Unverständliche Hast und Eile bei der Änderung des Suizidparagraphen 217 STGB.

Ende des Monats Januar 2013 will der Bundestag über die von der Regierung eingebrachte Änderung des Suizidparagraphen abstimmen. Die viel zu kurze Frist für eine Diskussion über dieses hochsensible Thema läßt vermuten, dass hier der Bevölkerung in aller Eile ein Dammbruch untergeschoben werden soll, den die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner als einen „Abschied von der Humanität“ bezeichnete.
Hier auf unserem Block hat Prof. Hubert Gindert am 28.11.12 mit einem Artikel „Der Suizid ist keine heroische Tat, sondern eine menschliche Niederlage“ die Probleme, die sich aus diesem Dammbruch ergeben klar und deutlich beim Namen genannt.
Nun hat der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK), der ehemalige bayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU) in einem Interview mit der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ vom 29.12.12 zu dieser geplanten Gesetzesänderung ausführlich Stellung genommen.

Man kann und soll nicht verschweigen, dass zwischen dem Forum Deutscher Katholiken und dem ZDK in entscheidenden Fragen der Glaubenslehre und der Kirchlichkeit erhebliche Differenzen bestehen. Um so mehr gebietet es die Fairness und unsere Mission auch festzuhalten und aufzuzeigen, wenn wir mit dem ZDK in einer Frage übereinstimmen.
Alois Glück sieht die Probleme ganz ähnlich wie wir, die Hubert Gindert hier am 28.11.12 beim Namen genannt hat. Glücks Ausführungen in der „Tagespost“ vom 29.12.12. zur geplanten Änderung des Paragraphen 217 STGB kann man nur vorbehaltlos zustimmen in der Hoffnung, dass alle Mitglieder des ZDK, auch die Politiker anderer Parteien dort, diese differenzierte Meinung teilen.
Auf die abschließende Frage der „Tagespost“ wie Alois Glück sich die Haltung der Bundesjustizministerin Leutheusser- Schnarrenberger erklärt, trotz des heftigen Widerspruchs der Kirche, der Ärzteverbände, der Hospizverbände und des Deutschen Ehtikrates und des Beschlusses des CDU-Parteitages, jede Form von organisierter Sterbehilfe zu verbieten, an ihrem Entwurf festhalten zu wollen, antwortet der ZDK-Präsident , er habe „keine weitreichende Erklarung dafür“, aber es sei auf jeden Fall ein „falsches Verständnis von Freiheit und eine Fehleinschätzung über die gesellschaftlichen Wirkungen solcher gesetzlicher Regelungen.“ Dem kann man nur unbedingt zustimmen.
In einem Punkt möchte ich den ZDK-Präsidenten ergänzen. Die Ergänzung erscheint mir notwendig, weil diese Frage auch in der kirchlichen Argumentation zu kurz kommt. Aus der Sterbebegleitung wissen wir, dass es für die Vollendung des menschlichen Lebens entscheidend ist, dass der Sterbende seinem Tod entgegenreift. Immer wieder habe auch ich in der Mitarbeit in der Krankenhausseelsorge erleben dürfen, dass im natürlichen Sterbeprozess der Mensch zumindest die Chance hat, sein Leben einer reifen Vollendung entgegenzuführen. Diese Chance darf ihm nicht genommen werden, in dem man diesen Prozess gewaltsam durch den Suizid beendet. Der natürliche Tod muß die Vollendung des Lebens bleiben. Und wir Christen haben die Pflicht, den Menschen vor das Tor zur Ewigkeit zu führen, an dem sie der erwartet, der gesagt hat: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit.“
Im Sterben kann und soll sich die Heimholung des Menschen erfüllen, der für das Leben und nicht für den Tod geschaffen ist. Die von der Bundesjustizministerin geplante Änderung des Paragraphen 217 darf so nicht bestehen bleiben, weil damit die „Kultur des Todes“ (sel. Johannes Paul II.) eine Stärkung erfährt, der wir gemeinsam unbedingt aus unserem Christusglauben heraus den Menschen die „Kultur des Lebens“ entgegenhalten dürfen.  Wir bitten noch einmal alle Christen und alle Menschen guten Willens sich an die Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises jetzt zu wenden.

Michael Schneider-Flagmeyer

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