Sieger und Verlierer

Es ist aufregend in diesen Tagen. Die wichtigste Sache der Welt scheint wieder einmal der Fußball zu sein. In einem fulminanten Auftakt wurde sogleich der amtierende Weltmeister von einer Mannschaft entzaubert, die einmal zu den besten Fußballern der Welt gehörte, aber in den letzten Jahren nicht mehr die alte Größe erreichen konnte. Und nun dieser unglaubliche Sieg. Wer hätte das gedacht? Und dann folgte der Auftritt der deutschen Mannschaft, die einen gewichtigen Gegner in einer Weise „plattmachte“, wie das in manchem Journalistenjargon heißt, dass einem der Atem stockte. Diesen Sieg hätte sich auch niemand vorstellen können. Und die Welt(presse) reagierte , wie sie immer reagiert: großes Lob für den Sieger und Spott und Hohn für den Verlierer und seinen schönen, von der Gunst der „Welt“ verwöhnten Star. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg! Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht uns täglich zu Schiedsrichtern, wenn seine Auguren bei politischen Geschehnissen ständig den Berichterstatter fragen: Wer ist der Gewinner in dieser Sache und wer ist der Verlierer?
Es sei wieder einmal die alte Lehrerfrage erlaubt: Was lernen wir aus diesen beiden Fußballtagen?
Wir lernen, dass kein Thron in Ewigkeit gebaut ist. Und das gilt nicht nur für den Fußball sondern auch für die Politik, die Wirtschaft, die Medien und für dich und für mich. Kein Thron ist in Ewigkeit (Gott sei Dank!) gebaut bis auf den, der im Himmel steht und auf dem der Dreifaltige sitzt, dessen Fest wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben und der uns immer wieder wissen lässt, dass Sieg und Niederlage von ihm anders betrachtet werden als von uns oberflächlichen Menschen. Wer fällt und nach Seiner Hand greift, dem hilft Er wieder auf. Wer heute lacht, von dem sagt Er, dass er morgen weinen wird.
Er hat uns Sein Herz, Seinen Sohn gegeben, der nach dem Maßstab der Fußballfans, ihrer Macher und der veröffentlichten Meinung dazu gründlich verloren hat.
Aber in seiner scheinbaren Niederlage liegt der Sieg aller Siege, weil „er die Welt überwunden hat“. Er hat unser ganzes eitles Theater, unsere aufgeblasenen Siege der Eitelkeit, die meist in Wirklichkeit Niederlagen sind, beiseite geschoben und den einzigen Sieg errungen, der unsere Welt interessieren sollte aber wenig interessiert. Und so läßt der im Himmel erhöhte Christus uns durch den Apostel Johannes wissen, was unsere Lohn ist für den wirklich zählenden Sieg über unsere Überheblichkeiten, unsere Schwächen und vor allem über unseren Willen zur Macht und zum Machertum. Der erbärmlichten unter den sieben Gemeinden, der von Laodizea, ruft er zu zu: „Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend, und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt.“ (Offenbarung 3,17)
Dass ist wohl die Entzauberung unserer eitlen Eingebildetheiten, aber kein „Plattmachen“ wie im Fußball, sondern Entzauberung aus Liebe; denn gerade diesen Erbärmlichen sagt der Herr: „Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst und kehre um!“
Und dann spricht der im Himmel erhöhte Herr von dem Sieg, der alleine zählt und von seinem Siegespreis, dem Pokal aller Pokale, der gerade diesen Elenden angeboten wird.
„Wer siegt (über sich selbst und seine Schwächen), der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ Und er fügt für die geistig und geistlich Blinden und Tauben noch hinzu: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Hier wird uns das Sitzen auf dem einzigen Thron versprochen, der in Ewigkeit gebaut ist und niemals wankt.
Kehren wir zurück zu den aufregenden Fußballtagen. Wer heute mit Jubel siegt, kann morgen stürzen und so tief fallen, dass die gerade noch jubelnde „Welt“ nur noch Spott und Hohn übrig hat. Seien wir also demütig und bescheiden und nicht übermütig bis zu manchem in diesen Tagen geäusserten Größenwahn.
Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg, sagt die „Welt“. Wenn wir uns bewußt bleiben, dass unser Siegespreis, der Pokal, im Himmel auf uns wartet, werden wir wirkliche Kämpfer für den guten Kampf werden und unser Ziel erreichen. Das gilt für unsere Fußballer und für einen jeden von uns.        http://www.kath.net/news/46430

Michael Schneider-Flagmeyer

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5 Antworten auf Sieger und Verlierer

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Danke für die richtige und realistische Einordnung der WM.

    Fußball ist zur Ersatzreligion für ich hoffe nur einige Menschen mutiert, der nach der Spaß- und Fungesellschaft hungert und sich selbst damit zu einem Konsumenten ohne eigene Leistung und ohne höhere Ziele degradiert.

  2. Mathias Wagener sagt:

    Von der Entwicklung Brasiliens hatte die Pfarrerin auch keine wirkliche Vorstellung. Sie redet nach, was sie irgendwo aufgenommen hat. In der Tat konnte gerade in der letzten Zeit für weitere Bevölkerungskreise materielle Erfolge erzielt werden. Die Fußball-WM wird auch nicht von der Opposition in Brasilien abgelehnt, bis auf kleine Spontanfelder.
    Das sollte hinsichtlich des Seitenwechsels auch erwähnt werden.

    • Marc sagt:

      Katholische Pfarrerin? Gibts das jetzt auch schon?

      • Mathias Wagener sagt:

        Pardon, ich wollte etwas zum Wort zum Sonntag sagen, das sich auch mit der WM beschäftigte. Die Vortragende war indes keine Pfarrerin, sondern Pastoralreferentin. Noch mehr Verwirrung brauchen wir nun wirklich nicht, mit ihr werden wir ja ständig konfrontiert, wenn auch nicht in allen katholischen Gruppierungen.

  3. Marc sagt:

    Ihr Kommentar ist eines „Wort zum Sonntag“ würdig; entgegen dem was ich leider aus Frankfurt am Main zum Thema Seitenwechsel vernehmen musste in der Halbzeitpause eines Länderspiels. Herzlichen Dank.

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