Bischöfe, wie wir sie brauchen.

Den Namen des Bischofs Ambrosius von Mailand kennen noch viele. Er ist einer der vier abendländischen Kirchenlehrer. Sein Standbild ist in Kirchen häufig anzutreffen. Weniger bekannt ist, warum Ambrosius eine der bedeutendsten Bischofsgestalten der Kirche und ein Vorbild, gerade in der heutigen Zeit, ist.
Von seiner Herkunft schien sein Lebensweg vorgezeichnet zu sein. Ambrosius wurde 339 in Trier als Sohn des kaiserlichen Präfekten für Gallien geboren. Nach seinen klassischen und juristischen Studien stand er vor einer glänzenden politischen Karriere. Tatsächlich war Ambrosius bereits mit 30 Jahren kaiserlicher Stadthalter in Mailand.
Obwohl Ambrosius eine tieffromme Mutter hatte, war er als 30jähriger noch nicht Christ, sondern nur Katechumene (Taufbewerber). Als oberster Staatsbeamter von Mailand hatte er die Streitigkeiten zwischen der Sekte der Arianer und den Katholiken zu schlichten. Als bei der Wahl des Bischofs ein Tumult zu befürchten war, war er persönlich anwesend. Sein Ansehen in der Bevölkerung war so groß, dass er trotz seines heftigen Widerstandes zum Bischof ausgerufen wurde. Nach anschließender Taufe, Priester- und Bischofsweihe übertrug er sein Pflichtbewusstsein und seine Gewissenhaftigkeit auf seine neue Aufgabe. Er war bestrebt, in erster Linie Vater der Gläubigen zu sein und persönlichen Kontakt mit ihnen zu halten. Augustinus schilderte ihn als „belagert von der Menge der Armen – so sehr, dass man nur mit größter Schwierigkeit bis zu ihm vordringen konnte“. Ambrosius mühte sich ab im Dienst des Wortes. Er predigte das Evangelium, legte die Schrift verständlich aus und erklärte die Bedeutung der Sakramente. Seine Wortgewalt war so groß, dass der Rhetoriklehrer Augustin, noch bevor er Christ war, nach Mailand zog, um ihn zu hören. Ambrosius liebte die Liturgie. Er führt volkstümliche Gesänge in den Gottesdienst ein und verfasste selbst Hymnen („Te deum laudamus“).
Als im Römischen Reich die sozialen Unterschiede zwischen Reichen und Armen immer krasser wurden, ging Ambrosius, der nach seiner Bischofswahl seinen Besitz an die Armen verteilt und so ein Beispiel der „Entweltlichung“ gegeben hatte, dagegen vor. Er prangerte die Geldgier und den übermäßigen Besitz mit den Worten an: „Du gibst dem Armen ja gar nicht von dem ab was dir gehört, du gibst ihm nur von dem, was sein ist. Du hast dir angeeignet was für alle zum Gebrauch aller gegeben wurde. Die Erde gehört allen und nicht allein den Reichen…“. Ambrosius zeigte die Grundlinien einer katholischen Soziallehre auf, die heute noch gültig sind.
Als Bischof von Mailand trat Ambrosius mit Mut für die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat ein. Sein Wort: „Der Kaiser steht in der Kirche, nicht über Sie“ war keine bloße Rhetorik. Er trat dem Kaiser Theodosius dem Großen gegenüber und brachte ihn dazu, das Recht anzuerkennen und sich ihm zu beugen. Der Anlass dafür war ein Vorgang in Saloniki. Dort wurden bei einer Volkserhebung Soldaten der kaiserlichen Leibgarde getötet. Darauf ließ Theodosius in einem Racheakt über 7000, darunter Frauen und Kinder, umbringen. Als der Kaiser einige Zeit später nach Mailand kam, verweigerte ihm Ambrosius den Zutritt in den Dom mit den Worten: „Die Größe seines Reiches und die korrupte Ausübung absoluter Macht haben verhindert, dass er die Ungeheuerlichkeit seines Verbrechens erkannt hat. Aber unter seinem Purpur ist nur ein Mensch, dessen Körper bestimmt ist, sich in Staub aufzulösen und dessen Seele wieder zu Gott zurückkehren muss, der sie ihm gegeben hat“. Erst als der Kaiser Buße getan hatte, ließ er ihn wieder in die Kirche.
Ambrosius sah sich als Vertreter der geistlichen Aufgaben der Kirche, nicht als Politiker. Seine Haltung zeigt sich in folgendem Gebet: „Herr gib mir doch Mitleid, in jedem Fall, in dem ich Zeuge werden muss, wie ein Sünder fällt; dass ich nicht voll Anmaß und Hochmut strafe, sondern mit ihm weine und betrübt bin“.
Quelle: H. Hamann, Reformer der Kirche, Matthias Grünewald Verlag, Mainz.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Januar-Heft 2015 . Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Eine Antwort auf Bischöfe, wie wir sie brauchen.

