Birgit Kelle und die Meinungsfreiheit

Am 03.12.12 war in der ARD eine vom WDR produzierte Sendung von „hart aber fair“ unter dem Moderator Frank Plasberg zu sehen  zum Thema „Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?“ Neben einem schillernden schwulen Fernsehmoderator, einer lesbischen bulgarischen Sängerin und einem schwulen CDU-Bundestagsabgeordneten waren als Gegenpart der Chefredakteur des katholischen K-TV (Kephas-TV) Martin Lohmann und die bekannte und sehr angesehene evangelische Journalistin und Publizistin Birgit Kelle, Mutter von vier Kindern, geladen.
Wer nun auf einen sensationellen Klamauk gehofft hatte, sah sich enttäuscht; denn Lohmann und Kelle argumentierten ruhig, freundlich aber sicher und mit bewundernswürdiger Festigkeit, die man manchem katholischen Amtsträger wünschen würde. Sie verteidigten mit den richtigen Argumenten konsequent die Ehe zwischen Mann und Frau und die gelebte Elternschaft der beiden Ehegatten für die gesunde Erziehung von Kindern. Vor allem verteidigten sie mit vernünftigen und einsichtigen Gründen das Recht der Kinder auf leiblichen Vater und leibliche Mutter. Beide, vor allem aber Frau Kelle, erhielten viel Applaus trotz starker Präsenz der Homoseite. In der Sendung wurde einmal mehr deutlich, mit welcher Respektlosigkeit in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, Menschen behandelt werden, die wider den Stachel, d. h. gegen den Mainstream und die political correctness, löcken. Frank Plasberg riss Martin Lohmann einfach dessen auf kleinen Zetteln mitgebrachten Notizen aus der Hand mit der Bemerkung, dass dieses im Fernsehen nicht geduldet würde, eine wirklich unglaubliche Bevormundung, die auch im ZDF zu beobachten ist. Ausserdem erlaubte er sich eine untergriffige Frage, da Lohmann nur eine Tochter hat, ob er nur einmal mit seiner Frau geschlafen hätte. Lohmann ließ sich nicht provozieren, sondern wechselte ihm energisch aber qualifiziert den Groschen so gründlich,  dass Plasberg sich veranlasst sah,  sich zu entschuldigen.
Nach der Sendung sah sich Birgit Kelle mit einer Flut von Beschimpfungen im Web konfrontiert, die von der Aufforderung, ihr eins über den Schädel zu ziehen bis zur der Aufforderung,  ihr die Kinder wegzunehmen,  reichten. Allerdings standen diesen 50 höchst bedenklichen bis kriminellen Aufforderungen und Beschimpfungen ca. 450 ihren guten Argumenten zustimmenden Äusserungen entgegen. Das sind immerhin 90 gegen 10 Prozent der im Web ihr gegenüber geäusserten Meinungen.
Ausgerechnet ein Redakteur des WDR,  Alex Nieschwietz,  der für das WDR-Magazin 1Live arbeitet, schrieb auf Twitter, Frau Kelle sei eine Hexe und forderte ihre Verbrennung. Und das ausgerechnet aus der größten öffentlich-rechtlichen ARD-Anstalt, die ständig von der Forderung nach Liberalität und Toleranz in fast jeder Sendung trieft. Toleranz ist für diese Leute eine Einbahnstraße, die nur für ihre ideologische einseitige Sicht gilt, während Vertreter christlicher und vor allem katholischer Positionen tagtäglich mehr und mehr in die fundamentalistische Ecke geschoben werden und mit der Gefährlichkeit von islamistischen Fundamentalisten meist indirekt aber auch manchmal sehr direkt verglichen werden. Von Nieschwitz muss man „hart aber fair“ sagen, dass er sich, von Lesern seines Tweets gerügt, in honoriger Form als (Homo)betroffener angemessen bei Birgit Kelle entschuldigte.
Neben der zunehmenden Feindseligkeit gegen Christentum und katholische Kirche beobachten wir in unseren Tagen einen atheistisch geprägte Meinungsterror, der nicht nur immer aggressiver wird, sondern nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ auch Wirkung zeigt. So nehmen gewaltsame oder gewaltandrohende Angriffe auf Kirchen und kirchliche Institutionen aber auch auf Personen, wie in diesem Fall Birgit Kelle, zu.
Hier ist äusserste Wachsamkeit geboten; denn ein Fortschreiten dieser Angriffe, die der christliche Staatsbürger – und das ist immer noch die Mehrheit – mit seinen Zwangsabgaben an die GEZ zumindest bei den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten bezahlen muss, bringt unsere freiheitliche Demokratie und die „offene Gesellschaft“ (K. R. Popper) in ernste Gefahr.  So stellte der Kommentator Wagner der Bild-Zeitung schon vor zwei Jahren anlässlich der einseitigen und unobjektiven Behandlung der Missbrauchsdebatte anhand einer Sendung einer der ARD-Talkerinnen fest, dass es verständlich sei, wenn Katholiken die GEZ nicht mehr bedienen würden.
Was ist nun zu tun? Wie reagieren wir bekennenden Christen und besonders wir Katholiken auf diese Angriffe, die übrigens von Menschen aus der Kirche oder für die Kirche arbeitend unterschwellig oder ganz offen unterstützt werden und die nach dem 1. Johannesbrief zwar aus unseren Reihen kommen, aber wirklich nie dazu gehört haben?
Birgit Kelle und Martin Lohmann haben es uns am Montag den 03.12.12 in der ARD-Sendung „hart aber fair“ vorgemacht: mit freundlicher Gelassenheit aber Festigkeit und Konsequenz in der Argumentation und einer gründlichen Bildung in allen wichtigen Problemen. Hier war von beiden kein Wischiwaschi und keine faulen Kompromisse in den grundsätzlichen Fragen des christlichen Glaubens zu hören. Sie vertraten ihre (der Kirche) Positionen in verbindlichem Ton aber klar und verständlich. Papst Benedikt macht uns das seit Jahrzehnten vor.
Gerade Birgit Kelle macht mit ihrem neuen Frauenbewusstsein eine der besten Figuren im deutschsprachigen Raum und ist damit natürlich von der linken feministischen Seite als rotes Tuch sozusagen eine Hauptgegnerin. Und da sie aufgrund ihrer ungewöhnlich qualifizierten Argumentation und ihrer großen Bildung sehr erfolgreich ist – sie ist Vorstandsmitglied der „New Women for Europe“ (NWFE), die Beraterstatus am Europaparlament hat – ist sie der political correctness und dem Mainstream ein Stachel im Fleisch.
Wir, die wir dem Einheitsbrei des Mainstreams widersprechen, haben also allen Grund zur Hoffnung und zu Optimismus. Wir sind in der Medienlandschaft mit zunehmender Präsenz bestens aufgestellt und viele im Medienfach beheimatete Frauen und Männer wie Birgit Kelle, Martin Lohmann und  andere, die noch besonders zu würdigen sind,  sind in der Lage, die Sache der christlichen Wahrheit angemessen und mit Erfolg zu Gehör zu bringen. Das kann von niemand mehr in der Öffentlichkeit übersehen werden.

