Der untaugliche Versuch Gott zu entmachten

Der säkulare Mensch des 21. Jahrhunderts entdeckt „Tierrechte“ und er stellt Tiere auf die gleiche Stufe mit Menschen. Es ist die bekannte Methode, Menschen zu verwirren in dem Richtiges mit Falschem vermengt wird. Richtig ist, dass der Mensch die Schöpfung „hegen und pflegen“ soll und nicht brutal ausbeuten darf. Wer die Offenbarung Gottes kennt, der weiß, was der Schöpfer gemacht hat ist „gut“. Er hat nicht den Nachholbedarf des gottvergessenen Menschen, der fasziniert von den Fortschritten der Wissenschaft und Technik des 19. und 20. Jahrhunderts heute vor den selbstgeschaffenen Wüsten kaputter Böden und Landschaften erschreckt feststellt, wie die Natur zurückschlägt. Einsichtige fragen schon lange, darf der Mensch alles tun, was er kann? Die Lehre der Katholischen Kirche sagt eindeutig: „Tiere, Pflanzen und leblose Wesen sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit von gestern, heute und morgen bestimmt. Die Bodenschätze, die Pflanzen und Tiere der Welt dürfen nicht ohne Rücksicht auf sittliche Forderungen genutzt werden. Die Herrschaft auf die belebte und die unbelebte Natur, die der Schöpfer dem Menschen übertragen hat, ist nicht absolut“ (KKK Ziff. 2415). Falsch aber wäre es, den Menschen nun zu degradieren und ihn auf die Stufe von Tieren zu stellen. Denn der Mensch kann den Zustand, den er angerichtet hat, reflektieren und seine Fehler korrigieren. Ein Tier kann das nicht. Es wird den letzten Grashalm in der Wüste fressen und dann verenden. Zur Berufung und Würde des Menschen zählt, dass er seiner Profitgier nicht willenlos ausgeliefert ist, während das Tier triebgesteuert bleibt. Dazu sagt die Katholisch Kirche: „Tiere sind Geschöpfe Gottes und unterstehen seiner fürsorgenden Vorsehung. Allein schon durch ihr Dasein preisen und verherrlichen sie Gott. Darum schulden ihnen auch die Menschen Wohlwollen“. (KKK Ziff. 2416)
Der säkulare Mensch, der Neuheide unserer Zeit, leugnet die Existenz und Offenbarung Gottes, die vom Vorrang des Menschen vor der übrigen Schöpfung spricht. Im untauglichen Versuch Gott zu entmachten, erfindet er die Theorie von dem Werden der Welt aus dem Nichts und von der Entwicklung des Menschen aus der toten Materie. In die Reihe jener Theorien, die eine Neue Weltordnung ohne Transzendenz herbeischreiben, reiht sich der AZ-Artikel (14.6.14) „Nur ein Tier? – Warum immer mehr Menschen glauben, dass Tiere Rechte haben“ von Bastian Sünkel, ein. Auch er enthält in der angedeuteten Manier Richtiges und Falsches. Richtig ist, dass für die Ernährung der Menschen mehr Anbauflächen benötigt werden, wenn die Nahrung aus Fleisch besteht, weil durch den Umwandlungsprozess im Tiermagen Kalorienverluste entstehen. Wenn aber die „größte Katastrophe“ durch Hungersnot bei wachsender Weltbevölkerung angedroht wird und den Menschen beim Fleischkonsum ein „schlechtes Gewissen“ eingeredet wird, ist eine Anmerkung angebracht. Die Wegwerfgesellschaft gibt so viele Nahrungsmittel in den Müllcontainer, dass die heute hungernden Menschen davon ernährt werden könnten. Der Artikelschreiber hütet sich auf die riesige Zahl von Haustieren, wie Hunde, Katzen etc. in den westlichen Wohlstandsländern hinzuweisen, die nicht nur mit Küchenabfällen gefüttert werden, sondern mit teuren zugekauften Futtermitteln tierischer Herkunft. Aber mit diesen Tierbesitzern und mit den mächtigen Herstellern von Tiernahrung will er sich wohl nicht anlegen. Die kirchliche Lehre bleibt hier nüchtern: „Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt… somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit zu Diensten zu machen“ (KKK Ziff. 2417). Richtig ist, dass die Massentierhaltung bei Rindern, Schweinen und Geflügel vielfach nicht artgerecht ist. Dasselbe gilt für Tiertransporte. Das kann und sollte durch entsprechende Gesetze geändert werden. Allerdings braucht auch die traditionelle frühere Tierhaltung nicht romantisiert werden. Die Ställe von ehedem waren oft eng, feucht, dunkel und schlecht gelüftet.
Der Verfasser beginnt seinen Artikel mit der Schilderung einer brutalen Abschlachtungsszene bei Puten und fordert die Tötung ohne Tierquälerei ein. Auch hier hat er Recht. Aber es gibt bereits die entsprechenden Paragraphen des Tierschutzgesetzes. Wie in vielen anderen Fällen werden sie nur eingehalten werden, wenn die Mitbürger sich mit Zivilcourage einschalten. Katholiken sollten hier keinen Nachholbedarf haben, stand doch in jedem Beichtspiegel die Frage: „Habe ich Tiere gequält“.
Wenn heute Tierrichter, Philosophen, Schriftsteller und Mitglieder der „Giordano-Bruno-Stiftung“ „Grundrechte für Menschenaffen“, eine „Neuordnung der Welt“, die Abschaffung der Rassen fordern und formulieren der Mensch sei nichts anderes als ein hochentwickeltes Tier, zeigt das die Zielrichtung an. Es geht nicht nur um Abschaffung von Missbräuchen, sondern um die Schaffung eines anderen Menschen- und Gottesbildes, um eine neue Weltsicht, nämlich eine ohne Gott. Und, wenn der australische Philosoph Peter Singer in diesem Zusammenhang zitiert wird, der Mitte der 70.er Jahre die „Animal-Liberation“ d.h. die Befreiung der Tiere ausrief, dann sollten wir wissen, dass mit der „schönen, neuen Welt“ in der die Tiere befreit sind, zugleich die Epoche der Dehumanisierung beginnt. Singer spricht nämlich dem Menschen, der nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, die menschlichen Eigenschaften und Rechte ab. Was ist aber dann mit den geistig Behinderten und den Demenzkranken? Dass der Mensch biologische Ähnlichkeiten mit Tieren hat, war schon immer bewusst. Trotzdem bleibt der fundamentale Unterschied.
Der Schöpfungsbericht sagt, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das Gott um seiner selbst willen geschaffen hat und dass dieser Schöpfungsakt „sehr gut war“, denn der Mensch ist Abbild Gottes.

Hubert Gindert

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