„Sport ist die schönste Nebensache der Welt“, so heißt es.

Vom 12. Juni bis 13. Juli fand in Brasilien die Weltmeisterschaft im Fußball statt. Es war ein medienbeherrschendes Thema. Das Spiel Deutschland gegen Portugal sahen in Deutschland rund 24 Mio.. Was erklärt dieses massenhafte Interesse an den Spielen, die Faszination, die von ihnen ausging, die Emotionen, die sie freigesetzt haben, oder die nationale Identifikation, die sichtbar geworden ist?
Der Sport ist ein Riesenunternehmen geworden, das Milliarden umsetzt. Aber das erklärt nicht allein die Frage. Offensichtlich fehlen den Menschen im üblichen Jahresablauf Ereignisse, die ein vergleichbares Miterleben aufkommen lassen. Am ehesten kann noch die katholische Kirche mit solchen sportlichen Großereignissen Schritt halten. Man denke an die großen Gottesdienste auf dem Petersplatz in Rom, z.B. an die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und von Johannes Paul II. mit rund 2 Mio. Teilnehmern.
Was bleibt von der Weltmeisterschaft in Fußball, wenn von den leeren Bankreihen kein Leben mehr ausgeht? Dann zieht die Nüchternheit des Alltags wieder ein. Das große Event war doch recht oberflächlich für die Teilnehmer. Es hat sie nicht verändert. Ist also der Sport doch die „schönste Nebensache der Welt“? Wenn ja, was ist dann die Hauptsache? Sie liegt in der Antwort auf jene existentielle Frage, die sich nachdenkliche Menschen seit Jahrtausenden stellen. Im Katechismus der Katholischen Kirche lautet diese Frage übrigens: „Wozu sind wir auf Erden?“ Dieses wozu schließt den von Gott gegebenen Lebensauftrag ein. Hätte man den Zuschauern der Weltmeisterschaft diese Frage gestellt, wäre womöglich die häufigste Antwort gewesen: „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht“.
Es gehört Mut dazu, sich diese Frage zu stellen, hartnäckig, ihr nicht auszuweichen. Von der Antwort hängt alles in unserem Leben ab. Diese Antwort kann revolutionär sein. Sie hat tatsächlich das Leben ungezählter Menschen verändert – und auch ihre Umwelt.
Veränderung setzt einen neuen Geist voraus. Man kann ihn nicht herbeikommandieren. Aber man kann ihn erbitten und von ihm sich führen lassen, wie die Jünger am Pfingstfest.
Papst Franziskus hat den Geist Gottes herabgerufen auf die Präsidenten von Israel und des Palästinenserstaates, auf die Verantwortlichen der Bürgerkriegsparteien in der Ukraine, in Syrien, im Irak, auf die Mafiabosse in Kalabrien. Ob sie sich von ihm leiten lassen, bleibt in ihrer Verantwortung. Die Bereitschaft, sich vom Geist führen zu lassen, gilt nicht nur für die sogenannten „Großen“ dieser Welt, sondern für jeden von uns. Was die Hauptsache von unserem Leben ist, können nur wir selber beantworten.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf „Sport ist die schönste Nebensache der Welt“, so heißt es.

  1. Eduard Werner sagt:

    Herr Kemmer, Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass es ein Fehler war, die Kirche zu einem Sozialverein werden zu lassen. Dabei hat man leider die Hauptsache – Die Sakramente und die Zehn Gebote – weitgehend vergessen. Warum? Weil sie stören. Der Sozialverein dagegen stört kaum. . Die Folgen werden so bitter sein, dass eine Umkehr sicher ist. Lesen Sie das Buch „Höllensturz und Hoffnung“ von Hans-Joachim Hahn und Lutz Simon. OLzog-Verlag. Es ist erschütternd und zugleich Mut machend.

    • Hermann-Josef Kemmer sagt:

      Herr Werner,
      Dank für den Buchtipp. Habe die Kundenrezension bei amazon bereits gelesen. Macht neugierig.

  2. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Ich denke, dass gerade Fußball für viele Menschen keine Nebensache mehr ist, sondern der Besuch im Vereinsstadion ist der Gottesdienst für hardcore-Fans. Fußball ist zur Ersatzreligion mutiert. Auch die Jugendevents mit den Päpsten bleiben leider Eintagsfliegen – auch im katholischen Bereich. Wo bleiben Jugendliche in den sonntäglichen Gottesdiensten, geschweige denn in den Alltagsgottesdiensten? Ja die damals eingeführten Jugendgottesdienste mit „moderner“ Musik sind auch keine Highlights mehr. Wir müssen konstatieren, dass wir Esel sind, denen es zu wohl geht und aufs Glatteis gehen, will heißen: Jede Ersatzreligion wie Fußball, Spaß und Fun und Entertainment ist wichtiger als Jesus für viele junge Leute. Sie haben keinerlei Bezug mehr zu Jesus und schon gar nicht mehr einen Bezug zur Kirche. Die 10 % Kirchenbesucherschwund jährlich sind auch darauf zurückzuführen, dass ca. 10 % jedes Jahr durch den Tod der alten Kirchenbesucherinnen und -besuchern ausfällt. Jugend rückt nur wenig nach. Wir werden zu einer verschwindend geringen Anzahl von bewusst Gläubigen zusammenschmelzen müssen. Die Schuld bei irgendwem zu suchen, ist müßig. Wir sollten bereits jetzt nach Wegen suchen, die die Effektivität für eine kleine Mini-Gemeinden im Katholischen zu steigern. Ohne Jugend ist jede Kirche tot. Die Kirchen, wie sie jetzt in Deutschland darstellen, mit ihrem aufgeblähten Verwaltungsapparat, der an Behörden erinnert, werden auf Dauer weichen müssen,soll die Entweltlichung wirklich gelingen. Es war generell ein Fehler, die Kirche zu einem Sozialverein umzufunktionieren. Der Glaube wurde nur noch als Nebensachethema behandelt. Jesus wurde zum Sozialromantiker umfunktioniert und genauso leer ist jetzt auch der individuelle Glaube zahlloser Einzelner geworden. Der Heilige Geist wird Wege weisen, wie weiter vorzugehen ist. Mit der Gnade mitwirken ist das Gebot der Stunde. Wir sollten zu einer Ideensammlung für die Herbeiführung eines tiefen Glauben übergehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*