Die Spaßgesellschaft stößt an ihre Grenzen

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (24.4.14) bringt unter der Überschrift „Schuften bis 70“ einen Beitrag über die notwendig werdende Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Im AZ-Artikel heißt es u.a. „EU Kommissar Günther Oettinger hat dieser Tage mit seiner Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit viele aus ihren Träumen gerissen“. Die AZ meldet weiter … „Australien wird bis 2029 die Arbeitszeit auf 70 Jahre verlängern. Die britische Regierung kündigt ebenfalls ihren jungen Arbeitnehmern ein Berufsleben bis 70 an“… weiter „bis 2050 werden die Menschen in den meisten OECD-Ländern frühestens mit 67 in Rente gehen.“
„Die Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit hat viele aus ihren Träumen gerissen“ provoziert die Frage: Wer sind diese vielen? Die Politiker, die Gewerkschaften, die Medien, die Arbeitnehmer? Und warum wurden sie aus ihren Träumen gerissen? Die Frage stellt sich auch deswegen, weil der o.a. AZ-Artikel nicht den Ursachen nachgeht, die die Träume zum Platzen gebracht haben. Dabei ist die Antwort ganz einfach. Es ist die Kinderarmut dieser Gesellschaft. Die Kinderarmut führt zur nächsten tabuisierten Frage, was hat dazu beigetragen?
Jene, die nun mit „Schuften bis 70“ konfrontiert werden, sind eigentlich nicht aus ihren Träumen gerissen worden. Sie wollten nur nicht zur Kenntnis nehmen, dass eine Gesellschaft ohne Kinder keine Zukunft hat. Die heutige Situation hat sich seit Jahrzehnten abgezeichnet. In Deutschland gehen die Geburten seit rund 40 Jahren zurück. Eine konstante dauerhafte Entwicklung! Man muss nicht höhere Mathematik studieren, um die zwangsläufigen Folgen abzuschätzen: Überalterung der Bevölkerung, d.h. langfristig mehr Rentner, mehr Menschen, die eines Tages krank und pflegebedürftig werden, während die Zahl derer, die im Erwerbsleben stehen und diese sozialen Lasten zu tragen hat, abnehmen. Franz-Josef Strauß hat einmal angemerkt: „Menschen kann man anschreien, Zahlen nicht!“ Die Ausrede, man stehe plötzlich vor den Folgen der demographischen Entwicklung, die Fachleute als eine „demographische Katastrophe“ bezeichnen, zieht nicht. Die Zahlen lagen alle, wie gesagt, seit Jahrzehnten auf dem Tisch.
Die Politiker, die Verantwortung für das Allgemeinwohl haben, schwören bei ihrem Amtseid, Schaden von ihrem Volk abzuwenden. Dazu hätte gehört, dass sie die demographische Entwicklung zur Kenntnis genommen und rechtzeitig mit einer kinderfreundlichen Familienpolitik gegengesteuert hätten. Das ist völlig unzureichend geschehen. Das Resultat zeigt sich für Deutschland besonders deutlich. Die Bundesrepublik gehört zu den geburtenärmsten Ländern der Welt. Wenn die neue Bundesregierung die Rente mit 63 beschlossen hat, wird sie von der Realität bald wieder eingeholt werden. Die gleichen Politiker, die nicht den Mut hatten, ihren Mitbürgern unangenehme Wahrheiten über die Folgen der demographischen Entwicklung zu sagen, haben uns in ihrer Gefälligkeitspolitik zusätzlich ein Abtreibungsgesetz beschert, das unter dem Etikett „gesetzwidrig aber straffrei“ die Massenabtreibung ungeborener Kinder, die uns heute fehlen, in Gang gesetzt hat.
Die Medien, die sich gerne zugutehalten, sie müssten Defizite der Politik anprangern, waren die Trendsetter einer verantwortungslosen Spaßgesellschaft. Sie sind verständlicherweise nicht daran interessiert, nach den Ursachen der Misere zu fragen. Ihre Rolle und Mitverantwortung für die demographische Katastrophe würde sonst ans Licht kommen.
Eine positive Wende müsste also bei einer kinderfreundlichen Politik ansetzen. Selbst dann, wenn dies geschähe, ist realistischer Weise mit einer Besserung der Situation erst nach einer langen Durststrecke zu rechnen. Trotzdem, auch ein langer Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Die Spaßgesellschaft stößt an ihre Grenzen

