Nicht Feinde, sondern Brüder!

Aus dem 1. Weltkrieg wird berichtet, dass an Weihnachten 1914 deutsche und britische Soldaten aus ihren Schützengräben stiegen, aufeinander zugingen, Zigaretten austauschten, miteinander sprachen und erklärten, dass sie persönlich nichts gegeneinander hätten. Sie sangen sogar gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht“. Als die Weihnachtsfeiertage vorbei waren, gingen sie wieder zurück in ihre Schützengräben.
Die Offiziere sahen diese Fraternisierung (Verbrüderung) nur ungern, konnten sie aber nicht verhindern. Es war keine Meuterei sondern das spontane Handeln einfacher Soldaten, das dem Gefühl der Mitmenschlichkeit entsprang. Trotzdem schien diese Szene, die sich an der Front abspielte, irgendwie absurd.
Monate zuvor waren die Soldaten begeistert in den Krieg gezogen. Auf den Zügen, die sie an die Front brachten, standen martialische, großspurige Parolen und Sätze wie „Weihnachten in Paris oder in Berlin“. Nun waren sie nicht in Paris oder Berlin, sondern in Schützengräben irgendwo in Nordfrankreich, in einem Stellungskrieg, der, mit geringen Veränderungen der Frontlinie, vier Jahre dauerte, Millionen Tote forderte, auch, wenn die Soldaten persönlich nichts gegeneinander hatten.
Gewiss gab es einen Anlass zur Auseinandersetzung. Serbische Nat¬io¬-nalisten hatten den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie in Sarajewo ermordet. Das war ein Verbrechen, und ein Grund, Genugtuung dafür zu fordern. Keiner kann Tote wieder lebendig machen. Es kann auch keine Genugtuung sein, wenn weitere abertausende Unschuldige für das erste Opfer sterben. Das ist das absurde Gesicht eines Krieges, der keine Probleme löst sondern nur neue schafft. Dieser Weltkrieg hatte nur Verlierer. Und, wer sich als Sieger fühlte, musste 20 Jahre später im 2. Weltkrieg teuer dafür bezahlen.
Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Am Mitmenschen lernt er, sich zu entwickeln, Mensch zu werden. Seit der Ursünde neigt er auch zum Bösen gegenüber seinem Bruder. Dagegen darf er sich schützen. Wer Verantwortung für andere hat, für Frauen, Kinder, Alte, insgesamt für Wehrlose, muss sogar einen ungerechten Angriff abwehren. Das gilt auch heute z.B. in Syrien, Pakistan, Nigeria und anderswo. Die Kirche anerkennt die Abwehr gegen einen ungerechtfertigten Angriff. Zuschauen, wenn sich Mörder, Vergewaltiger wie Bestien gegenüber Menschen aufführen, ist kein Zeichen von Friedfertigkeit. Papst Franziskus hat darauf hingewiesen. Er hat aber auch verfeindeten Parteien zugerufen: „Ihr seid Brüder nicht Feinde“! Denn alle haben den gleichen Gott zu ihrem Vater.

Hubert Gindert

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4 Antworten auf Nicht Feinde, sondern Brüder!

  1. Eduard Werner sagt:

    Auch bei einem Kabarettisten, der den sanctus spiritus als Brennspiritus verhöhnt und „die Hostien, die weißen Dinger, die die Katholiken am Sonntag in ihre Mäuler stopfen“, dem Spott preisgibt, ist für mich kein Bruder in Christus, sondern ein Diener des Bösen.
    Wer alle Menschen als Brüder in Christus ansieht, der verwechselt den wesentlichen Unterschied unter den Menschen.

  2. Eduard Werner sagt:

    Lieber Herr Wilmes, hier muss man realistisch sein. Gerade in Kriegszeiten kann man im Nächsten manchmal einen Engel erkennen, manchmal aber auch einen Teufel, zumindest einen Besessenen. Es gibt Beides. Die Unterscheidung ist nicht schwer. Und man braucht in einem besessenem Hitler oder Stalin wirklich keinen Bruder sehen.
    Unverständlich bleibt, dass nach dem Untergang der Reiche des Bösen einige Universitätstheologen begonnen haben, die Existenz des Bösen zu leugnen. So blind kann nur ein wohlbestallter und körperlich gesunder Pfründenbesitzer sein.

  3. Ben Wilmes sagt:

    Es ist wahrlich nicht einfach, im köpfenden, vergewaltigenden, Kinder versklavenden Islamisten den Bruder zu erkennen. Wie kann das gelingen ?
    Diese Frage ist nicht rhetorisch, ich stelle sie ernsthaft und habe keine Antwort darauf.
    Obwohl Jesus an mehreren Stellen der Bibel die Antwort gibt, fällt es mir schwer ihm hier zu folgen. Gibt es nicht auch einen gerechten Zorn ? Und gibt es nicht Menschen, von denen das Böse vollständig Besitz ergriffen hat, ohne eine Möglichkeit zur Umkehr ?
    Welche Haltung ist hier die Richtige ?

    Mit ratlosen Grüssen
    B.W.

    • Herbert Klupp sagt:

      Wenn Jesus befiehlt, die linke Wange auch noch hinzuhalten, dann weil er die (sozusagen) „Menge des Bösen“ in der Welt reduzieren will. Indem ICH etwas böses schlucke, anstatt es zurückzuschleudern (und ich muß es – mit Gottes Hilfe – in mir gleichsam verdauen, bis es aufgelöst ist) wurde das Böse insgesamt reduziert, und manchmal regelrecht überwunden durch das Gute. Im Falle der „köpfenden, vergewaltigenden, Kinder versklavenden Islamisten“ liegt die Sache anders. Durch Nachgiebigkeit würde man hier nur noch mehr anstacheln zum Bösen, man würde die „Menge des Bösen“ vermehren. Das Gegenteil dessen, was Jesus will. Hier „den Bruder zu erkennen“ ist schwer, aber es kann gelingen, wenn man innerlich „liebevoll“ aufgestellt ist und bleibt, bei gleichtzeitiger äußerer absoluter Härte. Man muß diesen Menschen schwer schlagen und punktgenau treffen. Dadurch soll er „aufwachen“ und erkennen was er getan hat. Und ja: auch ihm gilt das Angebot Jesu, auch er hat die Chance sich zu bekehren, und vom Christenverfolger Saulus zum Evangelisten Paulus zu werden. Zu dem Zweck muß er zuerst und vor allem UNSCHÄDLICH gemacht werden.

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