  1. Der heilige Ambrosius, Erzbischof von Mailand,
    Kirchenlehrer, geb. in Trier, + 4.4.397 – Fest: 7. Dezember
    Trier ist unter den deutschen Städten an Ehren reich, und nicht die geringste unter den christlichen Ehren Triers besteht darin, dass in seinen Mauern der erste von den vier großen Kirchenlehrern des Abendlandes geboren wurde, Sankt Ambrosius, von dem es im Evangelium heißen könnte: „Keiner fand sich, der gleich ihm gehütet das Gesetz des Allerhöchsten.“
    Ambrosius, der Sohn eines hohen Staatsbeamten, wurde in Trier um das Jahr 333 geboren, zog nach dem frühen Tod des Vaters mit Mutter, Bruder und Schwester nach Rom und erhielt dort eine treffliche Erziehung. Nach den Schuljahren trat der junge Mann in den Staatsdienst, arbeitete eifrig und pflichtgetreu, stieg auf der Leiter der Ämter und Ehren schnell empor und nahm mit vierzig Jahren als Statthalter in Mailand eine der höchsten Staatsstellen ein.
    Da wurde es still im Dom, und in die Stille rief plötzlich eine helle Kinderstimme: „Ambrosius, Bischof!“ Es wirkte aber das Wort aus Kindermund wie ein Funke, der einen Brand entzündet, denn gleich nachher ging der Ruf von Mund zu Mund: „Ambrosius, Bischof!“
    Ambrosius war bei der Erwählung zum Bischof von Mailand noch nicht getauft. Bevor er die Bischofsweihe empfing, musste er natürlich getauft werden. Das geschah am 30. November 374, und an den folgenden Tagen erhielt Ambrosius nach der Legende die heiligen Weihen, jeweils eine an einem Tag, erst die vier niederen Weihen, dann wurde er Subdiakon, dann Diakon, dann Priester und endlich am 7. Dezember, also am heutigen Gedenktag, Bischof. So schnell hat es noch keiner fertiggebracht, dass er innerhalb einer Woche vom Ungetauften bis zum Bischof aufstieg.
    Ambrosius war also Bischof geworden, und nicht lange dauerte es mehr, da war jeder Zoll an ihm ein Bischof. Bischof Ambrosius war ein Vater der Armen. Gegen die Irrgläubigen, die hartnäckig im Irrtum verharrten, ging er vor, wie es die Pflicht eines katholischen Bischofs gebietet, und wenn er sonntags auf der Kanzel Gottes Wort verkündete, machtvoll und kräftig, so lohten erneut die Pfingstgluten auf. Unzählig ist die Zahl jener, die er bekehrte, und der größte unter denen, die er bekehrte, ist der heilige Augustinus gewesen. Dabei war Bischof Ambrosius kein Schönredner, sondern ein mutiger Mann, der auch den Mächtigen und auch dem Kaiser kühn und ungeschminkt die Wahrheit öffentlich an den Kopf warf. An Ambrosius war jeder Zoll nicht nur ein Bischof, sondern auch ein Mann.
    Es darf ferner nicht unerwähnt bleiben, dass Bischof Ambrosius es war, der oft in Wort und Schrift das hohe Lied der Jungfräulichkeit im ehelosen Stand um Christi willen verkündete, und damit leitet der Heilige bereits vom heutigen Tag über auf das morgige Hochfest der Jungfräulichkeit, an dem wir der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau gedenken.

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