Roma locuta – Wider die Mutlosigkeit

Die Bischofssynode in Rom ist zu Ende gegangen mit einer beachtenswerten Botschaft an die Familien der Welt. Siehe den Wortlaut in der Übersetzung der KNA:
http://www.kath.net/news/47982
Insgesamt empfinde ich den Tex als wohltuend und hoffnungsvoll. Aber an einigen Stellen bleibt man doch hängen. So heißt es, dass es in den Häusern der Familien Licht und Schatten und manchmal auch dramatische Prüfungen gibt. „Die Finsternis wird noch stärker bis hin zur Dunkelheit, wenn das Böse und die Sünde in das Herz der Familie eindringt.“
Wie wahr! Das ist sicher überall auf der Welt so; denn jeder Mensch wird in Versuchung geführt zur Sünde und zum Bösen. Aber dann kommt ein kurze Passage, die mir wesentlich vor allem für die Teilkirchen in Europa und auf der Nordhälfte der Erdkugel zu sein scheint, obwohl der erste Satz für alle gilt.
„Es gibt vor allem die große Herausforderung der ehelichen Treue. Das Leben der Familie ist gekennzeichnet durch eine Schwächung des Glaubens und der Werte, den Individualismus, eine Verarmung der Beziehungen und einen hektischen Stress, der nicht zum Nachdenken kommen lässt. So kommt es zu nicht wenigen Ehekrisen, die oft überhastet und ohne den Mut zur Geduld, zur Prüfung, zum gegenseitigen Verzeihen, zur Versöhnung und auch zum Opfer angegangen werden.“
Es drängt sich die Frage auf, ob hier nicht die Probleme der sogenannten „Ersten und Zweiten Welt“, also Europas und Amerikas zum Ausdruck kommen. Schaut man in die katholischen Web-Seiten auf die Kommentare, so ist die Genugtuung über das Abschmettern der Einflüsse mancher europäischen Bischöfe und Kardinäle fast geringer als die Freude und der Dank darüber. „Wenn- aber-aber – möglicherweise- wahrscheinlich – und hier wird nicht exakt meinen Vorstellungen entsprochen“ etc ist oft zu lesen. Und manche wissen genau, wie der Weg der Kirche weiterzugehen hat. Aber es gibt – Gott sei Dank – auch viele positive und hoffnungsvoll mit Vertrauen in die Zukunft gerichtete Kommentare. Es haben eben doch noch zahllose Katholiken den Heiligen Geist auf der Rechnung, der die Kirche nun seit 2000 Jahren durch alle Stürme geleitet hat und ihr ein wunderbares Wachstum beschert hat. Nach dem amerikanischen Vatikanisten John L. Allen, der die Zahlen und damit verbundenen Fakten akribisch gesammelt und untersucht hat, hat sich die Zahl der Kirchenmitglieder seit dem II. Vaticanum fast verdreifacht.
Und hier ist der Punkt, auf den es mir jetzt vor allem ankommt: Beim endgültige Ergebnis in der großen Fortsetzung dieser Synode im nächsten Jahr, kommt es vor allem dauf an, wie sie besetzt ist. Die an Substanz und Mitglieder schwindenden Kirchen der Nordhälfte der Erdkugel sollten und werden auch auf Dauer nicht mehr den Ton angeben. Den werden die Bischöfe aus den unglaublich wachsenden lebendigen Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien angeben, die nicht in satter kirchenbeamtlicher Selbstgefälligkeit, manchmal leider auch auf hohem Ross daherkommend die „jungen“ Kirchen belehren, wie das bis heute mitunter geschehen ist. Bei uns in Deutschland ist sogar die Theologie an den Universitäten verbeamtet. Bei uns ist die aktive Teilnahme am Leben der Kirche auf ca. 10 Prozent geschwunden, während in den genannten Kirchen die Zahl eher gegen 100 geht. Das muss und wird auch für die kommenden Bischofssynoden Folgen haben. John L. Allen, der nicht zu den ach so „konservativen“ Vatikanisten gehört, hat in seinem aufregenden Buch „The Future Church“ dt. „Das neue Gesicht der Kirche. Die Zukunft des Katholizismus“, Gütersloh 2010, den hierzulande so viel besprochenen „liberalen“ Ansichten ein herbe Niederlage durch die im Süden wachsenden jungen Kirchen vorausgesagt unter der Voraussetzung, dass diese nicht von einem überbordenden Wohlstandsleben heimgesucht werden, wie das bei uns der Fall ist. Das ist ja wohl eher auch unwahrscheinlich.
Im Klartext: Die geradezu explodierende koreanische Kirche müsste auf den Bischofssyoden mindestens drei mal so viele Delegierte haben, wie die Deutsche Bischofskonferenz. Ähnliches gilt für die afrikanischen Länder und die in anderen Teilen der Welt. Das wird sicher auch so kommen; denn es kann nicht sein, dass dahintrocknende „blockierte Riesen“ (M. Lütz) das Geschehen auf den Synoden bestimmend beeinflussen können.
Dass die Dinge in Rom jetzt so gelaufen sind, ist sicher entscheidend dem Einfluss des ersten in der Neuzeit nicht aus Europa kommenden Papstes Franzikus zu verdanken, mit dem sich manche auch treue Katholiken immer noch nicht anfreunden können, weil ein aus den Elendsvierteln Südamerikas kommender Papst natürlich eine andere Sicht auf die Probleme der Kirche und der Welt hat als ein europäischer Papst. Dass dieser Papst aber nun katholisch bis auf die Knochen ist, sollte jeder, der seine täglichen Reden verfolgt nun doch wissen. Woher also diese Angst, dieses Misstrauen und die Mutlosigkeit vieler Katholiken? Wir können in diese Menschen nicht hineinschauen und nehmen ihre Bedenken ernst.
Aber über allem steht das Wort Gottes: „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben.“ Schauen wir in die Kirchengeschichte. Ist es nicht ein Wunder, dass die Kirche in all dem persönlichen Versagen und den Sünden, die in ihr auch von höchsten Amtsträger begangen wurden, weiter lebt und wächst? Muss uns das nicht hoffnungsfroh und mit dankbarem Vertrauen auf Christus erfüllen, der uns den Tröster, den Heiligen Geist gesandt hat und uns zugesichert hat, dass alle, die den Vater um den Heiligen Geist bitten, auch dessen Entsendung erfahren dürfen. „Die Kirche lebt und ist jung“, hat Papst Benedikt XVI. der Jugend der Welt zugerufen. Lasst uns auch gerade in diesem schwierigen Europa mit seiner großen Glaubenskrise voll Hoffnung und Vertrauen auf den Herrn schauen und unablässig den Heiligen Geist bitten. Er wird kommen, ja er ist schon da, wie Jesus uns verheißen hat. Er hat uns in den letzten 150 Jahren heilige und heiligmässige Päpste an Petri statt gesandt. Warum sollte Er nun damit aufhören? Schließlich ist der Kirche vom Herrn selbst zugesichert worden, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden. Seien wir also wachsam, treu, mit betendem Herzen und voll Hoffnung und Vertrauen auf den Heiligen Geist, den Lenker der Kirche. Schauen wir auf Maria, die himmlische Braut des Heiligen Geistes. Ihrer gedenken wir mit unseren Bitten und Preisungen gerade in diesem Monat Oktober. „Maria, Mutter der Kirche, Mutter vom guten Rat, Trösterin der Betrübten, bitte für sie. Wir vertrauen auf Deine Hilfe.“

