Die schöne neue Welt lässt grüßen!

Papst Franziskus kritisiert in seinem apostolischen Schreiben „Die Freude des Evangeliums“ (Evangelii Gaudium) vom 24. November 2013 die Auswüchse einer kapitalistischen Marktwirtschaft. Er sagt darin u.a. „Die Würde jedes Menschen und das Gemeinwohl sind Fragen, die die gesamte Wirtschaftspolitik strukturieren müssten … wie viele Worte sind diesem System unbequem geworden! Es ist lästig, wenn man von Ethik spricht (Ziff. 203) … wir dürfen nicht mehr auf die blinden Kräfte und die unsichtbare Hand des Marktes vertrauen (Ziff. 204) … doppelt arm sind die Frauen, die Situationen der Ausschließung, der Missachtung und der Gewalt erleiden“ (Ziff. 212).
Nach der Kampagne für die Abschiebung von Kindern unter drei Jahren in Kitas, um junge gut ausgebildete Frauen im besten Alter für die Wirtschaft auspowern zu können ohne Rücksicht auf das Wohl der Kinder, erleben wir unter der Bezeichnung „sozial freezing“ und sogenannter „Verhütungschips“ eine neue Qualität der Ausbeutung von Frauen zur Profitmaximierung der Wirtschaft.
Was ist „sozial freezing“? Es bedeutet Einfrierung von weiblichen Eizellen. Damit können Frauen ihren Kinderwunsch möglichst lange und im gewünschten Sinn der Unternehmen hinausschieben. Bei diesem Aufschieben der Geburt geht es nicht, wie Kardinal Marx zu Recht kritisiert (Konradsblatt 45.2014, S. 4), um die Freiheit der Frau. Vielmehr werde die Geburt funktional in den ökonomischen Prozess eingegliedert, damit Kinder „just in time“ d.h. zum gewünschten Zeitpunkt zur Welt kommen. Das ist die totale Unterwerfung des Menschen unter die Profitgier von Unternehmen, wie das die US-Firmen Apple und Facebook praktizieren, indem sie die Frauen dazu animieren und für „sozial freezing“ die Kosten übernehmen (Kathnet 22.10.14). Die Unternehmen Apple und Facebook haben das nötige Geld, um ihre Ideen durchzusetzen. Das Vermögen von Bill Gates wird auf 80 Milliarden US-Dollar geschätzt (AZ, 6.11.14).
Und welchen Fortschritt bringt der neue Verhütungschip von Bill Gates? Der Verhütungschip, ein Mikrochip, ist eine Idee von Bill Gates. Der Chip kann in den Körper implantiert werden und setzt zu einer festgesetzten Zeit eine bestimmte Hormonmenge frei. Sie reicht für 15 Jahre, d.h. etwa die Hälfte der fruchtbaren Zeit einer Frau. Diese neue Methode der Geburtenkontrolle wird voraussichtlich 2018 auf den Markt kommen. Besonders beunruhigend an der neuen „Therapie“ ist, dass der Mikrochip auch von anderen, aktiviert werden kann, nicht nur von demjenigen, in dessen Körper er implantiert wurde. Durch dieses Gerät kann also der Körper der Frau von außen kontrolliert werden, ohne ihre eigenen Wünsche zu berücksichtigen (Osservatore Romano 25./26.8.2014).
Die Unternehmen Apple und Facebook sind nicht nur gigantisch weltweit operierende Unternehmen, die mit ihren Geldern für Nichtregierungsorganisationen politische Macht ausüben. Sie spielen Gott und sind in der Lage, ihre Manipulationstechniken zu praktizieren. Sie sind nur Unternehmen, die Profit machen. Solche Unternehmer sind missionarisch für ihre Ideen rund um den Globus tätig. Der Apple-Chef Tim Cook hat sich kürzlich mit dem Satz geoutet: „Ich bin stolz, schwul zu sein.“ Er hoffe, so Cook weiter, dass sein Schritt anderen helfen oder sie inspirieren könne. Er erklärte, dass sich Apple für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und andere Gruppen einsetzen werde: „Wir werden für unsere Werte kämpfen, und ich werde mich persönlich weiterhin für die Gleichberechtigung aller einsetzen“ (AZ, 31.10.14). Hier geht es nicht um eine Gleichberechtigung, wie sie der Katechismus der Katholischen Kirche meint:: Homosexuellen „ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“ (Ziff. 2358 KKK). Cook und Bill Gates verstehen ihre Ideale als Beitrag gegen die „Bevölkerungsexplosion“. Die „schöne neue Welt“, in der der Mensch Gott spielt, lässt grüßen!

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels”.  Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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3 Antworten auf Die schöne neue Welt lässt grüßen!

  1. Die Redaktion sagt:

    Kommt noch.

  2. Ben Wilmes sagt:

    Warum ist dieser Tage auf diesem katholischen Blog NICHTS über Auschwitz zu lesen ???
    Lässt hier die Welt des Vergessens grüssen ???
    Bin einigermassen ratlos, um es mal sehr vorsichtig zu formulieren.
    Schalom

    • Mathias Wagener sagt:

      Ich möchte doch zu diesem Vorwurf anmerken, dass ständig über die NS-Zeit hier berichtet wird. Das sollte auch nicht übersehen werden.
      Die hier in der Hauptsache angeschnittenen Thesen möchte ich doch bei allem Verständnis und Wohlwollen sagen, dass ich manches doch krass überzeichnet finde. Halten wir fest, dass sich die Soziale Marktwirtschaft bewährt hat. Die Staatswirtschaft hat sich nicht als Alternative erwiesen, die materiell den Ansprüchen der breiten Bevölkerungsschichten angemessen genügen kann. Mangelwirtschaft war das Kennzeichen und das noch bei sonstigen unliebsamen Begleiterscheinungen wie Umweltzerstörung.

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