Pegida hin – Legida her. Einige persönliche Anmerkungen.

Der Bischof von Münster hat einem seiner Pfarrer, Paul Spätling, ein Predigtverbot auferlegt, weil er an der Demonstration des Duisburger Pegidaablegers teilgenommen hat und dort auch gesprochen hat. Ich habe das nicht zu kommentieren. Der Bischof wird das nicht ohne Grund getan haben. Die Rheinische Post gibt auf RP-online dazu einige Informationen. Grundsätzlich aber bin ich der Meinung, dass sich Geistliche, die betont durch ihre Priesterkleidung auftreten, in dem tagespolitischen Geschehen von öffentlichen Auftritten fern halten sollen. Damit ist natürlich nicht ihr Auftritt bei Lebensrechtsdemonstrationen gemeint, sondern bei denen rein politischer, in die Parteipolitik reichender Natur.
http://www.rp-online.de/nrw/roemisch-katholische-kirche-predigtverbot-fuer-paul-spaetling-aid-1.4813741
Zu kritisieren erlaube ich mir allerdings einige Bemerkungen in der Begründung des Bistums für die Entscheidung des Bischofs, von der ich bezweifele, dass sie von Bischof Genn selbst stammen. Ich kenne Bischof Genn als einen sehr maßvollen und klugen Bischof, der sich ganz auf der Linie der Weltkirche unter römischer Leitung bewegt. Er war unser Regionalbischof hier im Saarland und hat schon als Regens des Spätberufenenseminars von Lantershofen ein großzügiges und verständnisvolles Herz auch für sehr schwierige Personen bewiesen.
Einen Punkt in der Erklärung zum Predigtverbot für Pastor Spätling des Bistums möchte ich doch herausgreifen. Spätling hat auf der Duisburger Versammlung die umstrittene Verdunklung des Kölner Doms und die noch mehr umstrittene Erklärung der Bundeskanzlerin, der Islam gehöre zu Deutschland, kritisiert.
Es ist offensichtlich dem Verfasser der Münsteraner Bistumserklärung entgangen, dass einer der allertreuesten Gefolgsmänner der Kanzlerin, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Union, Volker Kauder, ebenso wie der innenpolitische Sprecher der Union, Wolfgang Bosbach sowie Abgeordnete und sehr viele Mitglieder der CDU dieser Feststellung der Kanzlerin energisch widersprechen. Als Mitglied der CDU fühle ich mich berechtigt, dieses festzustellen.
Die Bischöfe und ihre Verwaltungsangestellten – besonders ihre Sprecher – wären also sehr gut beraten, sich aus dieser innerparteilichen Auseinandersetzung herauszuhalten!
Nun geschieht jetzt das, wovor viele Beobachter aus Wissenschaft, Politik aber auch aus den Kirchen öffentlich schon vor 20 Jahren gewarnt haben: nämlich, dass uns die undifferenzierte, stark ideologisch eingefärbte Multikultipolitik gepaart mit dem von einigen mächtigen politischen und medialen Gruppierungen bewusst geförderten Verzicht auf Kinder und Familie im althergebrachten guten Sinn eines Tages um die Ohren fliegen wird. Denn das Ergebnis ist die demoskopische Katastrophe. Und dieses wird in seinen Auswirkungen nun immer mehr Menschen bewusst. Das gilt nicht nur für Deutschland sondern für ganz Europa. Und nun bricht sich der Unmut über das politisch-mediale Kartell in weiten Teilen Europas Bahn und die Agenda Setting Theorie wird durch das Internet immer löchriger, die Auflagen der Leitprintmedien sinken, die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen, die von allen Bürger bezahlt werden müssen, wächst immer mehr und das Ansehen des Journalistenstandes nähert sich Minuspunkten. In Europe entstehen neue Parteien rechts von der Mitte, die von konservativ bis ganz rechts tendieren. Das ganze begann in Italien nach dem Zusammenbuch der Democrazia Christiana, wurde dann in Frankreich lebendig und nun folgen Deutschland und Großbritannien.
Der wachsende Unmut in Deutschland – und wir stehen hier erst am Anfang der Entwickelung – bricht sich Bahn in der neuen bisher sehr erfolgreichen Partei der AfD und in der Pegida-Bewegung und ihren sehr unterschiedlichen Ablegern. Wie die Universität Dresden nun festgestellt hat, geht es hierbei nicht nur um Angst vor der durch die selbstverschuldete Kinderlosigkeit und die miserable Familienpolitik Überfremdung vor allem durch den Islam, sondern um eine allgemeine Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung mit dem politisch-medialen Multikulti-Gender-Einheitsbrei, der sogar die Unionsparteien erfasst hat und der immer intoleranter wird und bis zum Meinungsterror der immer noch übermächtigen Leitmedien reicht. Alle, die sich über die Situation für die Zukunft Sorgen machen und den Mut aufbringen, dafür auf die Straße zu gehen, werden nun von der herrschenden Meinungsbildung mehrheitlich in die braune, rassistische Ecke gestellt und ihnen unter Ignorierung