Erneut falsche Darstellung der Behandlung des Bittbriefes Edith Steins an den Papst – Antwort eines Historikers

Die Frage, ob Edith Stein auf ihren Bittbrief an Papst Pius XI. eine Antwort erhalten hat, wird weithin einseitig und unangemessen behandelt. Auch der Theater-Autor Horst Rankl hat in seinem Drama „Edith Stein“ die Behauptung vertreten, Edith Stein habe selbst keine Antwort erhalten. Nur der Geheimbote Erzabt Walzer habe eine Art Eingangsbestätigung aus dem Vatikan erhalten. Daraus lasse sich ableiten, dass der Vatikan am Schicksal der deutschen Juden wenig Interesse gezeigt habe und daher untätig geblieben sei. In den Monaten Juni und Juli 2014 wurde dieses Theaterstück in Bad Endorf in Oberbayern vor vielen Zuschauern – ohne Hintergrundwissen – erfolgreich aufgeführt. Gegen den falschen Eindruck, den dieses Theaterstück zu Lasten der Kirche hinterlassen hat, nimmt hier der Historiker Dr. Eduard Werner Stellung.

Sehr geehrter Herr Rankl,
Sie unterstellen in Ihrem Theaterstück Papst Pius XI. und seinem Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli Unwissenheit und Uninteressiertheit am Schicksal der Juden in Deutschland. Dabei unterstellen Sie auch, Edith Stein hätte auf ihren bekannten Bittbrief vom 9. April 1933 vom Papst keine Antwort erhalten. Lediglich Erzabt Walzer hätte eine Art Eingangsbestätigung erhalten. Das ist jedenfalls der Eindruck von Theaterbesuchern und vor allem von den Rezensenten in der Presse. Und Sie bekräftigen diese falschen Behauptungen noch zusätzlich in Ihrem Brief vom 01.08.2014 an Professor Gindert.
Wollen Sie damit den falschen Eindruck, den Rolf Hochhuth mit seinem fiktiven „Stellvertreter“ verbreitet hat, nun noch erweitern und festigen? Ihre beiden Vorwürfe gegen Papst Pius XI. und seinen Kardinalstaatssekretär Pacelli sind unbegründet. Denn Papst Pius XI. und sein damaliger Kardinalstaatssekretär waren über den Nationalsozialismus früher und besser informiert als die meisten europäischen Staaten und niemand hat mehr Juden gerettet als die katholische Kirche. Die erste öffentliche Verurteilung des Antisemitismus durch den Papst schon 1928 entsprach genau der Einstellung, die auch Kardinal Faulhaber 1933 in seinen Adventspredigten in München zum Ausdruck brachte.
I. Der Informationsstand und die Hilfstätigkeit des Vatikans.
Selbst die beiden gewiss gegen die Kirche voreingenommenen Autorinnen Käßmann und Silomon geben auf Seite 192 ihres Buches ( „Gott will Taten sehen“) zu, dass der spätere Kardinalstaatssekretär Pacelli den Nationalsozialismus bereits 1924 als „die vielleicht gefährlichste Häresie unserer Zeit“ bezeichnet hatte. Für ihn war ja nicht eine nebulöse „nordische Blutsgemeinschaft“ maßgebend, sondern die universale Botschaft Christi, die weder nationale noch regionale noch zeitliche Grenzen kennt. Darüber hinaus ließ Papst Pius XI. bereits am 25. März 1928 das Heilige Offizium den Rassismus als widergöttliche Lehre mit scharfen Worten verurteilen. Da der Papst „allen Neid und die Eifersucht zwischen den Völkern verurteilt, so verdammt er auch aufs schärfste den Hass gegen das einst von Gott auserwählte Volk, jenen Hass nämlich, den man heute allgemein mit dem Namen Antisemitismus zu bezeichnen pflegt.“. (K. Löw „Die Schuld“ S.26). Der Centralverband deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schrieb dazu dankbar in seiner Zeitung: „Die höchste Stelle der katholischen Kirche hat im Jahre 1928 den Antisemitismus als unchristlich gebrandmarkt.“ (W.Hannot „Die Judenfrage in der katholischen Tagespresse.“ Mainz 1990) Der Vatikan war also früher als andere über den Nationalsozialismus informiert und er hat früher als andere den Nationalsozialismus verurteilt. Er hat auch früher und nachhaltiger als andere ausreisenden Juden geholfen. Diese Einstellung hat der Vatikan bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 konsequent beibehalten.
