Papst Franziskus in seiner Verkündigung verstehen

Eine Museums-Kirche sei nutzlos, sagt Papst Franziskus. Freudlose Museums-Christen seien unfruchtbar und kinderlos. Die Kirche sei eine zärtliche Mutter und dürfe nicht eine alte Jungfrau sein. siehe
http://www.kath.net/news/48630
„Das Volk bedarf der Tröstung“, sagt der Papst. „Die Gegenwart des Herrn selbst tröstet.“ Dabei handele es sich bei diesem Trost um einen, der gleichzeitig Drangsal sei.
Bei diesem Wort möchte ich einen Moment stehen bleiben mit einem Zeugnis. Als ich Anfang der neunziger Jahre meine Ausbildung für die geistliche Begleitung im katholischen Evangelisationszentrum im Kloster Maihingen mit Schweigeexerzitien abschloß, forderte der Exerzitienleiter uns in einer Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten auf, zu beten: „Komm Heiliger Geist und störe mich, bis dass ich tue, was Du willst.“
O Gott, dachte ich, das kann ich nicht beten; denn wen ich das bete, dann kommt der Heilige Geist und tut das. Er wird mich so stören in all dem, was ich mir so sorgfältig in Jahrzehnten aufgebaut habe, dass mir Hören und Sehen vergeht. Er wird all meine mühsam errichteten Kompensationen abrüsten und mich aus all dem lieb gewordenen Trott reissen.
Und das genau tut er auch. Das ist, was der Papst Trost nennt, der geichzeitig Drangsal ist. Ein Kardinal hat einmal lange vor dem Konzil gesagt: „Wir bauen dem Heiligen Geist immer Geleise, auf denen er fahren soll. Und er fliegt immer nebenher.“ Gott sei Dank, tut er das! Das kann ich heute ehrlichen Herzens sagen. Im Laufe der Anbetungsstunde wurde mir klar, dass der Heilige Geist nicht nur abräumt, sondern da, wo er etwas nimmt, er es durch etwas viel Besseres ersetzt. Denn Er ist der Schöpfergeist, der nicht zerstört sondern aufbaut. Wo er nimmt, gibt er tausendmal mehr. Er wirft den ganzen Gelsenkirchener Rhein-Ruhr-Barock und all den Nippes aus unserer Herzenswohnung und richtet diese so ein, dass wir in Ruhe dort leben und im Frieden dort schlafen können. Vor dem eucharistischen Segen konnte ich voll Gewissheit beten: „Komm Heiliger Geist und störe mich, bis dass ich tue, was Du willst.“ Und er stört mich bis zu dieser Stunde. Ihm sei Dank!
Aber das Ganze geht nicht ohne Schmerzen ab, die der Papst „Drangsal“ nennt. Trennung von etwas, erzeugt immer Schmerz.
Doch die Liebe Christi drängt uns, wie der Apostel sagt. Der Heilige Geist hilft uns mit seinem Drang, Lasten loszuwerden, damit wir leichter und ent-lastet den steilen Weg nach oben bewältigen können.
Und so gibt es auch in der Kirche falschen Barock (den man im Bergischen Land Gelsenkirchener Rhein-Ruhr-Barock nennt) und viel Nippes, der eher das unveränderliche Gold des Wortes Christi verdeckt als erleuchtet. Ein kleines Beispiel für diesen falschen Barock ist die cappa magna, die der selige Paul VI. schon um die Hälfte gekürzt hatte. Und so gibt es vieles in der Kirche an Nippes, der vor dem Wort Gottes steht und den Blick der Gläubigen auf sich zieht.
In der heutigen Predigt ruft uns der Papst die scheinbar hart klingenden Worte des Propheten Ezechiel in Erinnerung und legt sie zu unserem Heil aus.
Ich bitte den geneigten Leser, dieses durch den kath.net-Link oben noch einmal sogfältig nachzulesen; denn so wird jeder die Schönheit und die Wahrheit in dieser päpstlichen Verkündigung erkennen, die so endet:
„Der Herr schenke uns die Gnade zu arbeiten, freudige Christen in der Fruchtbarkeit der Mutter Kirche zu sein. Und er bewahre uns davor, in die Haltung jener traurigen, ungeduldigen, mutlosen, ängstlichen Christen zu verfallen, bei denen alles perfekt ist in der Kirche, die aber keine ‚Kinder’ haben. Der Herr tröste uns mit der Tröstung einer Kirche, die Mutter ist und aus sich selbst herausgeht, und er tröste uns mit der Tröstung der Zärtlichkeit Jesu und seiner Barmherzigkeit in der Vergebung unserer Sünden“.
Dazu verhelfe uns der Heilige Geist mit seinem Drängen, damit wir in rechter Weise ohne allzuschwere selbstgemachte Lasten voranschreiten auf unserem Pilergerweg in die himmlische Heimat.

Michael Schneider-Flagmeyer
PS. Zum Interview mit dem Papst siehe auch das Interview von Kardinal Brandmüller in der „Tagespost“ sowie den hervorragenden Kommentar von Regina Einig in der „Tagespost“, der einer der besten dazu ist, am 10.12.14 bei:
http://frischer-wind.blogspot.de/

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2 Antworten auf Papst Franziskus in seiner Verkündigung verstehen

  1. KH sagt:

    Ich denke, das mit der “Alten Jungfrau” meint der Papst figurativ. Er meint damit Menschen, egal welchen Standes, die in sich verschlossen und festgefahren sind und keine „geistigen Kinder“ gebären. Es gibt sehr wohl „alte Jungfern“ mit schwerem Schicksal, die viele „Kinder“ geboren haben.

  2. Mathias Wagener sagt:

    Das mit der „Alten Jungfrau“ finde ich nicht so gut ausgedrückt. Es gibt Frauen, die ein hartes Schicksal erlitten haben oder einfach nicht den Richtigen für die Ehe gefunden haben. Das gefällt mir nicht.

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