Wie sehr betrifft uns die immer noch zunehmende Verfolgung der Christen in der ganzen Welt?

„Wir sind die Genossen der Egalität, nicht der Gleichheit à la Marseillaise, o nein, wir triefen vor Legalität (soweit es halt zu vereinbaren geht mit Eigen – und Fremdkapital), aber uns ist alles egal.“
So schrieb vor über 40 Jahren der 1930 in Kaschau in der Ostslowakei geborene Dichter Andreas Okopenko in seinem großen Gedicht „Das Lied von der Egalität“.
Dass die Christen die meistverfolgte Religionsgruppe der Welt ist, hat inzwischen so gut wie jeder aus dem Fernseher bei einem abendlichen Glas Bier oder Wein vernommen. Berge von Leichen, ganze Kirchengemeinden, die beim Gottesdienst in die Luft gesprengt worden sind, werden uns bei der täglichen Abendschau vorgeführt. Das furchtbare Elend der Jesiden-Flüchtlinge lässt uns im Augenblick mal das permanente Elend der massenhaft verfolgten und vertriebenen Christen in der ganzen Welt vergessen. Oder nicht? Haben wir uns an diese Nachrichten, die von weit her zu kommen scheinen, gewöhnt? Hat das Lied von der Egalität uns nicht eingelullert?
Was gehen uns diese Vorgänge in der der Weltkirche, die weit entfernt zu sein scheinen, eigentlich an?
„Wenn sie im Kongo und näherwo foltern, uns ist alles egal. Wenn Eisenbahnbrücken in Abgründe poltern, uns ist alles egal. … Bei der großen Zahl, da wird alles, alles egal.“
Es stimmt. Bei der täglichen Flut von Katastrophen und unzähligen Getöteten, Gefolterten und Ermordeten hört man kaum noch hin. Und haben wir nicht selbst genug Probleme?
Kürzlich sagte mir ein Priester, den ich bat, den Bitten des Papstes und der orientalischen Bischöfe um das Gebet für den Frieden zu folgen in den Fürbitten: „Ach wissen Sie, man kann nicht für alles beten.“ Wirklich? Ich meine, man kann doch.
„Die Friedensgedichte, der ganze Chor, der kommt uns allen zum Einschlafen vor. In seinem Schlaf wird kein Schwein gestört von einem Alarm, den man immerzu hört“, sagte vor über 40 Jahren während des Vietnam-Krieges Andreas Okopenko und er beendetet sein „Lied“ mit den Worten: „Wir sind die Genossen der Egalität. Wir sind der wahre Skandal.“
Wir leben seit 1945 in Mitteleuropa in der großen Gnade und in dem Segen Gottes, dass kein Krieg, keine Vertreibung und keine Massenmorde aus Hass einer Pseudo-Religiosität, die dem Satan dient und nicht Gott, unser Leben verunsichert. Aber trotzdem geht uns die Verfolgung unserer Brüder und Schwestern in den anderen Teilen der Welt unmittelbar etwas an.
Einmal, weil uns die heilige Schrift lehrt, dass , wenn ein Organ des Leibes, der die Kirche ist, leidet, der ganze Körper krank ist.
Das erscheint vielen Menschen als Theorie. Das hängt damit wohl zusammen, dass vielen von uns das Gefühl für die Einheit, das Opfer und die Transzendenz verloren gegangen ist. „Oben und Unten“ (Himmel und Erde) sind – wie Martin Buber sagt – fest aneinander gebunden. Für uns Christen ist die Verbindung das Kreuz Christi. In dem Gekreuzigten und Auferstandenen sind Himmel und Erde miteinander verbunden. Wer wirklich dem Herrn gehört und mit Ihm verbunden ist, der wird niemals abstumpfen gegenüber dem Leid der Menschen und schon gar nicht dem Leid der Schwestern und Brüder in Christus. Liegt nicht auch in der Verweigerung unserer Gebete für die Verfolgten ein Verlust an Vertrauen auf Gottes Hilfe? Trauen wir alle, die wir uns Christen nennen, Gott noch etwas zu? Glauben wir noch, dass Gott handelt, wenn die Gerechten „aus der Tiefe“ (De Profundis) (Ps. 130) zu ihm schreien? „Es ist Zeit vom Schlafe aufzustehen“ ruft der heilige Paulus den Römern, Ephesern und auch uns zu. Niemals darf sich ein Christ hilflos und verlassen fühlen. Die heilige Schwester Faustyna berichtet in ihrem Tagebuch, dass Christus zu ihr sagte: „In welchem Zustand sich die Seele auch befindet, sie soll beten.“ Denn was für die Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich.
Auch wenn wir uns angesichts dieser Massenverfolgung von Mitchristen hilflos fühlen, will Gott doch unsere Mitwirkung im Gebet und im Opfer. Gott sei Dank gibt es noch viele treue Beter – auch bei uns.
Wir müssen auch lernen zu begreifen, dass auch wir vor der Christenverfolgung keineswegs sicher sind. Wer noch nicht bemerkt hat, dass auch bei uns in Mitteleuropa Menschen wegen ihres entschiedenen Bekenntnisses zum Wort Gottes und zur Kirche Nachteile hinnehmen müssen, diskriminiert sogar aus der Kirche heraus und als Fanatiker beschimpft werden und/oder mit dem Bevormundungswort „Fundamentalist“ belegt werden, bei dem muss erst noch der Wecker klingeln. Das kann erst der Anfang sein. De-Mut (Mut zum Dienen) im Bekenntnis ist gefordert und Sanftmut im Gebet. Es ist für Amtsträger der Kirche beschämend, wenn ihnen aus der Politik die energische Verteidigung der verfolgten Christen und tätige Hilfe für sie ( siehe Volker Kauder) vorgemacht wird.
Was können wir tun? Jeder Kirchgänger kann immer wieder den Pfarrer um die sonntägliche Fürbitte für die verfolgten Christen bitten und darin nicht nachlassen oder sich von Unverständnis abschrecken zu lassen. Wer Lektor ist, kann von sich aus den Fürbitten die Bitte um den Frieden in den Herzen der Menschen (denn das ist ja die Voraussetzung für den Frieden in der Welt), für den Frieden in den Familien, zwischen den Religionen und zwischen den Völkern und für die verfolgten Christen selbst hinzufügen. Ich mache das immer, wenn ich „Dienst“ habe. Wer es nicht freisprechend kann, kann es sich vorformulieren und immer wieder verwenden.
Gott hört und erhört unsere Bitten, wo zwei oder drei wirklich (mit dem Herzen) in seinem Namen versammelt sind.
Wir können uns aber auch in der Öffentlichkeit beteiligen, indem wir in unserem Umfeld auf die Verfolgung hinweisen und indem wir die Bemühungen unterstützen die Schläfer in der Politik aufzuwecken, wie das jetzt wieder CitizenGo in einer Unterschriftenaktion tut, die sich an die Republik Italien wendet, die zur Zeit den Vorsitz in der EU innehat.
Ich bitte alle unsere Freunde und Leser diese Petition zu unterzeichnen. Hier:
http://citizengo.org/de/10420-die-eu-soll-sich-fuer-religionsfreiheit-einsetzen

Michael Schneider-Flagmeyer

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