Brandbrief eines Berliner Pfarrers gegen eine protestantisierte und verweltlichte Kirche.

Der Pfarrer Michael Theuerl, Leiter der katholischen Pfarrei Sanctissima Eucharistia in Berlin-Teltow hat einen Brandbrief an seinen Erzbischof, Kardinal Woelki, geschrieben, der in seiner Bedeutung weit über das Erzbistum hinausreicht, weil er die Probleme der Kirche nicht nur in Deutschland sondern zumindest im ganzen deutschsprachige Raum ausführlich und ungeschminkt beim Namen nennt und der auf freiewelt.net (siehe Link unten) zum ersten Mal ungekürzt und mit Nachtrag veröffentlicht wurde.
Pfarrer Theuerl sieht die Kirche zunächst in Berlin, darüber hinaus aber in ganz Deutschland auf dem Irrweg des Abweichens vom Katholischen hin zu einem politischen, weltlichen Modell.
Er begründet dieses sehr sorgfältig und zeigt klar und deutlich die Fehlentwickelungen auf, die die Kirche von ihrer apostolischen Verfasstheit zu einer hirtenlosen Kirche machen will, wie es Luther und die Reformatoren vor fast 500 Jahren getan haben.
Das würde natürlich die Zerschlagung der katholischen Weltkirche mit allen ihren Konsequenzen bedeuten und die Welt der einzigen wirklich segensreich funktionierenden „Internationale“ berauben.
Hat doch die Reformation das Auseinanderbrechen der Kirche in tausende von Denominationen gebracht und damit dem Hohepriesterliche Gebet des Herrn (Joh. 17) , „dass alle eins sein sollen“, zuwider gehandelt.
Wie weit dieses Denken erfolgreich in der deutschen Kirche vorgedrungen ist, hat erst kürzlich das Interview des Frankfurter Stadtdekans und Limburger Domkapitulars Johannes zu Eltz mit der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ deutlich gemacht. Siehe: http://www.kath.net/news/46333
Da wir ja wieder ganz ungeniert in der Kirche auch den Theologen gegenüber vom Teufel sprechen dürfen, weil Papst Franziskus das fast täglich tut und schon lange vor ihm täglich das internationale Fernsehen auch, sei hier an einen alten Spruch erinnert, dass der Teufel nur da interessiert ist, wo es sich lohnt. Und lohnen tut es sich für ihn ganz besonders in der Zerschlagung der von Christus eingesetzten und von den Aposteln ausgeführten hierarchischen Ordnung, die sich im sakramental begründeten Hirtenamt der Kirche zeigt. Zerschlägt man diese Ordnung, entfallen wie in den protestantischen Denominationen auch die Sakramente und hier besonders das Herzstück der Kirche, Christi vollkommene Gegenwart in der heiligen Eucharistie.
Hier sollen einige Punkte des langen Schreibens von Pfarrer Theuerl betrachtet werden.
Der Pfarrer erzählt, wie der Leiter des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe in Berlin morgens bei seinem Dienstantritt alle seine Sachen vor die Tür gestellt vorfand, an der ein neues Schild prangte mit der Aufschrift „Gemeindebegleitung.“ Dieser Vorgang macht uns einmal mehr wieder deutlich, was wir von der viel beschworenen „Geschwisterlichkeit“ und dem rabiaten Stil dieser „Erneuerer“ zu erwarten haben.
Ein deutscher Jesuit, so Theuerl, habe den Weg zu einer neuen Kirche auf die Formel gebracht: von der Pyramide zum runden Tisch, was wohl meint von oben nach unten. Der Priester dürfe zwar in der Zukunft das erst Wort haben aber niemals das letzte. In der neuen „kooperativen Pastoral“ einer geschwisterlichen Kirche seien alle Seelsorgerinnen und Seelsorger.
Natürlich weiß der Jesuit, dass das blühender Unsinn ist. Aber die in der Kirche, die schon seit langem diese Ideen entwickeln, wissen auch sehr genau, dass das Kirchenvolk dazu gar nicht in der Lage ist und das auch nicht will. Es müssen also in der geschwisterlichen Kirche Leute her, die als „ältere Geschwister“ für das vulgus profanum die Entscheidungen treffen, und das sind die „Geschwister“, die diese Ideen entwickelt haben und nun endlich an die „Macht“ wollen. Dass das Johannes-Evangelium sagt, dass es nur eine Macht gibt, nämlich die, ein Kind Gottes zu sein, indem man Christus in sein Herz aufnimmt, ist diesen Leuten offensichtlich völlig egal.
Und von der „Geschwisterlichkeit“ haben wir nicht nur die oben genannte Kostprobe des Umgangs mit dem Leiter des päpstlichen Werkes in Berlin erlebt, sondern in den letzten 12 Monaten ausführlich in Limburg, wo der Hauptprotagonist uns gerade per Interview mit „Die Zeit“ ganz schamlos erklärte, worum es ging und geht, nämlich um den Umbau der katholischen Kirche zu einem politischen runden Tisch, wie es uns Pfarrer Theuerl ausführlich darlegt.
Pfarrer Theuerl: „Man kann es als die Grundhäresie der westlichen Kirche bezeichnen: die theoretische und faktische Abschaffung des Hirtenamtes, des Apostolischen Amtes und der sakramental-hierachischen Grundstruktur, die zum Wesen der göttlichen Stiftung Kirche gehört und ohne die man nicht mehr von Katholischer Kirche sprechen kann.“
Das ist genau das , was uns Johannes zu Eltz, in seinem Interview klar macht. Es geht um eine andere Kirche, die nicht mehr von oben sondern ganz aus der in sich verkrümmten Welt (Paulus) stammt.
Dabei wird auch nicht auf Papst Franziskus gehört, wie man nie auf die Päpste seit dem heiligen Johannes XXIII. hörte, sondern der Papst wird bei jeder Gelegenheit für diese Säkularisierungszwecke instrumentalisiert. Was sagt denn Papst Franziskus dazu?
Am 5. Juni 2014 spricht er in seiner Predigt in Santa Marta von denen, die die Kirche als eine Mietwohnung missbrauchen und nicht als ihr Zuhause ansehen. Die erste Gruppe, die sich so verhielten, seien jene, die wollten, dass in der Kirche alle gleich seien. Die Gruppe hat er etwas scherzhaft als „Uniformisten“ definiert.