Doch war es für die Kirche nach der Machtergreifung Hitlers 1933 geradezu unmöglich, die deutsche Öffentlichkeit durch einen Aufruf zu erreichen. Man darf nicht vergessen, dass damals Polizei, Presse und Rundfunk unter der Macht des Nationalsozialismus standen. Wie hätte die Kirche ihre Verurteilung des Antisemitismus vom 25.03.1928 nun in der deutschen Öffentlichkeit im Jahr 1933 wiederholen können? Schon die Erklärung der deutschen Bischöfe von 1932 – also noch vor der Machtergreifung Hitlers – wonach die Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Partei für Katholiken unzulässig sei, wurde nur in der kirchlichen Öffentlichkeit angemessen beachtet. Die Indizierung des ideologischen Hauptwerkes der Nationalsozialisten 1934, des „Mythus des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg, wurde in der deutschen Presse unterdrückt. Ebenso wurde das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ am 21. März 1937 in der deutschen Presse erwartungsgemäß vollends totgeschwiegen. Nur die Gestapo sammelte Beweismaterial, verhaftete Priester und enteignete die Druckereibesitzer, welche das Weltrundschreiben heimlich gedruckt hatten. Was hätte also der Papst mit einem Protest im Sommer 1933 erreichen können? Unter diesen Umständen musste der Papst daher auf einen ohnehin wirkungslosen Protest verzichten, den er in Deutschland gar nicht an die Öffentlichkeit hätte bringen können. Stattdessen versuchte er diskret im Rahmen seiner Möglichkeiten zu tun, was er tun konnte. Es ist unbestritten, dass er nach Kenntnisnahme des Bittbriefes von Edith Stein bei seinem Nuntius in Berlin anfragen ließ, was man tun könne, „um die Hetze gegen die Juden einzugrenzen.“ Der Papst reagierte also sofort und blieb keinesfalls untätig auf Edith Steins Bittbrief hin, wie immer wieder behauptet wird. Der Bittbrief hatte auch seine Folgen, weil er die späteren Aktionen des Vatikans mit vorbereitete. Dazu gehört u.a., dass das ideologische Hauptwerk der Nazis (Der Mythus des 20. Jahrhunderts) 1934 auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher gesetzt wurde. Dazu gehört auch, dass der Papst kirchliche Stellen in vielen Ländern anwies, den verfolgten Juden bei der Einreise in ihre Zielländer behilflich zu sein. Das musste diskret geschehen, um die Hilfen nicht zu gefährden. Dazu gehört auch das Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ vom 21.März 1937, in dem der Papst mit dem NS-Regime scharf abrechnete. Da dieses Weltrundschreiben nicht die erhoffte Wirkung brachte, schickte der Papst in den letzten Dezembertagen 1937 einen Geheimboten zu Kardinal Faulhaber nach München mit der Frage: „Können die deutschen Katholiken die sicher zu erwartenden Repressalien ertragen, wenn der Papst über seine Nuntien weltweit einen Aufklärungsfeldzug gegen den Nationalsozialismus startet?“ Faulhaber antwortete nach einer Bedenkzeit von drei Tagen: „Ja, wir Priester müssen diese Repressalien ertragen, aber unseren Familienvätern wage ich das nicht zuzumuten.“ Dass Papst Pius XII. in seinem Vorgehen gegen das NS-Regime bis zum Äußersten ging, zeigt vor allem die Tatsache, dass er schon bei Kriegsbeginn den Kontakt zwischen der deutschen Militäropposition und der britischen Regierung herstellte. Das war ein hochriskantes Unternehmen, mit dem der Papst sogar die Existenz des Vatikans aufs Spiel setzte.  (P.Ludlow in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte München 1974, Jahrg.22) und R. Basset „Hitlers Meisterspion – das Rätsel um Wilhelm Canaris. (Deutsche Ausgabe Wien 2008). Von der deutschen Presse unterdrückt blieb auch die berühmte Weihnachtsansprache des Papstes 1942, in welcher der Papst die „Verfolgung, Verelendung und Preisgabe an den Tod“ von bestimmten Völkern und Rassen verurteilte. Wenn deutsche Rundfunkhörer beim Abhören ausländischer Radiosender ertappt wurden, mussten sie mit dem Tod rechnen. Auch das musste Papst Pius XII. berücksichtigen. Angesichts der Gesamtsituation ist es völlig abwegig, wenn Sie, Herr Rankl, anklagend an Professor Gindert schreiben:
„In der 6. Szene, sie spielt im Juli 1933, erhärtet sich der Verdacht der Untätigkeit des Vatikans aus Angst vor repressiven Folgen durch das NS-Regime.“ Zu diesem Zeitpunkt war Edith Stein durch Erzabt Walzer schon informiert über die Antwort von Kardinalstaatssekretär Pacelli . (Archivio Segreto, AES, Germania, Pos. 643 P.O.,fasc. 1158,f118 und Katharina Oost „Briefe von Raphael Walzer, Edith Stein und Eugenio Pacelli vom April 1933 in „Erbe und Auftrag Beuron 79 (2003, 236 – 244). Natürlich kannte der Kardinalstaatssekretär das NS-Regime so genau, dass er wusste, wie gefährlich es wäre, in die Hände von Edith Stein einen Antwortbrief des Papstes zu legen. In so gefährlichen Zeiten erfolgen wichtige Mitteilungen diskret und mündlich, um der Geheimen Staatspolizei keine Spuren zu hinterlassen. Mit einer Verhaftung von Edith Stein musste man damals schon rechnen. Der Bittbrief von Edith Stein war ja über den Geheimboten Erzabt Walzer in den Vatikan gelangt. Was lag näher, als auch über diesen Boten Edith Stein eine Antwort zukommen zu lassen? Und diese Antwort dürfte nicht nur in der Mitteilung bestanden haben, dass der Bittbrief dem Papst vorgelegt worden ist. Es ist anzunehmen, dass Kardinalstaatssekretär Pacelli, der Edith Stein ja persönlich kannte, diesen Brief durch eine mündliche Mitteilung ergänzt hat. Und die Mitteilung, dass der Papst von diesem Brief Kenntnis genommen hat, ist weit mehr als eine Eingangsbestätigung. Der Vorwurf, der Vatikan sei in Sachen Judenverfolgung uninformiert, uninteressiert und untätig gewesen, trifft jedenfalls nicht zu. Das Gegenteil ist schon dadurch bewiesen, dass der Vatikan in der Folgezeit über 55 Protestnoten an die deutsche Regierung in Berlin gerichtet hat. Wenn Sie das Warten von Edith Stein auf Antwort so herausstellen, übertragen die Zuschauer möglicherweise unbewusst die heutigen Reisegeschwindigkeiten auf die damalige Zeit. Der Briefbote Erzabt Walzer musste aber auf dem Hin- und Rückweg mehrere Grenzen überschreiten. Dazu brauchte er jedes Mal ein Visum. Die zeitaufwendigen konsularischen Vorschriften bei Auslandsreisen sind heute nicht mehr vorstellbar. Überdies musste Erzabt Walzer sehr darauf bedacht sein, dass der Brief Edith Steins und auch der Antwortbrief bei Grenzkontrollen nicht entdeckt werden. Die Zeitverluste bei den damaligen Reisebedingungen und die Geheimhaltungsnotwendigkeiten sollten nicht dazu missbraucht werden, um eine medienwirksame Untätigkeit des Papstes zu konstruieren.