Michael Schneider-Flagmeyer

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8 Antworten auf Roma locuta – Wider die Mutlosigkeit

  1. Marc sagt:

    Abschmettern oder Freude?
    Bei der Abstimmung der Synodenvaeter waren 104 dafuer, dass wiederverheiratete Geschiedene an der Hl. Kommunion teilnehmen sollen und nur 74 dagegen. Wie ist solch ein Ergebnis zu erklären? Von Freude darueber kann keine Rede sein. Freude waere gewesen wenn Null dafuer und Alle dagegen gewesen wären damit die wahre Lehre vertreten wird.
    Der sonntaegliche Massenverzehr der Hl. Kommunion ist unerträglich geworden.

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Nach meiner Meinug ist das Abstimmungsergebnis dadurch zu erklären, dass immer noch die europäischen Bischöfe und die der Norhälfte des Planeten das Sagen haben und nicht die Vertreter der Länder, wo die Kirche am stärksten wächst und die ganz andere Sorgen haben und der Lehre noch viel näher sind.

  2. albert sagt:

    Allein die Tatsache, dass so lebhaft über Homosexualität und WvG gesprochen wurde ist ein Rückschritt. Wie der Erzbischof von Paris richtig anmerkte, hat das Thema Homosexualität auf einer Familiensynode aber auch gar nichts verloren. Lieber Herr Schneider-Flagmeyer, es ist nichts einzuwenden, Dinge optimistisch zu betrachten, aber Sie können keinem weismachen, dass die Abschlussrede des Papstes zur Synode klar und eindeutig gewesen sei. Aus taktischen Gründen war er gezwungen, auch die Progressiven etwas spitz anzufassen, frei nach dem Motto “ Die Wahrheit liegt in der Mitte zwischen den Extremen“. Das ist falsch. Die Wahrheit liegt dort, wo sie liegt. In guter Hegelscher Dialektik hat er alles mit allem vermischt, damit keiner schlau wird, wo er steht. Da empfehle ich Ihnen aber eine Exegese der Martha-Predigten.

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Lieber Herr Albert,
      mein Eindruck ist, dass dieser Papst sehr wenig bzw. gar nicht taktiert. Ich verlasse mich da mehr aus Erzbischof Gänswein, der gesagt hat, dass der Papst absolut authentisch ist. Diese Aussage ist mir wichtiger als all die finsteren Spekulationen und Verdächtigungen, die ich besonders auf einer Seite im Internet lese.

  3. Carolus sagt:

    An der zweiten Runde werden dann die „Richtigen“ teilnehmen. Die Anderen werden in der Zwischenzeit ins Abseits manövriert und versetzt. Es wurde ja damit schon begonnen.

  4. dominik sagt:

    Ja. Die Fortsetzung der Synode erfolgt 2015.

  5. Mathias Wagener sagt:

    Ich verstehe das mit der nächsten Synode im Text nicht so ganz. Ist jetzt eine weitere Synode noch vorgesehen `?

  6. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Ein Text, der keines weiteren Kommentars bedarf. Danke!

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