Dekan Willibald Strohmeyer : „Gott ist der Herr! Haltet die 10 Gebote!“

Der Nationalsozialismus war doppeltes Gift. Der extreme Nationalismus richtete sich gegen die universale Heilslehre der Kirche, nach der Gott die Menschen aller Rassen und aller Zeiten zum Heil berufen  hat. Und der extreme Sozialismus, vor allem in der Form des Kommunismus, ließ nur die totalitäre Klasse gelten und raubte dem Einzelnen die persönliche Freiheit. Dagegen lehrte Dekan Strohmeyer  den Wert der Einzelseele vor Gott. In der Mischung von Nationalismus und Sozialismus sah Strohmeyer das Übel schlechthin. Als Hitler Reichskanzler wurde, notierte Strohmeyer in sein Tagebuch: „Hat Gott das deutsche Volk vergessen?“  Seine grundsätzliche Ablehnung des NS-Systems brachte ihm schließlich den Tod wie viertausend anderen Priestern in Europa auch. Dekan Strohmeyer war Pfarrer von St. Trudbert im Münstertal im Schwarzwald.  Dort lagerte in den letzten Kriegsmonaten 1945 eine SS-Einheit unter dem Kommando des Untersturmbannführers Perner. Diese Leute waren auf SS-Kampfschulen speziell  für kaltblütiges Handeln ausgebildet worden. Der SS-Führer wetterte im Dorfgasthaus gegen die kirchentreuen Bewohner des Tales. „Das halbe Tal gehört umgelegt, diese schwarze Bande!“ Die Stimmung zwischen der SS-Besatzung und den Dorfbewohnern war  frostig. Die beiden Vikare (Kapläne) sagten daher im Pfarrhaus: „Diese Gewaltmenschen könnten vor ihrem Untergang jetzt noch mehrere von uns Geistlichen mit in den Abgrund reißen.“ Darauf antwortete Strohmeyer: „Wenn das schon so kommen soll, dann mich und nicht euch. Ihr seid noch so jung.“ Strohmeyer  stand damals bereits im 68. Lebensjahr. In St. Trudbert war er schon 36  Jahre Pfarrer. Er liebte dieses Tal und seine Bewohner. Das zeigen auch seine zwei Bände, die er über das Münstertal geschrieben hat. Als nach dem Ersten Weltkrieg die deutschen St. Josefs-Schwestern im Elsass  Schwierigkeiten bekamen, holte er sie ins Münstertal und gab ihnen in St. Trudbert eine neue Heimat. Zur Abschaffung der Monarchie nach dem Krieg schrieb er: „Nachdem die Throne gefallen sind, wird der Kampf gegen die Altäre beginnen. Doch hier wird es nicht so leicht hergehen.“ In seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus und Kommunismus sah er sich in den päpstlichen Enzykliken 1937 voll bestätigt. Die Bekanntgabe von kirchlichen Äußerungen gegen den Nationalsozialismus war jedoch im NS-Regime nicht möglich. Aber die Bewohner des Münstertals erfuhren sie mündlich von ihrem Pfarrer – unter vorgehaltener Hand. In Predigten enthielt sich Strohmeyer politischer Äußerungen. Dennoch blieb dem SS-Führer Perner die kritische Einstellung Strohmeyers nicht verborgen. Deshalb fuhr er am 22. April 1945 – kurz vor der Kapitulation –  mit dem Auto zum Pfarrhaus, stürmte in das Zimmer des Pfarrers und sagte: „Sie sind doch der Strohmeyer? Dann kommen Sie mal mit.“ Auf die Frage des Pfarrers, um was es sich denn handle, sagte Perners Gefährte: „Sie haben zwei Minuten Zeit zum Umziehen.“ Dann fuhr das Auto mit dem gefangenen Priester und einigen SS-Leuten zu einer Kiesgrube im Wald, wo Dekan Strohmeyer durch zwei Genickschüsse ermordet wurde. Das Schwurgericht Freiburg hat später die Vorgänge rekonstruiert. Bedrückend ist der satanische Hass der SS-Leute gegen den Priester Strohmeyer angesichts der bevorstehenden Niederlage. Bedrückend ist aber auch, dass Priesterbiographien dieser Art heute auch innerhalb der Kirche vergessen sind.  Dennoch bleibt Dekan Strohmeyer ein Zeuge für die Wahrheit, die nie vergeht.

Edurad Werner

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