http://www.kath.net/news/46274
Auch macht uns Pfarrer Theuerl klar, dass es keinen Sinn macht,  solche runden Tische – wie gefordert – zu organisieren, da das Glaubenswissen dramatisch geschwunden ist und der Katechismus nicht mehr angenommen wird.
Und wir fügen hinzu, dass er nicht mehr angenommen wird, ist das Werk derer, die aus der Kirche heraus mit Hilfe der Medien, gewisser Politiker und großen Teilen der Theologen und der „kirchlichen“ Gremien aus den klaren Aussagen des II. Vatikanischen Konzils über die Kirche und das Hirtenamt, sowie über die heilige Liturgie den „Geist des Konzils“ (das Gespenst von Tübingen) gemacht haben. Sie machen nun aus der kirchlichen Dogmatik „die Pastoral des runden Tisches“ (Theuerl).
Noch einmal im Klartext: Mit der Idee des runden Tisches soll den Leuten Sand in die Augen gestreut werden, weil am runden Tisch nun nicht mehr die Hirten das Sagen haben werden, sondern die, die schon lange nach der „Teilhabe an der Macht“ bzw. der ganzen Macht in der Kirche streben, die in erster Linie politisch-weltlich gesehen wird. Das Ganze wird fromm verbrämt und es ist viel von Liebe die Rede wie in Limburg. Was darunter verstanden wird, haben wir gerade dort erlebt.
Der Brandbrief des Berliner Pfarrers Michael Theuerl rüttelt uns alle auf und macht uns hoffentlich klar, dass wir diesen rabiaten „Geschwistern“ mit ihren Plänen der Zerschlagung die Kirche nicht überlassen dürfen.
Und hier der Brief im Wortlaut:
http://www.freiewelt.net/reportage/katholischer-pfarrer-prangert-weg-zu-einer-anderen-kirche-an-10035147/

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Brandbrief eines Berliner Pfarrers gegen eine protestantisierte und verweltlichte Kirche.

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Was erwarten wir im Lande der Reformation? Was dem demokratischen „runden Tisch“ fehlt, ist die Liebe zu Jesus und das Verständnis, dass alles von Gott, von JESUS herkommt. Kann demokratich entschieden werden, ob Jesu Wunder wahr sind, ob JESUS der Sohn Gottes ist, ob die Auferstehung Jesu historisch stattgefunden hat, ob in der Eucharistie JESUS selbst im Zeichen des Brotes zu uns kommt? Wahrheit kann nicht demokratisch wegerklärt werden. Die Mehrheit der Deutschen würde die Abtreibung als Recht der Frau, sie durchzuführen, akzeptieren. Die Wahrheit, dass Abtreibung Mord im Mutterleib ist, kann nicht demokratisch wegerklärt werden.
    Aber einen gewichtigen Punkt hat der werte Pfarrer Theuerl vergessen: Das Verhältnis insbesondere vieler Priester zum Evangelium. Wer die Sünde in Predigten nicht mehr Sünde, also als eine Tat, die von Gott wegführt und die Folgen für den Sünder und das Opfer dieser Sünde hat, nennt, wer den Teufel seiner Existenz beraubt, wer Jesus als Sozialarbeiter darstellt, wer die Eucharistie in ihrer Bedeutung (keine Beichte mehr als Vorbereitung für den Empfang) so auf den Empfang von Brot reduziert, braucht keine Sakramente mehr, ist doch verständlich, oder?
    Ich denke die theologische Ausgangspositionen wurden von vielen Amtsträgern der Kirche einfach nicht mehr glaubhaft vertreten. Enzykliken müssen bitteschön für das katholische Volk erklärt werden. Welche Enzyklika wurde denn in einer Predigt aufgeschlüsselt? Für „Pillen-Paul“ und „Kondomverbot-Johannes-Paul“ schämten sich doch große Gruppen der deutsche Teilkirche. Ich denke, dass wie immer der Fisch vom Kopf her stinkt.
    Also der Brief des Pfarrers hat seine Vollberechtigung und ist sehr erfreulich. Aber den Weg zu einer anderen Kirche haben mit Verlaub viele Priester und Bischöfe selbst zu verantworten. Interessiert Kreise von Laien haben nur die Gunst der „Stunde“ ausgenutzt und leider hat auch das feige Schweigen eines großen Teils des Klerus deren Zwecke des breiten und bequemen Weges begleitet. Wenn Sakramente ihre Bedeutung verlieren im ursprünglichen Sinne, verliert auch das Amt des sie spendenden Priesters an Bedeutung. Wer in den Predigten nicht mehr den Sinn von Sakramenten erkärt, kann nicht erwarten, dass das Urbild des Sakramentes im Bewusstsein der Menchen bestehen bleibt. Es muss immer wieder neu mit der Wahrheit belebt werden.

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