Festpredigt im „Ludwigsjahr“ zum 800. Geburtstsag des heiligen Ludwig IX. von Frankreich

Der heilige Ludwig von Frankreich wurde am 25. April 1214 in Poissy geboren und starb am 25. August 1270 in Karthago. Sein Todestag ist auch sein Gedenktag.

Liebe Festgemeinde, liebe Schwestern und Brüder!
Die Krone auf dem Kopf und die Dornenkrone in der Hand – so kennen wir die Darstellungen unseres Pfarrpatrons, des heiligen Königs Ludwig IX. Und mit dieser Darstellung kommt zugleich die ganze Spannbreite des Lebens dieses Heiligen zum Ausdruck. Mit 11 Jahren war er König von Frankreich. Erzogen wurde er von seiner Mutter Blanka wohlvertraut mit allem Pomp und Luxus, den die mittelalterliche Zeit zu bieten hatte. Und wohlbeschützt, abgehoben vom gemeinen Volk, hätte er sein Leben als mittelalterlicher Herrscher bestens gestalten und genießen können. Er hätte also seine Krone auf dem Haupt voll zur Geltung bringen können. Doch er lebte eine andere Geisteshaltung, welche in der Dornenkrone zum Ausdruck kommt. Tief religös von seiner Mutter Blanka geprägt lebte er mit seiner Familie einfach und bescheiden. Dem Grundgesetz des Evangeliums getreu war er ein Freund der Armen und verinnerlichte das Wort des Evangeliums: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“
So ging St.Ludwig die Gratwanderung nach, die Jesus Christus selbst gegangen war. Auch Er wurde immer wieder zum König ausgerufen – zuletzt am Palmsonntag und wählte doch den Weg der Freundschaft und der Brüderlichkeit zu den Armen und Notleidenden – einen Weg, der Ihm schließlich die Dornenkrone einbrachte. Dennoch bekannte Jesus Christus sich selbst und sein Königtum eindeutig. Kurz vor der Dornenkrönung offenbarte er seinem Richter Pilatus: „Du sagst es. Ich bin ein König, dazu bin ich gesandt und in die Welt gekommen.“
In den Fußspuren des Jesus von Nazareth, dessen irdisches Leben von Krippe und Kreuz umspannt war, der ein Königtum lebte, das nicht von dieser Welt sondern vom Königsmantel der Liebe umhüllt war, ging auch Ludwig diesen Weg. So stellt es unser Hochaltar mit seinen Bildern dar: an die Hungrigen Brot austeilend, Obdachlose und Arme aufnehmend, Nackte bekleidend, die Darbenden satt machend. Aus dieser Verantwortung vor Gott und dem Nächsten trat er als König ein für Ordnung und Gerechtigkeit in der Verwaltung seines Landes, für den Bau von Krankenhäusern und Hospizen und für die Rechte der Kirche in seinem Land.
Wonach, liebe Schwestern und Brüder, würden wir greifen, wenn wir die beiden Kronen zur Auswahl hätten: nach der harten Dornenkrone oder nach der funkelnden Königskrone? Ich denke, wir kämen wohl alle in Verlegenheit. Und vielleicht spielt sich christliches Leben ja – ähnlich wie bei St.Ludwig – unter beiden Kronen ab. Der Christ darf sich seiner „Königskrone“ freuen, die ihm in der Taufe aufgesetzt wurde, so wie es dem Täufling bei der Chrisamsalbung der Tauffeier zugesagt wird: „Du bist gesalbt zum Priester, König und Propheten.“
Aus dieser Würde soll der Christ sein Leben gestalten, sich des Lebens und der Güter seines Lebens erfreuen, wenn er sie recht gebraucht, sowie der Schönheit der Schöpfung und der Freude, die uns das Leben und die Mitmenschen schenken. Zugleich darf er den Blick auf die Vielen, die die Dornenkrone drückt, nicht vergessen.
Und hier sind auch die Könige, die Regierenden unserer Zeit angefragt, den heiligen Ludwig nachzuahmen und nicht nur ihre Goldkrone immer mehr aufzupolieren. Wer sich aber als Christ in der Nachfolge des Herrn versteht, der weiss sich auch dann geborgen und aufgehoben, wenn er selbst die Stacheln der Dornenkrone spürt. Denn er weiss, dass der, der unser aller König ist, ihn nicht fallen lässt im Dornenleid, sondern sich als liebender Hirt und König erweist, der mich trägt, ja der sein Zepter fallen lässt, damit er mich tragen und aufrichten kann.
Ja, der König und Hirte, mit Dornenkrone und Hirtenstab ausgestattet, erfüllt an uns die prophetische Verheissung: „In deinem Dunkel geht ein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“ Amen!

Pfarrer Ralf Hiebert, St. Ludwig in Saarlouis am 30. und 31.8.2014

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