II. Die fragwürdigen Quellen für das Theaterstück.
Herr Rankl, Sie schreiben in Ihrem Brief an Professor Gindert, ihre Recherchen würden auf anerkannter Literatur namhafter Autoren beruhen. Dabei nennen Sie tatsächlich auch Margot Käßmann und Anke Silomon „Gott will Taten sehen.“ C.H. Beck-Verlag 2013. Es handelt sich hier jedoch um eine sehr einseitige Auswahl von ohnehin bruchstückhafter Sekundärliteratur zum Dritten Reich. Die Zitate in diesem „Lesebuch“ entstammen nicht wissenschaftlichen Quelleneditionen, sondern sind aus Sekundärliteratur unterschiedlicher Qualität und einseitiger Tendenz einfach abgeschrieben. Die Autorinnen behaupten u.a., die katholische Kirche hätte dem Nationalsozialismus keinen Widerstand entgegengesetzt. Zu dieser Falschaussage konnten die Autorinnen nur kommen, weil sie den tatsächlichen katholischen Widerstand weitgehend ausgeblendet haben. Sie haben unter vielen anderen Quellen auch folgende grundlegende Dokumentationen und Primärliteratur nicht benutzt: Das zweibändige Martyrologium „Zeugen für Christus“, herausgegeben von Professor Dr. Helmut Moll im Schöningh-Verlag, fünfte aktualisierte Auflage, Johannes Neuhäusler „Kreuz und Hackenkreuz“ München 1946. B.M. Kempner „Priester vor Hitlers Tribunalen“. (Bertelsmann 1966), das zweibändige Werk Ulrich von Hehl/Christoph Kösters „Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung.“ Schöningh-Verlag 1998 vierte Auflage, das grundlegende Werk von Eugen Weiler „Die Geistlichen in Dachau“ (Druckerei St. Gabriel Mödling), Gerhard Senninger „Glaubenszeugen oder Versager? Katholische Kirche und Nationalsozialismus.“ EOS Verlag 2009, vierte Auflage. Aus all diesen wissenschaftlichen Werken geht eindeutig hervor, dass das Nazi-Regime in Deutschland und in den besetzten Ländern 4000 katholische Priester ermordet hat und gegen 12.500 weitere katholische Priester in Deutschland polizeilich ermittelt hat. Hätte das der NS-Staat getan, wenn er die Kirche nicht als eine für ihn gefährliche Gegnerin eingestuft hätte? Sogar das evangelische Martyrologium „Ihr Ende schaut an“ (Leipzig 2006, erweitert 2008) haben die beiden Autorinnen ebenfalls nicht benutzt. Ebenso schwer wiegt, dass die Akten der Geheimen Staatspolizei und des „SD“ (des polizeilichen Sicherheitsdienstes) nicht benutzt wurden. Dort wurde die katholische Kirche aber sehr wohl als Gegnerin des NS- Staates wahrgenommen. Das belegt u.a. auch das Partei-Organ der Nationalsozialisten, „Der Völkische Beobachter“. Diese Parteizeitung schrieb beispielsweise am 1.8.1938 anklagend: „Der Vatikan hat die Rassenlehre von Anfang an abgelehnt …. ,weil sie vom deutschen Nationalsozialismus zum ersten Mal öffentlich verkündet wurde. ….denn zum Nationalsozialismus stand der Vatikan in politischer Kampfstellung. Der Vatikan musste die Rassenlehre aber auch ablehnen, weil sie seinem Dogma von der Gleichheit aller Menschen widerspricht, das wiederum eine Folge des katholischen Universalanspruchs ist und das er mit Liberalen, Juden und Kommunisten gemeinsam teilt.“ Dokumente dieser Art wollen Käßmann, Silomon und Horst Rankl nicht kennen. Doch sie haben Pech, weil diese Dokumente in mehreren Archiven gesammelt sind und daher nicht aus dem Gedächtnis seriöser Historiker auszulöschen sind. Das Ausblenden des wichtigsten Aktenmaterials wirft Fragen auf. Frau Margot Käßmann ist keine Historikerin sondern  Theologin und Kirchenpolitikerin. In ihrem Fall ist klar, dass sie die Quellen nicht kennt. Anders ist es im Fall von Anke Silomon. Sie müsste zumindest wissen, dass es diese Quellen gibt. Aber die beiden Autorinnen lassen nicht nur die wichtigsten Quellen beiseite, sie behaupten auch Falsches. Auf Seite 192 schreiben sie tatsächlich über Papst Pius XII. „Doch verband ihn sein katholischer Antijudaismus mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus.“ Für diese ungeheuerliche Behauptung liefern die beiden Autorinnen keinen einzigen Beleg. Wenn Sie, Herr Rankl, so offensichtliche Verleumdungen als anerkannte Literatur bezeichnen, so entlarven Sie sich selbst. Denn niemand hat früher und deutlicher vor dem nationalsozialistischen Antisemitismus gewarnt als die beiden Päpste Pius XI. und Pius XII. Und nach dem Zeugnis der Rabbiner Pinchas Lapide und Eugenio Zolli hat niemand so viele Juden vor dem Holocaust gerettet wie Papst Pius XII. Die israelische Außenministerin Golda Meir ist diesem Zeugnis beigetreten. Das sind unverdächtige Zeugen. Mit der Übernahme so einseitiger Behauptungen aus der Sekundärliteratur sind Sie wohl auf die falsche Fährte geraten, Herr Rankl!
