Es ist Zeit die Genderideologie hinter uns zu lassen.

Die Auseinandersetzung um die Genderideologie nimmt Formen eines Glaubenskrieges an. Das verwundert nicht. Wir stehen in einer Kulturrevolution. Denn Gender will alle geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Mann und Frau einebnen. Sie ist dabei Ehe und Familie, also die Grundlagen unserer Gesellschaft und unserer Kultur zu zerstören. Papst Franziskus hat die Genderideologie zurecht als „dämonisch“ bezeichnet. Gender ist der Gegenentwurf zum biblischen Schöpfungsbericht, wo es heißt: „Gott schuf den Menschen, als Mann und Frau schuf er ihn“ (Gen. 1,27). Trotzdem geht von der Genderideologie eine Faszination aus. Warum ist das so? Was macht diese Ideologie attraktiv? Es ist jene Faszination, die auch von der Französischen Revolution und danach vom Marxismus mit den Parolen: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ausgegangen ist. Die Genderideologie verspricht über die Einebnung der Geschlechterunterschiede die Beseitigung aller Formen von Unterdrückung, von Diskriminierung und von Unrecht an Frauen. Der marxistische Sozialismus versprach einen „Neuen Menschen“ zu schaffen. Dieser war ein ideologisches Konstrukt gegen die Natur. Tatsächlich schuf er nur neue Klassenunterschiede und eine der brutalsten Diktaturen der Weltgeschichte.
Die Genderideologie segelt mit dem Rückenwind einer weitgehenden Unkenntnis der wahren Ziele dieser Ideologie und in einer Zeit, in der die Rechte der Frau eine neue Bedeutung gewinnt. Es gibt tatsächlich weltweit Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen. Diese wird von der Genderideologie für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Papst Johannes Paul II. ist in seiner Enzyklika „Über die Würde und Berufung der Frau“ („Mulieris Dignitatem“) vom 15. August 1988 auf die Gefahr eingegangen, dass Unrecht an der Frau benutzt wird, um ihre besondere Eigenart und Würde zu eliminieren. Er sagt dass das Unrecht „unter keinen Umständen zur Vermännlichung der Frauen führen (darf). Die Frau darf nicht – im Namen der Befreiung von der Herrschaft des Mannes – danach trachten, sich entgegen ihrer fraulichen Eigenart die typischen männlichen Merkmale anzueignen. Es besteht die begründete Furcht, dass sich auf einem solchen Weg die Frau nicht verwirklichen wird, sondern vielmehr das entstellen und einbüßen könnte, was ihren wesentlichen Reichtum ausmacht. Es handelt sich um einen außerordentlichen Reichtum“ (S. 27). Wir kennen solche Formen der „Vermännlichung“ in westlichen Gesellschaften. Es sei dahingestellt, ob sich Frauen tatsächlich „selbst verwirklichen“, wenn sie z.B. Kampfsportarten wie Boxen, American Football oder auch den Dienst an der Waffe in der Armee verrichten.
Es ist gewiss verdienstvoll, die Genderideologie in ihren wahren Zielen zu entlarven, auf den Schaden hinzuweisen, den ihre Umsetzung an den Menschen und an der Gesellschaft anrichten würde, sowie auf die Drahtzieher in der EU und in den sogenannten „Nichtregierungsorganisationen“ (NOG) und Medien aufmerksam zu machen. Aber das genügt nicht. Es muss auch der gesellschaftliche und politische Widerstand gegen die Wegnahme des Erziehungsrechtes der Eltern und die Indoktrination der Kinder immobilisiert werden.
Um die Genderideologie hinter uns zu lassen, geht es zuerst darum, in den „verschiedenen Bereichen des Zusammenlebens Situationen zu überwinden, in denen die Frau deshalb benachteiligt oder diskriminiert wird, weil sie Frau ist“ (Johannes Paul II. „Mulieris Dignitatem“, S. 27) und die Möglichkeiten zu schaffen, dass sie ihre Fähigkeiten durch freien Zugang zu Schule, Ausbildung und zu den Berufen entfalten kann. Darüber besteht in den westlichen Ländern weithin Konsens.
Heute geht es aber wieder darum, die Tatsache bewusst zu machen, dass die Frau ein „anderes Ich im gemeinsamen Menschsein“ als der Mann hat. Die persönlichen Möglichkeiten des Frauseins sind gewiss nicht geringer als die Möglichkeiten des Mannseins; sie sind nur anders“ (Johannes Paul II.).
Die naturgegebenen Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern sind bereits bei kleinen Kindern beobachtbar. Doktor Felix Dirsch hat in seinem Aufsatz „Von Anfang an verschieden“ („Junge Freiheit“, 26.06.14) auf die biologischen Unterschiede hingewiesen. Er stellt fest:
„Wenn man die Unterschiede des weiblichen im Vergleich zum männlichen Gehirn hervorhebt, bedeutet das keineswegs, eine Rangordnung aufzustellen. Forschungsergebnisse belegen, dass die Schwäche eines Geschlechts bezüglich des Gehirns durch eine entsprechende Stärke an anderer Stelle ausgeglichen wird. Es gibt Hinweise auf verschiedene Denkweisen, die sich gehirnstrukturell ausgebildet haben und nicht einfach auf Sozialisationsformen zurückzuführen sind, wie Vertreter der Genderphilosophie meinen.
Dabei geht es weniger um intellektuelle Funktionen, die mittels des Intelligenztests zu erfassen sind, sondern vielmehr um ganz bestimmte intellektuelle Fertigkeiten. So schneiden Frauen im Bereich sprachlicher Kompetenzen wie auch manueller Fähigkeiten statistisch gesehen besser ab, als Männer. Diese hingegen zeichnen sich eher durch räumliches Denkvermögen und mathematisch-logisches Denken aus.
Zahlreiche Experimente, die schon vor 20 Jahren durchgeführt worden sind, zeigen, dass es sich bei der Hirnsymmetrie des Menschen um ein geschlechtsdimorphes Merkmal handelt. Die Hemisphären bilden sich schon in der Kindheit spezifisch aus. Tast- und Fühlexperimente belegen bei Jungen eine frühere Spezialisierung der Hirnhemisphären auf bestimmte kognitive Fähigkeiten, während bei Mädchen in diesem Punkt größere Plastizität über einen längeren Zeitraum nachweisbar ist.“
Es wäre für die aktuelle Diskussion von Nutzen, wenn die anthropologischen Ursachen der geschlechtsspezifischen Unterschiede und Vorzüge noch mehr erforscht und dargestellt würden. Statt der Gesellschaft das egalitäre Zwangskorsett der Gleichmacherei überzustülpen, wie das die Genderideologie will.
In den Nebel der Genderdiskussion wird nur dann wieder klare Sicht einziehen, wenn die besonderen Eigenschaften und Vorzüge von Frauen und Männern wieder in ihrer ganzen Schönheit aufleuchten.

Hubert Gindert

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