Leben wir in einer vernunftgeleiteten Zeit?

„Die Kinder kommen immer später in die Schule!“ heißt die Überschrift eines Artikels in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (7.8.14). Warum werden die Kinder immer später eingeschult? Weil sie nicht schulreif sind! Das ist doch merkwürdig, inmitten eines Propaganda-Tsunami „mit dem die ganze Gesellschaft darauf eingeschworen werden soll, dass es ohne institutionelle Kinderbetreuung von klein an gar nicht mehr geht“, bemerkt Hanne Kerstin Goetze. Sie ist Mutter von vier Kindern, Autorin und Referentin im Bereich der Mutter-Kind-Bindung (FAZ 3.7.14). „Allerdings“, so Frau Goetze weiter, „braucht der Reifeprozess angst- und damit stressfrei ohne Mutter und Vater auszukommen, länger als unsere Gesellschaft es den kleinen Kindern zugestehen will. Sowohl in der Bindungs- wie in der Hirnforschung spricht alles dafür, dass dieser Zeitpunkt nicht eher als um das Alter von drei Jahren angesiedelt ist.“
Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in einer Gesellschaft, die sich gerne als vernunftgeleitet ausgibt, für politische Entscheidungen in Erziehungsfragen eine geringere Rolle als ideologische und wirtschaftliche Interessen. Immer mehr Kinder werden immer eher aus der mütterlichen Obhut gegeben, damit sie „früh gefördert“ werden. Gleichzeitig sind die Kinder immer später schulreif. Wie passt das zusammen? Ein Leserbrief zum o.a. Artikel in der AZ rückt den Sachverhalt etwas zurecht:
„Kinder sind nicht bereit für die Schule? Und das, obwohl sie doch in der Krippe oder Kita schon frühestmöglich gefördert und mit vermeintlichen Bildungsangeboten bombardiert werden. Oder liegt hier vielleicht das Problem?! Zu unserer Zeit (wir sind Jahrgang 1977 und 1979) wuchsen Kleinkinder in der Familie auf, wurden nicht morgens aus dem Schlaf gerissen, hatten noch keinen Stress mit Fremdbetreuung und Trennungsschmerz, kannten noch keinen Konkurrenzkampf um Spielsachen oder die Gunst der Erzieherin. Mit drei, meistens jedoch erst mit vier kamen wir halbtags in den Kindergarten und waren danach in der Regel auch reif für die Schule. Wir hatten einfach vorher genügend Zeit zum Kindsein. Und selbst in der Grundschule kamen wir mittags heim, konnten beim gemeinsamen Mittagessen der Mama erzählen, was wir erlebt hatten, in Ruhe Hausaufgaben machen und später einfach spielen.
Niemand forderte Ganztagsklassen, Nachmittagsunterricht gab‘s erst viel später. (…) Die Probleme beginnen nicht erst mit der Einschulung. Eltern (Mütter und Väter!) können sich und ihren Kindern viel Stress ersparen, indem sie sich wieder mehr mit ihnen beschäftigen, sie selbst betreuen und ihnen Zeit und Geborgenheit schenken“ (Familie Markus Huber, Kempten).
Selbstverständlich gibt es Alleinerziehende, die wirtschaftliche Not dazu zwingt, Kinder unter drei Jahren in Kinderkrippen zu geben. Statt den Alleinerziehenden wirtschaftlich unter die Arme zu greifen, wird ihre Situation ausgenützt, um daraus eine „Ideologie für Alle“ zu machen. Die Kita-Ideologie passt in eine zunehmend kapitalistische Zukunft, in der bekanntlich nicht der Mensch (das Kind!), sondern das Geld im Mittelpunkt steht.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels”. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-066744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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2 Antworten auf Leben wir in einer vernunftgeleiteten Zeit?

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Nun, die heutige Situation passt in das Denkschema der sozialistischen Ideologie. Alles gleich und alles gleich früh. Am besten vom Kreißsaal in die Kita. Ich denke, dieses Schema ist ein Produkt des Gendermainstreams. Wir brauchen Massenmenschen, die wie die Eloy in der „Zeitmaschine“ von H. G. Wells leicht zu manipulieren sind. Da bietet sich diese Methodik bestens an. Die Denkverbote der politischen Korrektheit sind da sehr hilfreich und nützlich, Menschen in eine Denkrichtung zu bringen, und zwar von Kleinauf. Andere Denkmodelle werden nicht zugelassen und als rechtsradikal (und zunehmend auch katholische Werte) diffamiert.

    Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass, um einen Haushalt wirtschaflich bewältigen zu können, beide Elternteile gezwungen sind, arbeiten zu gehen. Das bedeutet, dass das Geldverdienen eine entscheidende Rolle einnimmt, die die Mutter- oder Vater-Kind-Beziehung von Geburt an schwächt. Das aber ist von den Wirtschaftseliten des Kapitalismus gewollt. Der Feminismus hat sich freiwillig vor den Karren der Wirtschaft spannen lassen und die Frauen diesem Wirtschaftsdruck ausgesetzt, so dass die Zahl der Abtreibungen, die Zahl der Scheidungen und die Zahl der elternentkernten Kinder im Zuge der Doppelbelastung insbesondere für die Frauen zugenommen hat. Da müssen natürlich andere kinderbetreuende Institutionen geschaffen werden. Auf diese Weise werden Kinder erzogen zu Menschen, denen es schwer fällt, tragfähige Langzeitbeziehungen einzugehen, weil das Urvertrauen bereits von Kleinauf durch diese Art der Politik geschädigt wurde.

    Kein Wunder. Kinderpsychologen werden mehr denn je gebraucht, obwohl die Anzahl der Kinder insgesamt sinkt. Keine lebendige Zeit für Kinder von einem der Elternteile steht angesichts des wirtschaftlichen Selbsterhalts zur Verfügung. Kinder werden zu Schlüsselkindern mit dem Argument der Selbstständigkeit. Kinder werden reich, aber letztlich immer um elterliche Liebeserfahrungen ärmer.

    Aber machen wir uns nichts vor: Das ist politische gewollt und passt in der Schema der Globalisierung und der Mobilität hin zu neuen Geldquellenufern. Gott spielt da nur noch eine Statistenrolle. Somit auch die Kirchenentfernung der Menschen, die möglicherweise auch zum Kirchenaustritt führen können. Bindungslosigkeit und Individualitätsegoismusstreben könne die Folge sein. Ein Zeitalter des Materialismus eine Karl Marx scheint Realität zu werden

  2. Hebel sagt:

    Ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben zu erwartender erhöhter Stresshormonausschüttung infolge „learned helpnessless“ und Wachstumshormonmangel infolge reduziertem Langsamen-Wellen-Schlaf in der Krippe) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung zu befürchten. Mangelnde primäre (besonders 0 – 1,5 Jahre) frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung. [Auch Migrantenkinder müssen das basale Denken in der jeweiligen Muttersprache beginnen zu lernen].
    (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5 – 6 Jahren (Gründe: Zunahme Krippe/Tagesmütter: 2006 ca. 14%, bereits 2010: 23%;; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).
    Warum heißt es Muttersprache und nicht Vatersprache?
    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014, ISBN 978-3-9814303-9-4]

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