Pfarrer Dr. Max Metzger und seine für ihn tödliche Friedensinitiative

In der grundsätzlichen Ablehnung des Nationalsozialismus waren sich die 25.000 katholischen Priester in Deutschland zu 99,6 % einig. Aber die Formen des Widerstandes waren verschieden. Während die einen dem nationalen Pathos der Nazis die Internationalität der Kirche entgegenhielten, warnten andere vor dem Hass, in dem die staatliche Hitler-Jugend erzogen wurde, und sie versuchten heimlich, die Jugend für Christus zu begeistern. Während Papst Pius XI. und Kardinal Faulhaber schon Jahre vor dem Holocaust den Antisemitismus verurteilten und bekannten: „Geistig sind wir alle Semiten“, setzten andere ihr Leben aufs Spiel und retteten Juden vor dem Zugriff der SS. Einen ganz anderen Weg ging der Freiburger Diözesanpriester Max Metzger. Er entwarf internationale religiöse Friedenspläne, womit er sich die Todfeindschaft der Nationalsozialisten zuzog.
Max Joseph Metzger wurde 1887 in Schopfheim im südlichen Schwarzwald geboren. 1911 wurde er in Freiburg zum Priester geweiht. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er als Divisionspfarrer an der französischen Front eingesetzt. Dort erlebte er das grausame Töten vermeintlicher Feinde auf beiden Seiten der Kampflinien. Pfarrer Metzger verzweifelte nicht am Elend der sinnlos Sterbenden, sondern versuchte es abzustellen. Er hoffte, glaubte und betete gegen jede Aussicht auf Erfolg. Er verfasste ein „international religiöses Friedensprogramm“ und sandte es 1917 an den damaligen Papst Benedikt XV. Dieser Papst äußerte sich sehr zustimmend zu diesem Friedensvorschlag und ergriff selbst die Initiative zu einem groß angelegten Friedensplan für Europa. Leider hat nur der österreichische Kaiser Karl diesen Friedensplan positiv aufgenommen, während Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien in seltsamer Einigkeit weiterkämpfen wollten. Pfarrer Metzger ließ sich jedoch nicht entmutigen. In der Weimarer Zeit zwischen 1919 und 1933 arbeitete Pfarrer Metzger auf nationalen und internationalen Friedenskonferenzen weiter für Völkerverständigung und Versöhnung. Die Basis dafür bot ihm die Christkönigsgesellschaft mit ihren Vorgängerorganisationen. Sein Ziel war nicht nur der Friede zwischen den Völkern, sondern auch der Friede zwischen den Konfessionen. In der Una-Sancta-Bewegung suchte er ein enges Zusammengehen der katholischen Kirche mit den Protestanten. Diese Friedensbemühungen standen den Kriegsplänen der Nationalsozialisten natürlich im Wege, denn was im Kaiserreich und in der Weimarer Republik möglich war, galt in der Hitlerzeit als Verbrechen. In den Jahren 1934 und 1939 wurde Metzger wiederholt für kürzere Zeit verhaftet. Trotzdem verfasste Pfarrer Metzger nach der Stalingrad-Katastrophe 1943 heimlich ein Memorandum über die staatliche Neuordnung Deutschlands und die Einbindung Deutschlands in eine Weltfriedensordnung. Diese Denkschrift war an den schwedischen lutherischen Erzbischof Eidem adressiert. Dieser sollte die Denkschrift in Schweden und auch in der Anglikanischen Kirche bekannt machen. Als Kurier diente sich eine Deutsche schwedischer Abstammung an, die sich der Una-Sancta-Bewegung angeschlossen hatte. Pfarrer Metzger ahnte nicht, dass er damit auf einen Lockspitzel der Sicherheitspolizei hereingefallen war. Damit war sein Schicksal besiegelt. Er wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 17.04.1943 wurde Pfarrer Metzger im Zuchthaus Brandenburg-Görden wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung durch das Fallbeil hingerichtet. Der Scharfrichter bekannte hernach, er habe „noch nie einen Menschen mit so froh leuchtenden Augen in den Tod gehen sehen, wie diesen katholischen Geistlichen.“

Eduard Werner

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