Hochmut und Verwirrung – die Plattform „WIR sind Kirche“

Die Plattform „Wir sind Kirche“ in Österreich hat am Samstag den 27.9.2014 in einer Versammlung von 60 ordentlichen Mitgliedern in Salzburg mit 78 % der Stimmen ihre exkommunizierte Vorsitzende Martha Heizer im Amt bestätigt, wie der ORF meldet, nachdem drei Jahre lang heftige innerverbandliche Diskussionen stattgefunden haben. Frau Heizer und ihr Ehemann hatten nämlich mit anderen in einer Gruppe eine „Messe“ gehalten und gemeinschaftlich ohne Priester die Wandlungsworte gesprochen. Danach hatte ihr nach gründlicher Prüfung der zuständige Bischof von Innsbruck, Prof. Manfred Scheuer, ein Dekret zustellen lassen, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich selbst ausserhalb der Kirche gestellt habe und sie damit exkommuniziert sei.
Das hat diese im Grunde kleine Gruppe aber nicht daran gehindert, Frau Heizer als Vorsitzende der österreichische Gruppierung wiederzuwählen. Und damit steht nun wirklich fest, dass diese Gruppierung, deren Namen auch bei uns so gelesen werden muss, „WIR sind die Kirche“, wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, nicht zur katholischen Kirche gehört.
Die Gruppe „WIR sind Kirche“, die in Österreich begonnen hat, wäre längst im linken Strassengraben versunken und weggespült, wenn nicht die Feinde der Kirche und ihrer Botschaft in und ausserhalb der Kirche, vor allem in den Medien – und hier den öffentlich-rechtlichen – sie immer wieder ins Gespräch gebracht hätten und sie unentwegt vor die Kamera zerren, wenn es darum geht, der Kirche eins auszuwischen. Das ist in Deutschland und Österreich fast täglich der Fall.
Woran liegt es eigentlich, dass diese Leute, die sich katholische Christen nennen,  Erfolg haben können?
Uns sind in der westlichen Welt drei biblische fundamentale Begriffe verloren gegangen: das Opfer, das Leid und sein Sinn und der Gehorsam.
Wir Christen folgen einem Herrn, von dem die heilige Schrift sagt; dass er „durch Leiden den Gehorsam GELERNT hat“ (Hebräerbrief) und dass er „gehorsam war bis zum Tod am Kreuz“ (Paulus an die Philipper).
Nun gab und gibt es Menschen, die immer schon meinten, dass das für sie und ihr Leben keine Bedeutung hat. Sie suchen das Eigene und „stehlen damit Christus die Ehre, um sie für sich selbst zu nehmen“ wie Papst Franziskus gesagt hat. Einige von ihnen fordern (auch in Salzburg) „Mut zum Ungehorsam“ wie vor Jahren die kfd bei ihrer Jahrestagung in Maria Laach. Dabei gehört heute wirklicher Mut dazu, sich zur Lehre der Kirche zu bekennen.
Was besonders schlimm ist an dieser Gruppierung und ihren Unterstützern in Theologie und Kirchenapparat, ist der Hochmut, mit dem sie die eigenen selbstsüchtigen Auffassungen absolut setzen nach dem Motto: Wir sind der Maßstab; WIR sind die Kirche.
So groß ihr Hochmut ist, so verworren sind ihre Ansichten. Sie erwarten, dass Bischöfe ihren „Messfeiern“ ohne Priester die Zustimmung geben und eine Beauftragung erteilen, wie das in Salzburg zum Ausdruck kam. Und dann verabschiedeten sie zum Schluß eine Resolution, in der sie die österreichischen Bischöfe auffordern, „sich in der Bischofskonferenz klar hinter die Reformbestrebungen von Papst Franziskus zu stellen. Es muß endlich öffentlich klargestellt werden, dass die göttliche Barmherzigkeit, welche uns in der Heiligen Schrift zugesagt ist, absoluten Vorrang vor dem von Menschenhand geschaffenen Kirchenrecht hat.“
Verworrener geht es nicht mehr! Sie haben Papst Franziskus noch nie richtig zugehört, obwohl das gerade auf einer österreischichen Internetseite (kath.net) jeden Tag nachzulesen ist und zum anderen haben sie ganz offensichtlich noch nie die Bibel im Zusammenhang gelesen und haben keine Ahnung von Gottes Barmherzigkeit, sondern meinen, diese würde alle Auswüchse des menschlichen Hochmuts und die selbstsüchtigen Verücktheiten hinnehmen und glattbügeln. Auch wissen diese Leute nicht mehr – wie viele Theologen – , dass Christus sich mit seiner Kirche für alle Zeiten identifiziert hat und Papst Franziskus, auf den sie sich berufen glauben zu dürfen, gerade in den letzten Tagen intensiv betont hat, dass es ohne die Kirche keinen Glauben gibt.
Wenn, was nach allen Erfahrungen mit ihr, zu erwarten ist, die deutsche Sektion dieser Gruppierung dem zustimmt, dann darf man wohl mit Recht sehr laut und deutlich sagen: „WIR sind Kirche“ sind auf keinen Fall Kirche, sondern „aus unserer Mitte hervorgegangen, ohne zu uns zu gehören“ (nach dem 1. Johannesbrief).

