Gen Himmel aufgefahren ist, der Ehren König Jesus Christ. Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus ist dem Pilatus bis heute eine Antwort auf die Frage schuldig geblieben: „Wo ist denn das Reich, das nicht von dieser Welt ist“? Welches Reich meinen wir da, wenn wir vertrauensvoll beten: Dein Reich komme!
Wir müssen sicher zugestehen, seit die Jünger damals dastanden und zum Himmel blickten, dass sich seither einiges getan hat. Unsere Welt hat den Himmel entzaubert. Die Astronauten haben ihn erobert und die Astrophysiker haben ihn bis in seinen letzten Winkel erforscht. Die Poeten haben ihn abgeschrieben und die Musiker haben ihn in Sphärenklängen aufgeweicht. Ja, selbst die christliche Predigt hat keine reizvollen Bilder mehr. Wen packt schon heute die Sehnsucht, in einem ewigen Licht Ruhe zu finden? Das war schon einmal anders; denn als die Menschen die Erde als Jammertal erfuhren, da haben sie sehr konkrete Bilder vom Himmel an die Gewölbe und Wände der Kathedralen gemalt.
Aber wohin geht die Reise, wen wir heute Jesus in den Himmel nachfolgen wollen? Selbst die Bilder der Bibel sind sehr sparsam, wenn es um das Reich Gottes geht und zeigen uns kein Zielphoto.
Jesus malt für die Hungernden ein Gastmal, für die Armen einen Schatz im Acker, für die Einsamen ein Hochzeitsfest. Jesus spricht vom Sauerteig und vom Senfkorn. Lauter Bilder vom Anfang des Reiches Gottes malt er, aber keines von seiner Vollendung. Und – was fangen Satte mit einem Gastmahl an? Perlen finden wir beim Juwelier. Wir suchen auch keinen Schatz im Acker und benutzen Trockenhefe statt Sauerteig. Wir haben den Himmel leergefegt! So sehr leergefegt, als hätten wir keine unerfüllten Wünsche mehr und keine unbeantworteten Fragen, keine Visionen und keine Hoffnungen; keine Glücksgefühle mehr und Freuden, deren Linien wir weiterziehen wollen, weit über jedes Ende hinaus. Der Himmel erinnert uns an unfertige Bilder, an unvollendete Sinfonien: weniger Krieg in der Welt und weniger Krisen zuhause, mehr Freude statt Fröhlichkeit, mehr Freunde statt Kumpel und Kollegen, mehr Zeit statt Hektik. Unsere eigenen Mosaikbilder gehören in den Himmel hinein. Was wären wir im Jenseits ohne unser Ich im Diesseits; ich und wir mit unserer unvollendeten Geschichte?
Eine Theologe deutet es so: Jeder lebt in seiner Welt und die nimmt er mit zu Gott.
Himmel ist also ein Ausdruck dafür, dass das Ende erst der Anfang ist. Himmel ist der Ort und der Augenblick, wenn sich Gott ganz dem Menschen zuwendet. Himmel ist ein Ort ohne Abschied, ein Fest ohne Tischkärtchen. Menschliche Worte können das nicht beschreiben, weil Gott selbst das Wort ist.
Gott selbst ist der Himmel und wir werden in Ihm geborgen sein. Ja, wir sind es bereits. Wir sollten uns darauf verlassen, dass Er Wort hält, dass Er uns Sein Reich zeigt, das nicht von dieser Welt ist.
Ja, das Beste hat jeder Christ noch vor sich! Amen.

Pfarrer Ralf Hiebert, Saarlouis an Christi Himmelfahrt am 29.5.2014

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Eine Antwort auf Gen Himmel aufgefahren ist, der Ehren König Jesus Christ. Halleluja!

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Eindlich einmal eine Predigt, die das sanfte Erheben Jesu in Richtung „oben“, die die Jünger ihn langsam nach „oben“ nachschauen lässt, nicht leugnet und sie als Tatsache bestehen lässt. Eine Wolke enhob ihn ihren Blicken, eine Tatsache, die Jesus eins macht mit dem Vater, der sich ebenfalls im AT hinter Wolken versteckte oder aus Wolken rief.
    Eines stimmt nicht. Die Welt hat den Himmel nicht entzaubert weder durch Juweliere, Poeten oder Musiker, weil sie es nicht kann, weil selbst der härteste Diament vergänglich ist. Die geben höchstens eine bruchstückhafte Ahnung über die Vollkommenheit, die im Himmel herrscht. Selbst die schönste Musik von Johann Sebastian Bach ist letztlich nur Stückwerk, wie Paulus im Hohelied der Liebe zum Ausdruck bringt.
    Was JESUS mit Schätzen und Perlen meint, ist die liebende Vollkommenheit, die wir als Menschen wohl hier auf Erden auch nur bruckstückhaft leben können, die aber im Himmel vollkommen sein wir in der Anschauung seiner selbst, also Gottes. Liebe, Geborgenheit, Gerechtigkeit, Fürsorge, Harmonie in Vollendung, die wir hier nur auch mit dem geliebtesten Menschen nur bruckstuckhaft erleben dürfen. Hier kann nur ein Vorgeschmack erlebt werden, dort die Vollendung.
    Bemühen wir die Offenbarung, in der es heißt: Er (Gott) wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Angst und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war, ist für immer vorbei.“ -Offenbarung 21, 4
    Eine mehr als vollkommene Vorstellung. Das erwartet denjenigen, der ernsthaft versucht hat, auch wenn er immer wieder fällt und bereut, Jesus nachzufolgen. Der beste Weg und der sicherste Weg dorthin ist halt immer noch der katholisch-orthodoxe Weg.

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