Eine Resolution des Familienbundes zur Ehe und Familie im Trend des Zeitgeistes

In der Stimme der Familie Heft 5/2014 des Familienbundes der Katholiken stellt Dr. Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen, Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz und geistlicher Begleiter des Familienbundes der Katholiken, den von der Bischofskonferenz herausgegebenen Flyer „Trauen Sie sich! – Zehn gute Gründe für die Ehe – Ein Denkanstoß der katholischen Kirche“ vor und entfaltet gedanklich die dort angeführten Punkte. In der Diskussion über die Ehe stellt er in Antithesen zusammen, worüber  hauptsächlich geredet wird und was vordringlich bedacht werden muss. Seltsam und paradox erscheint ihm die gegenwärtige Fokussierung auf die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Er schreibt (S. 3):
„Über die Scheidung und Wiederverheiratung soll geredet werden, aber keiner fordert Aussagen über die Bewahrung der Ehe. Der Kommunionempfang wird gefordert, aber immer weniger gehen zur Eucharistie. Die sakramentale Anbetung spielt eine immer geringere Rolle. Wiederverheiratung soll ermöglicht werden, aber die Zahl der Paare, die nach der Scheidung nicht wiederverheiratet zusammenleben, wächst ständig. Wir streiten um ein innerkirchlich zweifelsohne bedeutsames Thema, aber gesellschaftlich relevant sind andere Themen. Die Ausgrenzung kinderreicher Familien, die Sorge um Migrantenfamilien, die demographische Entwicklung, Familienarmut, Sterben und Sterbehilfe in der Familie, Leihmutterschaft … Eine Entscheidung durch die Autorität der Kirche wird verlangt, aber angeblich hört sie keiner mehr. Jeder kennt Franziskus, aber keiner bringt seine differenzierten Aussagen zusammen.“
Das Thema der Synode in Rom, so der Bischof, seien die „pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“: „Wie sollen Kinder in unseren Familien in den Glauben eingeführt werden, wenn die Schweigespirale des Glaubens in unseren Familien so hoch ist und die meisten Familien nur punktuelle Kontakte zur Kirche halten? Oder wie soll dies geschehen, wenn ein Elternteil gläubig ist und der andere ungläubig und folglich um des Friedens in der Ehe willen die Weitergabe des Glaubens ausgeklammert wird.“
In derselben Nummer S. 17 ist eine Resolution der Delegierten des Familienbundes der Katholiken abgedruckt. Schon zu Beginn des Textes reduzieren die Delegierten das Thema der Bischofssynode „ Pastorale Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“. Sie streichen die Evangelisierung und aus dem Bestreben, die Familien im Glauben zu aktivieren, wird der Versuch, die Familien zu betreuen und ihnen eine neues Familienbild überzustülpen. Dabei wird der sog. gesellschaftlichen Entwicklung, die im eigentlichen Sinne eher eine Verkümmerung ist, der Vorrang vor dem Glauben der Kirche eingeräumt.

Im Text heißt es: „Ohne die Leitvorstellung von ehelicher Bindung und Treue zu verletzen, bedarf es jedoch einer näheren Betrachtung der gesellschaftlichen Entwicklungen und dabei insbesondere der konkreten Situation wiederverheirateter Geschiedener. Statt Verurteilung und Entmutigung braucht es konkrete Hilfestellungen aus dem Glauben und der kirchlichen Praxis. Eine zivile Ehe sollte nicht einfach als fortdauernde Ehebruch  verurteilt, sondern je nach Situation  auch als verantwortungsvoller Neuanfang bewertet werden … Ziel der Pastoral muss es sein, Menschen auf der Suche nach gangbaren Wegen in die Zukunft zu begleiten … Ehenichtigkeitsverfahren lösen kaum die menschliche Problematik … Die Neuausrichtung der Familienpastoral muss aufgrund der kulturellen Heterogenität der Weltkirche in den jeweiligen Ländern verantwortet werden.“

Aus den Ausführungen der Delegierten des Familienbundes müssen folgende Schlüsse gezogen werden:

1. Das Eheversprechen, das ein Gelübde vor Gott und den Menschen ist, das von beiden Partnern das tägliche Bemühen um die Treue einschließt, wird zu einem jederzeit innerlich und äußerlich kündbaren Vertrag.  Keine Rücksicht wird auf einen Ehepartner genommen, der an dem gegebenen Versprechen treu festhalten will. Es fehlt der Bezug auf das Wort Jesu.

2. Keine Rücksicht wird auf die von Scheidung betroffenen Kinder genommen. Wenn Eltern ihren Kindern für das ganze Leben die Folgen der Scheidung zumuten, können dann nicht auch Kinder Geschiedenen und Wiederverheirateten ein geschwisterliches Zusammenleben zumuten?

3. Offensichtlich gibt es in der katholischen Kirche in Deutschland starke Kräfte, die in wichtigen Fragen eine Loslösung von Rom wollen. Die Lehre Jesu kann nicht auf eine Ideologie oder auf eine zeitgeist-orientierte Gesellschaft beschränkt sein. Wer Folgenlosigkeit für eine sukzessive Polygamie in Deutschland fordert, muss gleichzeitig Polygamie in Afrika und den arabischen Ländern zugestehen.

4. Aus dem Gesagten wird deutlich, dass es in Fragen von Scheidung und Wiederverheiratung gerade um die von Gott gegebene Würde von Mann und Frau bzw. von Vater, Mutter und Kinder geht, die allein durch die Treue bewahrt wird.

Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wenn die katholische Kirche diesen Jesus Christus verkündet, werden die Gläubigen und die Welt erkennen, ob der eingeschlagene Weg der richtige Weg ist oder ein Irrweg, ob sie in der Wahrheit leben oder in der Lüge, ob sie in Gemeinschaft mit Christus leben oder sich mehr und mehr von ihm trennen.

Gerhard Stumpf

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