Weiter berufen Sie sich auf Christian Feldmanns rororo-Bändchen, wenn Sie in der 9. Szene behaupten, Zitat: „holländische Bischöfe beider Konfessionen“ hätten im Juli 1942 gegen die Deportationen von Juden protestiert. Horst Rankl meint wohl „niederländische“ Bischöfe statt nur „holländische“ Bischöfe. Es ist jedoch bekannt, dass die reformierten Kirchenführer im letzten Moment aus Angst vor Repressionen vor dem öffentlichen Protest zurückschreckten. In der Folge wurden nur die katholischen Juden zur Vernichtung nach Auschwitz deportiert. Anne Frank äußert sich in ihrem berühmten Tagebuch nur dankbar gegenüber den katholischen Bischöfen. Und sie ahnte: „Uns wird dieser Protest nicht helfen.“

III. Methodische Fehler des Käßmann-Buches

Aber nicht nur inhaltliche Einseitigkeiten bietet Ihr Gewährsbuch, Herr Rankl. Auch die offensichtliche Unkenntnis der einschlägigen Dokumentationen und der Literatur ist ein unverzeihlicher Fehler.
Ein weiterer methodischer Fehler dieses Buches liegt schon darin, dass die Autorinnen der katholischen Kirche ihren Widerstand gegen das NS-Regime zwar absprechen, aber nicht erklären, was sie unter dem Begriff Widerstand verstehen. Militärischer Widerstand, geistiger Widerstand, diplomatischer Widerstand, offener oder heimlicher Widerstand? Einen militärischen Widerstand des Vatikans hat auch Edith Stein im Jahre 1933 nicht erwartet.
Der Vatikan ist mit seinen Schweizer Gardisten bekanntlich keine militärische Großmacht.
Käßmann/Silomon vermeiden es auch, die Wahlergebnisse in den Jahren 1930 und 1932 mit den Wahlergebnissen am 5. März 1933 zu vergleichen. Warum haben die Nationalsozialisten bis zu den letzten halbwegs freien Wahlen 1933 in den katholischen Gebieten kaum Kandidaten durchgebracht? Bis dahin funktionierte eben die Verbindung zwischen dem Vatikan und den deutschen Katholiken. Später wurde sie behindert.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Lichtgestalt Edith Stein keinen finsteren Gegenpart braucht, um auf der Bühne glänzend dargestellt zu werden. Oder sollte nur der Vatikan negativ dargestellt werden, um den Papst bei der Verteidigung der Glaubenssubstanz zu schwächen?

Hochachtungvoll
Dr. Eduard Werner

Anmerkung der Redaktion:
Der Autor (Dr. Eduard Werner) studierte in München Geschichte, Germanistik und Geographie. Er war zunächst zwei Jahre im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte in München beschäftigt. Anschließend war er bis zu seiner Pensionierung Dozent am Goethe-Institut. Seit 16 Jahren publiziert er regelmäßig in der katholischen Monatsschrift „Der Fels“ Biogramme von Märtyrern aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus, die auch auf diesem Blog nachzulesen sind.

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