Dr. Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Birgit Kelle und die Meinungsfreiheit

  1. Marienzweig sagt:

    In Ihrem Bericht wurde alles noch einmal klar dargelegt.
    An unserem Benehmen im Alltag sollte man ablesen können, wofür wir stehen.
    In Diskussionen dem anderen zunächst gut zuhören, ihn ernst nehmen – das sollte unser Verhalten bestimmen.
    Danach höflich, doch klar und unmissverständlich unseren katholischen Standpunkt erläutern, das wäre wichtig.
    Jeder in seinem Umfeld und je nach eigenem Mut und Vermögen.
    Nicht jeder hat das Zeug zum Helden, wir sind oft schwach.
    Doch wir können versuchen, auch in kleinen Schritten das unsrige zu tun.
    Wer sich gerne im Internet bewegt, sollte vielleicht versuchen, sich auch in kirchen-kritischen
    oder gar -feindlichen Foren Geltung zu verschaffen.
    Es ist dies mein Ziel, bis jetzt stehe ich noch ganz am Anfang.
    Dass es nicht leicht ist und man dabei gewaltig verbal „Prügel“ beziehen kann, hat mein Sohn schon erfahren müssen.
    Obwohl Agnostiker hatte er aus Gründen der Fairness eine Zeitlang in solch einem Forum für die katholische Kirche gesprochen und sie gegen Angriffe verteidigt.
    Die schlimmsten Beleidigungen und Ausfälle musste er dafür einstecken.
    Soviel also zur Toleranz, die von solchen Kreisen ständig gefordert wird.
    Man braucht schon gute Nerven und ein „dickes Fell“.
    Dennoch: Wer weiß, wieviele Menschen man durch seine sachlichen Beiträge in solch einem Forum zum Nachdenken bringen könnte.
    Menschen, die auf der Suche sind, ohne es zu wissen.
    Wir sollten uns auf den Weg machen, auch und gerade im Internet.
    Auch Marienzweig!

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