„Fröhlich soll mein Herze springen…“

„Fröhlich soll mein Herze springen, dieser Zeit da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren alle Luft laute ruft: Christus ist geboren.“
Mit diesem 1. Vers eines der schönsten Weihnachtslieder von Paul Gerhardt wollen wir eintreten in die Heilige Nacht und hinzutreten zu dem Geschehen in einer kleinen Höhle, einem Stall in Bethlehem. Alle Luft, ja der ganze Kosmos tönt in dieser Nacht wieder von den Engelchören, die uns verkünden: Christus ist geboren. Uns ist heute in der Stadt Davids der Erlöser geboren. Das Ereignis aller Ereignisse fand vor über 2000 Jahren statt. Aber der, der geboren wurde ist der, der da war, der da ist und der da kommt.
„Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir Mensch zugute. Gottes Kind, das verbind’t sich mit unserem Blute.“
Der Jammer in der Welt ist groß und wir haben den Eindruck, dass er immer größer wird. Wo bleibt denn die Hilfe, die uns mit der Geburt Christi versprochen ist? Sie liegt in dem Geheimnis Gottes, das sich nur dem erschließt, der sich auf den Gott, den Jesus verkündet, wirklich einläßt und mit ihm lebt. Die Antwort auf meine Frage ist: Gott wird Mensch, dir Mensch zugute. Gott gibt sein Herz, seinen Sohn, der sich mit unserem Blute verbindet. Ein anderes Weihnachtlied („Lobt Gott ihr Christen all zugleich…“) sagt es noch deutlicher:
„Er (ent)äußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.“
Im Text des Schott-Messbuchs zur ersten Lesung des 4. Adventsonntags lesen wir in einem Vorwort zur 1. Lesung, dass es geschah, dass Gott seine Macht und Größe in der Schwachheit offenbarte: in der Geburt Jesu, in seinem Leiden und Sterben. Das ist es, was die Menschen in all ihrem Streben so schwer verstehen können und das sich ihnen nur offenbart, indem sie sich auf das Kind von Bethlehem, den Mann aus Nazareth einlassen; denn wenn wir dem Geheimnis Gottes näher kommen wollen, müssen wir unseren Sinn ändern und auf Macht und Größe verzichten, um in der Ohnmacht, etwa ständig durch kleine Taten der Liebe, die Macht Gottes kennenzulernen. Sagt er doch dem Apostel Paulus: „Meine Kraft ist in deiner Schwachheit mächtig“.
„Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt unserem Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron Seiner Macht und Ehren.“
Und da liegt nun Gottes Geheimnis offen vor uns. Der Weg führt von oben nach unten, vom Herrschen zum Dienen, von der Gewalt zur Hingabe und zur Liebe, damit wir am Ende wieder von unten nach oben gelangen. Denn es gibt nur eine Macht, die dem Menschen gegeben ist. Und das ist die Macht ein Kind Gottes zu werden, wie es Johannes im Prolog zu seinem Evangelium ausdrückt. Wer kann das ausdenken?
„Ei, so kommt und lasst uns laufen; stellt euch ein Groß und Klein, eilt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet. Schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.“
Lasst uns im Geiste hinzutreten zu der Krippe und das Kind anschauen. Aus seinen großen Kinderaugen schaut uns der Ewige Vater mit unendlicher Liebe an. Bringen wir ihm unsere Gaben. Als der große Kirchenvater und Kardinal Hieronymus (420 n.Chr. in Bethlehem gestorben) in der Davids-Stadt Bethlehem die Geburtsgrotte betrat, kniete er nieder und sagte: „O göttliches Kind, was soll ich Armer Dir nur schenken?“ Und er hörte eine leise Kinderstimme wie aus weiter Ferne und doch so nah: „Gib mir deine Sünden.“ Dazu wurde Gott Mensch, um die Sündenlast, die ihm die Menschen bringen, hinwegzunehmen.
„Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: Lasset fahrn, Schwestern und Brüder, was euch quält, was euch fehlt. Ich bring alles wieder.“
Allen Freunden und Lesern und allen Menschen auf Erden wünschen wir den Frieden des göttlichen Kindes in der Krippe und ein wahrhaft froh machendes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gnadenreiches,  glückliches Jahr 2015.

Michael Schneider-Flagmeyer

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