Jugendseelsorger Wensch: „Wer ist wie Gott?“

In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 tobte in Deutschland ein heftiger Kampf um die Jugend, denn „wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“ Daher kam jeder erfolgreiche Jugendseelsorger zwangsläufig in Konflikt mit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Auch der Dresdner Diözesanjugendseelsorger Dr. Bernhard Wensch wurde von den Nazis beobachtet, dann verhaftet und schließlich im KZ ermordet.
Bernhard Wensch wurde am 7.7.1908 in Berlin geboren. Während seiner Gymnasialzeit in Dresden war er in der katholischen Jugendbewegung aktiv und er wurde auch Gruppenführer im Bund Neudeutschland. 1930 wurde er in Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert. 1934 wurde er im Dom zu Bautzen zum Priester der Diözese Dresden – Meißen geweiht. 1937 – zu einer Zeit, als die katholischen Jugendverbände mehr und mehr verboten wurden – ernannte ihn Bischof Legge zum Diözesanjugendseelsorger der Diözese Dresden-Meißen. Bernhard Wensch war sofort mit großem Engagement in der ganzen Diözese unterwegs, um die Jugendlichen vor den Einflüssen der so genannten Hitlerjugend zu bewahren und sie stattdessen für Christus zu begeistern. Wenn die katholische Jugend Sachsens dem nationalen Blendwerk der Nazis weitgehend widerstand, so war dies vor allem ein Verdienst von Dr. Bernhard Wensch. In seinem Namen verfassten die Jugendlichen Rundbriefe, in denen sie von ihren eigentlich verbotenen Zusammenkünften berichteten und sich gegenseitig im Glauben bestärkten. Ein solcher Rundbrief fiel der Gestapo in die Hände. Dieses Schriftstück führte sofort zur Verhaftung von Dr. Wensch. In diesem Rundbrief hatte sich Wensch nämlich von der lauten Nazi-Propaganda indirekt abgegrenzt und geschrieben: „Sorgen wir dafür, dass wir nicht taub werden, wenn uns die Ohren gellen …. , damit unser junges Leben ein Echo sei des Engelrufes „ Wer ist wie Gott?`“ Mit diesem Ruf stand den damals sehr bibelkundigen Jugendlichen der Kampf zwischen Erzengel Michael und Satan vor Augen. Die Kirche als unbesiegbarer Erzengel und die Nationalsozialisten als Satan? Das duldeten die Nazis nicht. Wensch kam über das Polizeigefängnis Dresden und das KZ Oranienburg schließlich in das KZ Dachau, wo ihn seine gefangenen Mitbrüder aus Dresden herzlich begrüßten. Bei den oft sehr peinlichen Verhören war es die Hauptsorge von Wensch, ja niemanden zu verraten. Während der schweren Arbeit auf der Kräuterplantage betete er ständig leise für die Jugendlichen seiner Diözese. Als 1942 im Lager die Ruhr und der Hungertyphus ausbrachen, kam auch der todkranke Bernhard Wensch in den Krankenblock. Sein Mitbruder Hermann Scheipers erzählt: „Eines Abends kam Bernhard heimlich in der Dunkelheit an den Stacheldraht des Invalidenblocks und brachte mir das Kostbarste, das er verschenken konnte, seine Tagesration von vier Scheiben Brot. Wer je bei schwerer Arbeit und Durchfall-Erkrankung nur von Wassersuppen leben musste, weiß, was das bedeutete. Ich hätte das Brot damals nicht annehmen dürfen. Aber ich ahnte nicht, wie schlimm es um meinen Mitbruder stand. Er schenkte mir sein Brot damit ich überlebe. Er selbst starb wenige Tage später. Diese Liebestat des Brotschenkens steht für mich in direktem Zusammenhang mit dem, was Christus für uns tat in seiner Hingabe am Abend vor seinem Tod.“ Bernhard Wensch hat in seinem Inneren das Leiden Christi angenommen und nachvollzogen, so dass es fruchtbar werden konnte. Unsere heutigen Jugendseelsorger müssen gegen einen anderen Ungeist der Zeit kämpfen: Das ist die Gender-Ideologie. Sie riskieren kein KZ, sondern Spott und Hohn. Sie werden dennoch siegen.

Eduard Werner

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*