tun.
    In Ländern, in denen Christen verfolgt werden, wäre der Priester immer als erster in der Schusslinie. Da würden viele Waisen und Witwen zurückgelassen werden.
    Die Abschaffung des Pflichtzölibates wäre ein große Verarmung katholischen Kulturgutes.

    • Friedrich Schäfer sagt:

      Volle Zustimmung!
      Wichtig scheint mir, dass Zölibat, Jungfräulichkeit, Keuschheit nicht als Selbstzweck dargestellt werden sollten, sondern als eine mögliche Bedingung auf eine größere Aufgabe hin, die über die eigene Person hinaus auf den Dienst für andere Personen hinweist.

  2. Apfelbaum sagt:

    drei Dinge:
    1. Sexualität gehört in die Ehe. Daran sollten diese Frauen erstmal denken. Wer sagt, denn, dass ihnen der Mann tatsächlich das Ja-Wort geben würde? Vielleicht ist Versuchung sind Problem? Vielleicht ist er als normaler Mann nicht mehr so anziehend, weil die Beziehung dann ja nicht mehr verboten ist? Die allergleiche Situation haben doch viele Geliebte. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, dass der Mann seine Bindung verlässt, sich offen zu ihnen bekennt. Der Grund warum das nicht geht, ist allein die böse Ehefrau, die Ehe, die Kinder, die da sind, das Haus, die Versorgung.
    In Fällen, in denen das der Mann dann tatsächlich tut, müssen die Geliebten aber feststellen, dass er plötzlich ein anderer ist, weil die Hälfte wegfällt, die ihn zu dem gemacht hat, was sie so anziehend fanden oder der Mann muss feststellen, dass er jetzt lieber mal allein bleiben möchten, weil ihm das alles zu viel ist. Das die Realität dann plötzlich doch anders ist, als man sich das vorgestellt hat. Dass der Mann nicht mehr so anziehend ist und stark wirkt, wenn sein Halt erstmal gebrochen ist? Wer sagt denn, dass diese Frauen mit der Realität einer Pfarrersfrau zurecht kommen, wo ihnen doch der Glaube daran, dass Sexualiät in die Ehe gehört, fehlt? Kein Wochenende frei, Urlaub auch schwierig und immer diese Gläubigen, die Kirche und Gott, die ihrem Mann anscheinend doch mehr beanspruchen als gedacht und die anscheinend ihrem Mann wichtiger sind.
    Psychologisch die allergleiche Situation.
    2. Hätten die beiden wirklich Glauben und würden sie klar sich zur Ehe, zur Sexualität in der Ehe und zu den Aufgaben des Priesterleben stehen, würde der Mann einfach Diakon werden.
    In all diesen Fällen kann der Mann Diakon werden. Die meisten Diakone sind verheiratet, werden in der Kirche gebraucht, dürfen die meisten Sakramente spenden und leben die Sache mit der Ehe richtig vor. Der Diakon ist eine sehr gute Institution um Ehe, Familienleben und Dienst in der Kirche zu vereinbaren.
    3. Wir wissen doch alle, wie schwierig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind.

    Was hindert diese Männer also einfach daran, Diakon zu werden und zu heiraten?

  3. Mathias Wagener sagt:

    Ich kann hier nur zustimmen. Warum wird denn ständig die Forderung erhoben, dass Priester nicht mehr im Zölibat leben sollten ? Für wen ist das so wichtig ? Den Evangelischen bleiben die Gläubigen trotz verheirateten Pfarrern und Pfarrerinnen auch weg. Was ist so schlimm daran, dass es Priester gibt, die sich ganz in den Dienst Christi stellen ? Der wahre Grund ist doch der, dass nach Vorstellung der Zölibatsgegner die Priester so gesehen werden sollen wie Angehörige sonstiger (weltlicher) Berufe. Die Besonderheit, die Berufung, soll es nicht geben. Das ganze Amt soll in einem „allgemeinen Priestertum“ untergehen, dem natürlich auch Frauen angehören.

    • Gertraud Neldner sagt:

      Ihre Begründung möchte ich noch dahingehend ergänzen, dass der Zölibat etwas ist, dass die Menschen nicht nur nicht mehr verstehen können, sondern vor allem auch nicht mehr verstehen wollen.
      Das Priester-Dasein soll, wie alles andere auch, in eine Art Alltäglichkeit hinabgezogen werden.
      Wo jede Zeitschrift nicht mehr auskommt ohne anzügliche Fotos und in einer Gesellschaft, wo auch Sexualität jedes Geheimnis verloren zu haben scheint, ist es schier unbegreiflich, dass ein Priester, der doch auch ein Mann ist, sein Leben nur Gott und seinen Mitmenschen gibt.
      Der Priester soll so sein wie jeder andere!

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