des Pegida-19Punkte-Programms Fremdenhass und rechtsextreme Gesinnung unterstellt. Gerade in den letzten 36 Stunden werden im Fernsehen nur Stimmen der Gegendemonstranten gebracht. Es ist leicht zu verstehen, dass sich unter solche Demonstrationen und Bewegungen Nazis und ähnliches Gelichter mischt und der Gründer der Pegida-Bewegung sich selbst als ein Mann mit einer Gesinnung erweist, die mit verantwortungslos und saudumm nur milde umschrieben werden kann. Es ist mehr als verständlich, dass die Kreise in Medien und Politik, die keine Kritik an ihren Auffassungen dulden, diese Steilvorlage benutzen, um die Unzufriedenen zu entmutigen, zu behindern und ihre Anliegen in die Ablage schieben.
Die Kirchen allerdings seien laut und deutlich gewarnt, in diesen Chor einzustimmen; denn die Unzufriedenheit der Menschen mit den politischen Verhältnissen und auch mit den Verhältnissen in der deutschen Teilkirche wächst und wird nur, wenn man hier sich nicht schnell zurücknimmt, noch mehr zur Entfremdung vieler Menschen von der Kirche beitragen.
In Dresden wurde auf den Transparenten sehr klar formuliert, um was es den Menschen in ihren Sorgen und Ängsten geht: Gender-Mainstreaming, Sexualisierung schon im Kindergarten, Energiewende, überaus harte bis gemäßigtere Kritik an den Parteien im Bundestag, Sorgen um die EU-Verfassung und die Brüsseler Politik, undifferenziertes Säbelgerassel in der verfehlten Russlandpolitik (hier herrscht eine große Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Politik des Westens, wie die Umfragen belegen), lokalpolitische Themen und die Forderung „Stoppt die GEZ“. Der NDR hat dankenswerterweise dieses Transparent mehr als eine Minute lang in seiner Sendung über Pegida gezeigt.
In den etablierten Parteien, ja sogar in weiten Kreisen der Amtskirche war man sich also einig: Pegida ist rassistisch, islam- und fremdenfeindlich rechtspopulitisch und wie das ganze Vokabular des links-grünen Mainstreams lautet.
Und nun kommt plötzlich wie ein Donnerschlag Bewegung in die ganze Angelegenheit. Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel, der schon zur Vernunft gegenüber Russland aufgerufen hatte, erkennt die Zeichen der Zeit und dass es sich bei Pegida um eine viel größere Bewegung, als nach aussen gezeigt wird, handelt: nämlich um die Unzufriedenheit weiter Kreise der Bevölkerung mit der herrschenden Kaste in Politik und Medien und deren Meinungsterror, der immer bedenklichere Formen annimmt und das Volk weitgehend außen vorlässt. Gabriel besuchte am Freitagabend in Dresden als „Privatmann“ ( was er natürlich als Vizekanzler nicht ist) eine Pegida-Veranstaltung und diskutierte im Anschluß mit Pegida-Marschieren (nicht mit Mitgliedern des
Organisationsteams) und hörte sich deren Sorgen an und erklärte, dass man die Sorgen und Ängste so vieler Menschen ernstnehmen  und darauf antworten müsste.
Das erscheint doch nun als das Vernünftigste auf der Welt. Aber Vernunft und Volksnähe ist der Mehrheit der Politiker und der Medien längst abhanden gekommen. Und so fährt denn auch die grüne bundesdeutsche Entrüstungsmaschinerie gemeinsam mit den Linken dickes Geschütz auf und in der SPD ist man verwirrt und die Linken dort beeilen sich, die eigene Legende von Gut und Böse mit „rattenhafter Wut“ ( Heinrich Böll ) zu verteidigen.
http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_72631026/-schlingerkurs-erstaunlich-kritik-an-gabriel-nach-pegida-besuch.html
Morgen am Sonntag will Pegida wieder marschieren und sollte sich die Zahl der Marschierer wieder erheblich vermehrt haben, bedarf es keiner Prophetengabe um vorherzusagen, dass man den SPD-Chef  zumindest teilweise dafür verantwortlich machen wird.
Pegida hin – Legida her, wir stehen am Anfang einer Entwickelung, in der immer mehr Menschen ihren Unmut über die etablierten Parteien und ihre Propagandisten zum Ausdruck bringen wollen. Wir sind damit spät dran. In anderen Ländern Europas ist dieser Prozess schon viel weiter fortgeschritten.
Die Kirche sollte in erster Linie bei den Menschen sein und nicht voreilig einseitig Partei ergreifen.
Fremdenfeindlichkeit ist dem Judentum wie dem Christentum fremd, da schon im Alten Testament in den 5 Mosebüchern und bei den Propheten das Gottesvolk immer wieder aufgefordert wird zu bedenken: „Auch ihr wart einst Fremde in Ägypten.“ Aber mit dem Wort „Rassismus“ und „Fremdenfeindlichkeit“ sollte man sehr vorsichtig umgehen und es erst nach sehr sorgfältiger Prüfung der Tatsachen verwenden. Die Kirche ist dafür da, allen Menschen das unverkürzte Evangelium zu verkünden und allen nahe zu sein.