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Ich denke, dass der Verfasser des Artikels durchaus recht hat. Der werte Vorkommentator Marc OLulu hat ebenfalls Konstruktives zum Thema beigetragen. Aus beidem wird ein Schuh.
    Wer ungeborene Kinder dem Recht auf Abtreibung unterordnet und gleichzeitig Politik gegen den christlichen Glauben und die Familie fördert, wird unsere Gesellschaft im Inneren kaputtmachen.
    Die Industrie und Wirtschaft bietet keinen Wert an sich, sondern ist eine gesellschaftliche Größe unter vielen, die allerdings zum Ziel hat, größtmögliche Gewinne zu erzielen. Menschen werden oft nicht mehr als Mitarbeiter angesehen, sondern nur noch als Lohnkostenfaktor, mit dem möglichst nach Gutsherrenart zu verfahren ist. Als Ergebnis der Kinderlosigkeit brauchen wir Einwanderer, jedoch aus Kulturen, die sowohl dem Christentum als auch unserer offenen Gesellschaft oft ablehnend gegnüber stehen. Sie werden mitunter von der Industrie und Wirtschaft als Lohnminimierungsmittel missbraucht. Das ist eindeutige Politik der letzten Jahrzehnte. Damit hat es die politsiche Elite geschafft, Deutschland und Europa zum Einwanderungskontinent zu machen, um Gesellschaften austauschen und so besser manipulieren zu können. Ob die Rechnung aufgehen wird, wird sich zeigen. Der Hang zur Globalisierung zeigt jedenfalls in diese Richtung. Deutschland im kleinen, Europa im Großen. Ob das die große Harmonie bringen wird, wage ich zu bezweifeln.
    Ob diese verschiedenen Kulturen miteinander auskommen, spielte zuunächst keine Rolle. Die Probleme werden immer häufiger. Multikulti ist gescheitert. Besonnene Menschen haben dies vorausgesehen.
    Die Kinderarmut ist Folge einerseits von den geänderten Lebensumständen, die es heutzutage nötig werden lassen, dass beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um einen Hausstand am Leben zu halten und Kinder werden immer häufiger als Risikofaktor empfunden, die eigene Freiheit aufgeben zu müssen. Die Spaß- und Fungesellschaft, die durch gesetzliche Maßnahmen wie Rechtsanspruch auf Abtreibung und Prostitutiertengesetz sowie weitgehende Freigabe der Sex- und Pornoindustrie begleitet wurde, bewirkte, dass die Kinder hierzulande immer weniger wurden. Kinder stören da nur.
    Es ist für die Familie immer von Nachteil, wenn beide Eltern zumindest in den ersten Lebensjahres eines Kindes arbeiten müssen, um Kinder in halbwegs finanziell stabilen Lebensverhältnissen aufziehen zu können. Sozialistische Kinderkrippeninanspruchnahme so früh wie möglich, um die Zeitgeistideologie den Kindern möglichst früh beizubringen, sind da nur Randerscheinungen.
    Der Generationenvertrag kann bei der derzeitigen Kinderquote nicht mehr funktionieren. Die Gesellschaft wird immer brüchiger, weil das Christentum von ständiger linksmedialer Begleitmusik auf Zeitgeisttrimmung ausgerichtet ist.
    Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Aber hoffnungslos ist sie auch nicht. Es bedarf rigoroser Anstrengungen, der Eigenverantwortlichkeit in unserer Gesellschaft wieder Geltung zu verschaffen.

  2. Marc OLulu sagt:

    Lieber Herr Gindert,

    ich lese dieses Forum sehr gerne und stimme mit Vielem überein. Bei diesem Thema (Renten, Demographie) bin ich aber anderer Meinung.

    Die Kinderarmut für einen späteren Renteneintritt verantwortbar zu machen, geht aus meiner Sicht an der Realität vorbei. Gefüllte Rentenkassen hängen nicht nur davon ab, wieviele arbeitende Menschen wieviele Rentner zu „unterhalten“ haben.
    Welche Rente bezahlbar ist, hängt vielmehr davon ab, wieviele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, wieviel Lohn sie erhalten (und damit welche Rentenbeiträge sie bezahlen) und welche versicherungsfremden Leistungen aus der Rentenkasse bezahlt werden. Es ist also wichtig, wie der gemeinsam (!) erarbeitete „Kuchen“ verteilt wird.

    Gäbe es nicht diesen großen Niedriglohnbereich in Deutschland, wären die Löhne entsprechend dem Produktivitätszuwachs in den letzten Jahren gestiegen (statt deutlich darunter zu bleiben) und gäbe es nicht einen Haufen versicherungsfremder Leistungen ( = Leistungen, die die Rentenkasse bezahlt, obwohl dem keine Einnahmen entgegenstehen z.B. Anrechnungszeiten für Kinder), dann wäre auch eine größere Zahl von Renten problemlos zu finanzieren.

    Die Lösung aus meiner Sicht heißt deshalb: Reduzierung des Niedriglohnbereichs, höhere Löhne, versicherungsfremde Leistungen ausgliedern und über Steuern finanzieren, weil es sich dabei um gesamtgesellschaftliche Aufgaben handelt, die von allen (z.B. auch Beamten und Selbständigen) zu bezahlen sind.
    Das würde allerings voraussetzen, dass die Nutznießer der derzeitigen Lage (Industrie, Nicht-gesetzlich-Rentenversicherte) etwas von ihrem Kuchen abgeben müssten.

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