Alfred Kranzfelder – Gottes Angesicht leuchtet über den Märtyrern

Vielfältig wie der kirchliche Widerstand gegen das NS-System war auch der militärische Widerstand. Etwa 20 Soldaten lehnten den Militärdienst unter Hitler oder einen verbrecherischen Befehl ab und ließen sich stattdessen hinrichten. Andere dagegen planten schon 1938 einen Staatsstreich. Dieser Staatsstreich verlor 1938 mit dem für Hitler so erfolgreichen Münchner Abkommen seine Grundlage. Die aktivste Form des militärischen Widerstandes war später zweifellos das Attentat Graf Stauffenbergs am 20. Juli 1944. In dieses Attentat war auch der Korvettenkapitän Alfred Kranzfelder aus Kempten im Allgäu verwickelt. Dieser Widerstandskämpfer wurde am 10.02.1908 als Sohn eines Richters geboren. Schon mit 11 Jahren trat er als Gymnasialschüler in die Marianische Kongregation ein und blieb dann, so lange er lebte, ein frommer Katholik. Nach einer sehr guten Abiturprüfung trat er 1927 als Offiziersanwärter in die Reichsmarine ein. Er verließ die Ausbildung als Lehrgangsbester und stieg rasch zum Korvettenkapitän auf. Bei der Marine freundete er sich mit dem Marine-Stabsrichter Graf Berthold Schenk von Stauffenberg an, dem Bruder des späteren Attentäters.
Da Kranzfelder moralische Maßstäbe hatte, ließ er sich von den ersten Erfolgen Hitlers nicht blenden. Er lehnte Hitlers Politik grundsätzlich ab, sann auf Veränderung, um Schaden von den Völkern Europas abzuwenden. So geriet er langsam in den inneren Widerstandskreis um Graf Claus von Stauffenberg hinein. Sein Sinnen und Trachten galt ganz dem Gelingen des Attentats, durch das Hitler beseitigt werden sollte. Ihm war die Aufgabe zugedacht, die Reaktion von Admiral Dönitz zu beobachten und entsprechend zu handeln. Seine Mitarbeit im Widerstand nahm ihn so gefangen, dass er sich auch durch seine Verlobung nicht von der gefährlichen Tätigkeit abbringen ließ. Seine künftige Frau sagte, wenn das Attentat fehlschlagen würde, dann würde sie sich auch umbringen, um mit den „Geopferten“ gemeinsam zu sterben. Das wollte ihr Kranzfelder aber ausreden. Er antwortete ihr, auch in diesem Fall müsse sie leben und einen anderen Mann heiraten und Kinder haben, damit sie ihnen „die guten Eigenschaften unseres Volkes in die Seele legen könne.“ Kranzfelder war also bereit, sein Leben und sein privates Glück zu riskieren, um seine Pflicht zu erfüllen. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte, und Korvettenkapitän Alfred Kranzfelder wurde mit vielen anderen Beteiligten verhaftet. Die Geheimpolizei hatte ein zunächst harmlos erschienenes Telefongespräch mitgeschrieben und nun nach dem Attentat richtig gedeutet. Das führte auf die Spur Kranzfelders. Während Claus Graf von Stauffenberg noch am gleichen Tag erschossen wurde, mussten Kranzfelder und seine Freunde aus dem Umkreis der Marine noch ein Verfahren des berüchtigten Richters Roland Freisler über sich ergehen lassen. Sie wurden zusammen am 10.08.1944 zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag gehängt. Den Todeskandidaten war strengstens verboten, vor der Hinrichtung noch mit einem Priester zu sprechen und die Kommunion zu empfangen. Aber der Gefängnisseelsorger Peter Buchholz stellte sich im Gang zur Hinrichtungsstätte so auf, dass die gefesselten Todeskandidaten ihn sehen konnten. Beim Vorübergehen erteilte er jedem die Absolution. Bei einem Gedenkgottesdienst nach dem Krieg zitierte der Priester die Offenbarung des Johannes: „Diese Märtyrer werden Gottes Angesicht schauen.“ Der Marinehafen von Eckenförde trägt heute den Namen des Korvettenkapitäns Kranzfelder, der sein Leben und sein privates Glück für sein Volk riskiert und hingegeben hat.

Eduard Werner

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3 Antworten auf Alfred Kranzfelder – Gottes Angesicht leuchtet über den Märtyrern

  1. Eduard Werner sagt:

    Auf Hitler wurden bekanntlich 42 Attentate verübt – alle gescheitert. Warum wohl ? Als man ihm am 8. November 1939 im Zug berichtete, dass hinter seinem Rednerpult eine Bombe explodierte, äußerte er kein Mitleid mit den Toten und Schwerverletzten, sondern jubelte: „Jetzt weiß ich, dass mich die Vorsehung schützt“. Und etwa ihm könne nichts passieren. Eine Art Vorsehung hat ihn wohl beschützt, aber es war die Hilfe Satans. Schließlich hat er sich selbst gerichtet.

  2. Henning Heers sagt:

    „Die aktivste Form des militärischen Widerstandes war später zweifellos das Attentat Graf Stauffenbergs am 20. Juli“
    Graf Stauffenberg entnahm der Tasche eine Bombe, stellte sie zu weit weg von Hitler, entfernte sich sofort aus dem Bunker und vergaß dabei seine Offiziersmütze !
    Ein Dilletant, sehr feige.

    • Dr. Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Selbst wenn das so abgelaufen wäre, wie Sie das hier beschreiben: wie kommen Sie dazu, das feige zu nennen? Hätten Sie den Mut gehabt, sich mit in die Luft sprengen zu lassen? Überlegen Sie bitte gut. Heute aus der sicheren Etappe darüber so zu urteilen, empfinde ich als wohlfeil. Stauffenberg hatte Frau und Kinder und war sich der Folgen wohl bewußt.

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