Michael Schneider-Flagmeyer

UPDATE:
Am Sonntag wurde bekannt, dass sich auch der sächsische Ministerpräsident Tillich deutlich gegen die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, der Islam gehöre zu Deutschland, gewandt hat mit den Worten: „Der Islam gehört nicht zu Sachsen“ wohl aber die Muslime. In einem Interview für „Berlin direkt“ des ZDF am Sonntagabend, in dem ihn in gewohnter aggressiver Weise der Moderator Thomas Walde anging und versuchte ihn in Pegidanähe zu bringen, stand der Ministerpräsident ruhig, höflich aber bestimmt zu seiner Aussage und nahm den Pegidaanhängern gegenüber eine ähnlich Haltung ein wie Sigmar Gabriel. Obwohl Walde intensiv versuchte Stanislaw Tillich zu seiner Mainstreameinheitsmeinung zu bekehren, blieb Tillich sanft und fest. Ein sehr bemerkenswerter Aufritt, der den sächsischen Ministerpräsidenten deutlich unterscheidet von Politikerkollegen, die sich im Fernsehen durch aggressive Moderatoren beliebig vorführen lassen.

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8 Antworten auf Pegida hin – Legida her. Einige persönliche Anmerkungen.

  1. Magdeburger sagt:

    Wir in Magdeburg haben die MAGIDA, die auch stehts wächst. Da auch bei uns viele Demonstranten mit Kreuzen spazieren gehen bekennen Sie sich also zum Christlichen Glauben. Die Kirche sollte sich aber nicht politisch zeigen finde Ich. Die Kirche sollte ein neutraler Ort sein und auf keiner Veranstaltung dabei sein.

    Gruß aus der Domstadt Magdeburg

  2. Herbert Klupp sagt:

    Ich bin auch dagegen daß unsere Priester politisch werden und auftreten. Vielleicht hat der Pfarrer Spätling einen Fehler gemacht ? Ich weiß es nicht (vielleicht war er ja auch sehr „in zivil“ bei seinem Auftritt ?). Wenn die Berichte stimmen, dann bin ich mir aber in einem sehr sicher: daß ein sofortiges und absolutes Predigtverbot eine böse und völlig übertriebene Reaktion darstellt. Wäre nicht bspw ein ruhiges Gespräch hundertmal angemessener und barmherziger gewesen ? Predigtverbot – ja, vielleicht wenn der Pfarrer siebenmal – oder eben immer wieder öffentlich politisch auftritt – Predigtverbot als „Notbremse“. So wie es sich mir aus den Berichten erschließt, spürt man schon ein bischen einen kommunistischen Ungeist der gnadenlosen „Umerziehung“ seitens des Bischofs.