Michael Schneider-Flagmeyer

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11 Antworten auf Hochmut und Verwirrung – die Plattform „WIR sind Kirche“

  1. KGG sagt:

    Bei den regelmäßigen „kritischen“ (antikatholischen) Beiträgen über unsere Kirche in den GEZ-finanzierten Medien werden immer Vertreter der marginalen Glaubensgemeinschaft „Wir sind Kirche“ als angebliche Repräsentanten der breiten katholischen Basis als Kronzeugen vorgeführt. Wann interveniert hier das ZDK endlich und reklamiert bei den öffentlich-rechtlichen Medien die Sprecherrolle ?

  2. Mathias Wagener sagt:

    Ich dachte immer, da stünden doch mehr hinter diesen Leuten, die offenbar nur durch die Medien kirchenpolitisch existent sind. Man sollte sich nicht zu leicht, von diesen Leuten beeindrucken lassen. Die Dialogisierei ist auch nicht angebracht, wo es nichts zu verhandeln gibt.

  3. KH sagt:

    Bei diesem Verein ducken sich die Bischöfe weg, Wenn es aber um die Piusbrüder geht
    äußern sich die Bischöfe ganz direkt und nicht zu leise.
    Warum??

  4. Rudi sagt:

    Vermutlich wäre eine „Reaktion seitens der Bischöfe“ nur noch ein größerer Ansporn für Provokationen.

    • dominik sagt:

      Überlegen Sie mal, was das in der Konsequenz heißen würde: Man müsste bei allem sich wegducken, damit man ja nicht auffällt oder bei gewissen Käften Ärger erregt. Aber der Auftrag des Christentums und der Kirche lautet: Sein Licht eben nicht „unter den Scheffel zu stellen, sondern auf einen Leuchter, damit es allen leuchtet.“
      Leisetreterei hat noch nie etwas genutzt, sondern wurde immer als Schwäche gedeutet, die man ausnutzen muss. Aber eine Reaktion muss auch angemessen sein.

    • Rudi sagt:

      „Mein Kommentar war gedacht als eine mögliche Antwort auf die Frage von Frau Gertraud Neldner, leider wurde er nicht an der passenden Stelle angezeigt.“

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  5. G. Küppers sagt:

    Unabhängig davon, wie weit innerhalb oder außerhalb der kath. Kirche man diesen Verein ansiedeln möchte, bleibt allerdings festzuhalten: Eine exkommunizierte Person gehört durchaus zur katholischen Kirche.

    Der bekannte amerikanische Kanonist Ed Peters schreibt dazu unter Frage 4 seines Leitfadens zur Exkommunikation (Edward Peters: Excommunication and the Catholic Church. Straight Answers to Tough Questions. Chicago 2006, S. 4) Folgendes:

    „Excommunication does not mean that one is no longer a Christian (because Christian baptism imprints an indelible character on the soul) or no longer a Catholic (for although there are ways to renounce one’s Catholic identity, excommunication is not one of them). It does mean, though, that one is deprived of the benefits of full communication with the Catholic Church.“

    Übers.: Exkommunikation bedeutet nicht, dass man kein Christ mehr wäre (denn die christliche Taufe prägt der Seele einen unauslöschliches Charakter ein) oder dass man kein Katholik wäre (zwar gibt es Wege, seine katholische Identität abzulegen, aber Exkommunikation gehört nicht dazu). Sie bedeutet allerdings, dass einem die Früchte der vollen Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche entzogen sind.

  6. Gertraud Neldner sagt:

    Es ständig wiederholen zu müssen wird schon langweilig und dennoch, es muss sein:

    Wo bleibt die klare und unmissverständliche, nicht zu überhörende und nicht interpretierbare Reaktion seitens der Bischöfe auf die „Wir sind Kirche“-Splittergruppe?
    Ich hoffe aber, die Kirche in Österreich meldet sich noch in den kommenden Tagen.
    Wenn nicht – was soll man dann davon halten?

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