Probleme sind zu lösen, nicht auszusitzen!

Lt. Pressemitteilung der Deutschen Bischofkonferenz vom 13.10.2014 („Ich bin überzeugt, dass wir ihn bisher verkannt haben“ – Internetdossier zur Seligsprechung von Papst Paul VI.) schreibt Kardinal Lehmann, „er sei überzeugt, dass der Papst, der bis heute für viele als der sogenannte ‚Pillenpapst‘ gelte, bisher verkannt worden sei“. Kardinal Lehmann sagt als Zeitzeuge weiter, „er (Paul VI.) hat als Papst die für die Kirche schwierigen, aufgestauten Probleme der Moderne erkannt und die ‚Zeichen der Zeit‘ nüchtern zur Kenntnis genommen …“
Auch „sei Papst Paul VI. bewusst gewesen, dass die Enzyklika ‚Humanae vitae – zu den Fragen von Ehe und Familie heute‘ großes Gewicht habe. Kardinal Lehmann zitiert den Papst mit den Worten: ‚Schweigen können wir nicht. Reden ist problematisch. Solche Fragen hat die Kirche seit Jahrhunderten nicht lösen müssen‘“. Kardinal Lehmann weiter: „Die Äußerungen zur Empfängnisverhütung und Geburtenregelung in der Enzyklika ‚Humane vitae‘ seien nur wenige Zeilen in einer lehrreichen Enzyklika zu Ehe und Familie, was leider bis heute nicht genügend beachtet werde.“
Ist es bei dieser Erkenntnis nicht an der Zeit, der Enzyklika „Humanae vitae“ , die „bis heute nicht genügend beachtet werde“, und ihrer Intention die entsprechende Beachtung zu verschaffen? Nach der gewonnenen Einsicht müsste es möglich sein, die sogenannte „Königsteiner Erklärung“, die den Anliegen von Papst Paul VI. nicht gerecht wurde, zu revidieren.
Schlimm ist, dass Versäumnisse und Fehlentwicklungen, selbst dann nicht korrigiert werden, wenn die Schäden längst sichtbar geworden sind.
Ein Schreiben mit dem Vorschlag, die Königssteiner Erklärung zu revidieren ging an alle deutschen Bischöfe. Antworten?
Frau Dr. Ilkamarina Kuhr vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz antwortete im Auftrag von Kardinal Reinhard Marx u.a. folgendes:
„Die Äußerungen zur Empfängnisverhütung sind ein Teilaspekt dieses wichtigen Schreibens. Indem die deutschen Bischöfe in der Königsteiner Erklärung aus einer pastoralen Sorge heraus auf die Bedeutung des Gewissens und damit auf die individuelle Verantwortung der Eheleute hingewiesen haben, wollten sie weder diese Äußerungen noch die Grundaussage von ‚Humanae Vitae‘ in Frage stellen.“ Gemeint ist mit dem Hinweis auf das Gewissen, das „gebildete Gewissen“, das die Lehre der Kirche beachtet. Im konkreten Fall geht es um die Frage, ob der Sexualakt von der Weitergabe des Lebens getrennt werden kann. Das geschieht beim Einsatz von Verhütungsmethoden. Nach der Lehre der Kirche, die durch die Enzyklika Papst Paul VI. bekräftigt wird, ist das nicht erlaubt und kann deshalb nicht der Gewissensentscheidung überlassen sein. Durch die Königsteiner Erklärung wird die wesentliche Grundaussage von „Humanae Vitae“ in Frage gestellt.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Probleme sind zu lösen, nicht auszusitzen!

  1. Mathias Wagener sagt:

    Was ist die Königsteiner Erklärung an sich ? Sie selbst wird als „Wort der deutschen Bischöfe zur seelsorgerischen Lage nach dem Erscheinen der Enzyklika Humanae vitae“ bezeichnet. Was ist aber ihr Inhalt. Nach längeren Ausführungen geht es unter Nr.12 zum Kern der Ausführüngen. Dort klingt an, in wie weit Enzykliken Geltung überhaupt haben und gipfelt in konkreto in dem Schluss, dass jeder sich selbst befragen muss, ob er die Humanae vitae anerkennt. Wenn er sein Gewissen geprüft hat, dann handelt er nicht im Widerspruch. So also wird in einem „pastoralen Wort“ eine Enzyklika in Frage gestellt. Die Bischöfe haben nicht das Recht, Enzykliken praktisch außer Kraft zu setzen oder zumindest zu relativieren. Die Gläubigen haben ihnen nicht zu folgen, da sie sich im Gegensatz zum Papst verhalten.

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