  3. Hebel sagt:

    Es ist Zeit gegen den umsichgreifenden Genderismus vorzugehen und zu informieren.
    Denn ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder scheint Gender Mainstreaming schon zu sein. Zum Beispiel das Negieren bedeutsamer und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig wird. Vergessen der für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung infolge des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten im Mutterleib (Muttersprache nicht Vatersprache!). Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4]

  4. Eduard Werner sagt:

    Wer die Pegida-Anhänger so schnell als „Rassisten, Islamhasser und fremdenfeindlich“ beschimpft, hat wohl das 8. Gebot vergessen: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben!“. Auch kirchliche Herren sollen sich wieder daran erinnern. Denn die meisten Pegida-Leute
    hassen doch nicht, sondern fürchten, dass laut einer demoskopischen Studie in 30 Jahren die Moslems in Deutschland die Mehrheit haben – auch wenn sie heute nur vier Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Und Furcht ist doch nicht nationalsozialistisch. Da hat die political Correctness ein falsches Dogma festgelegt.

  5. backinchurch sagt:

    Herzlichen Dank für Ihre differenzierenden Anmerkungen!
    Die „Licht aus!- Aktion“ des Kölner Domkapitels weckte in mir (wieder mal) Überlegungen, aus der „Deutschen Staatskirche“ auszutreten – natürlich nicht aus der RKK!

    • Mathias Wagener sagt:

      Hierzu möchte ich doch etwas sagen. Mit dem Kirchenaustritt ist man hier in Deutschland seit 2012 nicht mehr automatisch exkommuniziert, aber real von allen „Mitgliedsrechten“ ausgeschlossen. Ich bin kein Freund dieser Versuche, hier eine Art Spaltung einzuführen in registrierte und nichtregistrierte Katholiken sozusagen. Für mich gehört nur der der Kirche an, der Teilnehmer am Kirchensteuerverfahren ist. Ob er tatsächlich zur Zahlung verpflichtet ist, ist ein anderes Thema. Damit will ich keinesfalls meine besondere Zufriedenheit mit den gegenwärtigen Umständen vor allem in den deutschen Diözesen zum Ausdruck gebaracht haben.

  6. Mathias Wagener sagt:

    Das ist ein sehr lesenswerter Beitrag. Gestatten Sie mir indes eine kleine Anmerkung: Innenpolitischer Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion ist nicht Horst Bosbach, sondern Stephan Maier. Bosbach ist Vorsitzender des Innenpolitischen Ausschusses
    des Bundestags. An der Richtigkeit der Ausführungen ändert das natürlich nichts. Bosbach gehört überhaupt zu den beliebtesten Unionspolitikern und das vor allem, weil er nicht immer die Ansichten der Kanzlerin teilt.

  7. Ben Wilmes sagt:

    Danke, lieber Michael Schneider – Flagmeyer, für die differenzierte Betrachtung jenseits von Schwarz -Weiss -Malerei, Vorverurteilung und floskelhaftem aufgeregtem Geschreibe, mit dem man in den letzten Wochen geradezu bombardiert wurde.
    Jetzt ist es höchste Zeit, die realen Probleme nüchtern zu analysieren und gemeinsam anzugehen. Das sollten auch Politiker, Journalisten und Bischöfe verstehen. Leider gibt es auch in diesen Berufsgruppen Menschen, die sich allzuleicht von Vorurteilen und Emotionen lenken lassen, erschreckend geringe Kenntnisse über den Islam, erschreckend wenig Kontakt zu den „einfachen“ Menschen und ihren Sorgen haben.
    Das muss sich ändern, sonst gerät das Land in eine gefährliche Zerreissprobe.

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