Wie kommt man zum Glauben an Christus den König? Was sind die Merkmale dieses Glaubens?

In der Apostelgeschichte wird uns im 16. Kapitel (14-15) in wenigen Sätzen eine große Geschichte erzählt. Als der heilige Paulus zum ersten Mal europäischen Boden betritt, kommt er nach Philippi und trifft dort in einer Gruppen von Frauen die Purpurhändlerin Lydia, die aus der Stadt Thyatira stammt. Was tut sie in Philippi? Dort ist eine große römische Garnison. Und da Lydia eine Purpurhändlerin ist, muss sie da sein, wo man Purpur braucht. Und das ist bei den Römern.
Wir haben im Untericht gelernt, dass man den Glauben nicht „machen“ kann, sondern dass er ein Geschenk, eine Gabe Gottes ist. Für diese muss man allerdings bereit sein. Und nun erzählt uns der heilige Lukas in der Apostelgeschhichte in einem Satz, wie die Lydia zum Glauben an Jesus Christus kam. Als Paulus predigte, „öffnete der Herr der Lydia das Herz“. So kommt man zum Glauben. Gott ist der Handelnde. Er sieht in unser Herz und er kann es für seine Botschaft öffnen, so dass wir „sehend“ und „hörend“ werden mit den Augen und den Ohren unseres Herzens.
In meiner Kindheit gab es in meiner Heimat, dem Bergischen und dem Niederbergischen einen großen evangelischen Erweckungsprediger, den Pastor Wilhelm Busch, der aus meiner Heimatstadt Wuppertal (für die Katholiken Diaspora) stammte und in Essen 40 Jahre lang Pfarrer war, davon 30 Jahre Jugendpfarrer. Er füllte mit seinen Predigten immer wieder ein ganzes Stadion mit jungen Menschen. Das war auch die große Zeit von Pater Leppich, der auf katholischer Seite ähnlich wirkte.
Mich haben in meiner evangelischen Kindheit und Jugend die Predigten von Wilhelm Busch sehr geprägt und sind mir heute noch gegenwärtig, zumal sehr viele auf Tonträgern erhalten sind.
Pastor Busch hat aus unserer Geschichte in der Apostelgeschichte drei Zeichen abgeleitet, die untrüglich anzeigen, dass wir Kinder Gottes sind, wenn sie denn bei uns zu finden sind.
Die Lydia kommt also zum Glauben durch die Predigt des heiligen Paulus. Gott selbst öffnete ihr das Herz als der Apostel predigt; denn Paulus selbst hat gesagt, dass der Glaube aus der Predigt komme, diese aber aus dem Wort Gottes. So ist es letztlich Gottes Wort, das uns zum Glauben führt.
Wir können predigen und verkündigen mit Engelszungen und es kommt niemand zum Glauben, wenn Gott ihm/ihr nicht Ohren und Herz öffnet; denn man kann im Verstand ja alles kapiert haben, aber das Herz bleibt kalt. Und damit uns Menschen durch unsere Sinne, Sehen und Hören, das Handeln Gottes „sichtbar“ wird, hat Jesus auf Erden die Zeichen vor uns hingestellt, seine Wunder, seine Heilungen. Und er hat gesagt, dass seine Jünger noch Größeres tun werden; denn Er geht zum Vater. Er hat seinen Jüngern aufgetragen, die gleichen Zeichen zu tun, damit der Glaube vieler Menschen gestärkt wird.
Diese Dinge waren in unserer katholischen Kirche fast verloren gegangen, weil man sie nur für die Zeit Jesu und der Apostel für gültig hielt. Aber der große Konzilstheologe Yves Kardinal Congar OP hat in seinem Standardwerk über den Heiligen Geist angemerkt, dass diese Gaben, die Charismen (Geschenke), der Kirche übergeben sind, bis dass der Herr wiederkommt.
Als die Lydia zum Glauben kommt, so erzählt uns die Apostelgeschichte, bringt sie zum Ausdruck, dass sie sich nun ihres Heils gewiss sei. Und das, so sagt Pastor Busch, ist das 1. Zeichen der Gotteskindschaft, dass ich mir meines Heils gewiss bin und fest glaube, durch das Blut Christi gerettet und erlöst zu sein.
Das 2. Zeichen ist der Zug zu den Kindern Gottes. Die Lydia zog es nun zu den Jüngern des Herrn. Sie wollte unbedingt, dass diese bei ihr wohnten.“Und sie nötigte uns.“
Vor einigen Jahren erzählte mir ein Frau aus der katholischen charismatischen Erneuerung, wie sie ein Kind Gottes wurde. Sie war an einem bösartigen Tumor im Auge erkankt. Dazu gesellte sich eine halbseitige Gesichtslähmung, die sie sehr entstellte. Eines Tages ging sie mit ihrem Mann in ein katholisches Evangelisationszentrum. Der leitende Pater legte ihr im Namen Jesu Christi die Hände auf und betete für sie. Nach ein paar Tagen war der Tumor im Auge verschwunden, die Schäden, die der Laser gesetzt hatte und die Gesichtslähmung. Durch diese Zeichen wurde ihr Glaube fest und sicher. Sie ist sich ihres Heiles gewiss und ihr Mann ist ihr gefolgt. Sie erzählte mir, dass sie seitdem immer das Bedürfnis habe, mit den Kindern Gottes zusammen zu sein.
Prüfen wir uns sorgfältig, ob wir diesen Zug zu den Kindern Gottes haben. Wenn wir ihn nicht haben, seien wir ausserordentlich misstrauisch gegen unseren ganzen Christenstand. Vor einiger Zeit erzählte mir eine Ordensschwester, dass sie mit ihrer Gebetsgruppe in eine Sackgasse geraten sei und dass die Gruppe im geistlichen Leben nicht mehr wachse. Ich schlug ihr vor, dass sich doch alle Mitglieder der Gruppe sorgfältig prüfen mögen, wie weit sie den Zug zu den Kindern Gottes hätten und wirklich ein Stück zusammenlebten, oder ob man sich vornehmlich selbst heiligen will. Im letzteren Fall hört das geistliche Wachsen immer auf. Selbstverwirklichung geschieht immer nur im Hinblick auf ein Du, niemals in Ichbezogenheit.
Jesus hat die Kirche nicht gestiftet, damit wir privat für uns fromm sind, sondern einer des anderen Last trage und wir so eine Lebensgemeinschaft der Liebe werden wie in den Anfangsjahren der Kirche.
Das dritte Kennzeichen der Gotteskindschaft ist die Liebe. Es drängt die Lydia jetzt, wo sie dem Herrn gehört, Liebe zu erweisen und den Paulus und seine Begleiter auf lange Zeit bei sich aufzunehmen, um sie zu verköstigen und ihnen zu dienen. Die Liebe, die der Heilige Geist in ihr Herz gesenkt hat, drängt sie dazu.
Wir feiern  am 23.11. das Christkönigsfest. Er, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf der Erde, Er soll auch der wahre König unserer Herzen sein. Bitten wir den Heiligen Geist, dass er uns die drei Kennzeichen der Gotteskindschaft tief in unser Herz einprägt.

Michael Schneider Flagmeyer

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Eine Antwort auf Wie kommt man zum Glauben an Christus den König? Was sind die Merkmale dieses Glaubens?

  1. Bettina Mosler sagt:

    Ein sehr schöner Text! Herzlichen Dank! Könnte mit dem katholischen Evangelisationszentrum Hochaltingen und mit dem Pater, der heilen konnte, Pater Buob gewesen sein? Dort wird sehr viel Gutes gewirkt.

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