Es geht um eine andere Gesellschaft

Am 9. November 2012 hat der Deutsche Bundestag das „Betreuungsgeld“ mit 310 zu 282 Stimmen beschlossen. „Die Opposition kritisierte – lt. Augsburger Allgemeine Zeitung vom 10./11.11 2012 – in der emotional geführten Debatte scharf die Leistung für Eltern, die ihre Kleinkinder zuhause betreuen wollen“.
Richtig an diesem Satz ist, dass die Debatte „emotional“ geführt wurde. Genauer gesagt, war es eine ideologisch aufgeladene Auseinandersetzung. Die eigentliche Frage, was für das Kind im Alter bis zu drei Jahren das Beste ist, nämlich die Erziehung durch die Mutter oder fremdbestimmt in Kitas, wurde schon in den vorausgehenden Diskussionen unterdrückt. Es ging auch nicht um Wahlfreiheit für die Eltern. Denn das würde heißen, selbstbestimmt entscheiden, ob sie die Kinder selber in den ersten drei Jahren erziehen oder sie in Kitas geben wollen. Wer von dieser Freiheit Gebrauch machen möchte, wurde diffamiert. Das Wort „Betreuungsgeld“ stellt schon eine Diskriminierung dar, weil „erziehen“ eben mehr ist als „betreuen“. Das „Betreuungsgeld“ wurde in der Bundestagsdebatte als „schwachsinnig und gesellschaftlich rückwärts gewandt“ bezeichnet (Peer Steinbrück). „Es werde von der großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Das Gesetz führe zurück in die Biedermeier-Idylle mit dem Bild vom Vater am Arbeitsplatz und der Mutter daheim am Herd.“ Das Betreuungsgeld sei eine „Fernhalteprämie für Frauen im Hinblick auf das Arbeitsleben“. Die Gegner des „Betreuungsgeldes“ hüten sich davor, die betroffenen Eltern zu befragen, was sie wollen. Es geht ihnen auch nicht um die Kosten: Der Kita-Platz kostet den Steuerzahler 1.000,- bis 1.200,- Euro pro Monat, das „Betreuungsgeld“ zunächst 100,- später 150,- Euro.
Welche Heuchelei hinter der SPD-Kritik steht, wurde in der Debatte klar, als ihr vorgehalten wurde, „dass die SPD das Gesetz 2008 in der großen Koalition zusammen mit der Union selbst auf den Weg gebracht habe“.
Die Auseinandersetzung im Parlament brachte erwartungsgemäß keine neuen Argumente. Worum es geht – und das ist festzuhalten – ist die Vorstellung von einer Gesellschaft und einer Familie, in der nicht die Eltern über das Wohl und Weh ihrer Kinder bestimmen, sondern der Staat und die mächtigen, dahinter stehenden Kräfte aus Wirtschaft, Gewerkschaft und Medien. Die Politiker sind nur ihre Handlanger. Aussagen wie in der Augsburger Allgemeinen Zeitung, „dass das Betreuungsgeld nicht in unsere Zeit passt“ unterstreichen das.
Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *