Ein Skandal und ein großes Ärgernis in der Pastoral der deutschen Teilkirche.

Immer häufiger erhalten wir Klagen und Berichte darüber, wie in Gemeinden die Menschen um die heilige Messe gebracht werden. Viele Priester wollen nicht mehr täglich zelebrieren und erklären das mit Arbeitsüberlastung. Ein junger Pfarrer erzählte mir vor zwei Jahren, dass er bürokratische Dinge in seiner Pfarrei einfach liegen lasse und nicht bearbeitete. Auf mahnende Nachfragen des Ordinariats antwortet er, dass er in erster Linie für die Sakramentenspendung und für die Seelsorge da sei und nicht für Statistiken und bürokratische Erhebungen.
Ich habe ihn in seiner Meinung und in seinem Handeln sehr bestärkt; denn bei fünf Pfarreien erfordert die Pastoral seine ganze Kraft. Auch habe ich ihm meinen Dank dafür ausgedrückt, dass er das tägliche Messopfer für sich und die Gemeinde in der unmittelbaren Begegnung mit Christus für den Lebensmittelpunkt hält.
Man könnte vielleicht noch ein gewisses Verständis dafür aufbringen, wenn ein Pfarrer sich für absolut überfordert hält und am Rande seiner Kräfte ist und keine Hilfe in der Nähe.
Aber ein ungeheurer Skandal ist es, wenn er rüstige Pensionäre oder Ordenspriester daran hindert, in seinem Sprengel Messen zu halten. Es gibt nur einen Grund, ein solches Hilfsangebot eines Mitbruders abzulehnen und der besteht darin, dass der sich zur Hilfe anbietende Priester gegen den Glauben der Kirche anpredigt oder die Gemeinde gegen die Kirche aufhetzt. Auch das gibt es genauso wie die bedauerliche Tatsache, dass viele Pfarrer – Gott sei Dank nicht die Mehrheit – selber den Bezug zum Glauben und zur Kirche verloren haben.
Vor ein paar Jahren erzählt mir ein Gemeindepfarrer, dass der Kardiologe ihm während eines Klinikaufenthaltes dringend geraten hatte, unverzüglich in Pension zu gehen, weil sein Herz nur noch 30 % Leistung aufweise. Er sagte mir, er könne und wolle dem nicht nachkommen; „denn wenn ich in Pension gehe, habe ich keinen Altar mehr, an dem ich zelebrieren kann.“
Was für eine Schande und was für ein Skandal! Der Pfarrer blieb, bis es nicht mehr ging und starb dann ganz schnell. Was treibt nur Pfarrer dazu, ihren Mitbrüdern das Feiern des heiligen Messopfers für die Gemeinde zu verweigern? Es sind sicher vielerlei Gründe und sie mögen individuell verschieden sein. Aber ich habe noch keine mir einleuchtende Erklärung dafür hören können. Ich kenne genügend Pfarrer, die Gott auf den Knien danken, dass sich rüstige geistliche Pensionäre bereithalten, ihnen bei der Versorgung der Gemeinden zu helfen, sei es bei der Beichte, den täglichen oder auch sonntäglichen Messen oder bei den Sterbeämtern und Beerdigungen. Wir kennen natürlich manche Beweggründe, die angebotene Hilfe abzuweisen und viele Leser können hier zahlreich Motive und Fälle nennen. Ein Motiv ist sicher bei einigen, dass sie von der „Priesterkirche“ hin zu einer Laienkirche wollen.
Immer wieder wird der Priestermangel beklagt und der Ausfall der Messe damit begründet. Aber oft trifft das nicht zu. In der vergangenen Woche rief mich ein aktiver Ehrenamtlicher einer großen Gemeinde mit mehreren Filialen an, um mich um Rat zu fragen. In seiner Pfarrkirche sollte es keine Christmette und kein Weihnachtshochamt geben. Mitglieder der Gemeinde machten sich auf die Suche und fanden in einem nicht fernen Kloster einen Pater, der sich bereit erkärte, in dieser Pfarrkirche über Weihnachten vier Messen zu halten. Der Pfarrer lehnte empört ab. Erst der geballte Widerstand aus der Gemeinde und besonders aus einem großen alten Gremium und deren veröffentlichter Protest brachte ihn dazu, zwei von den angebotenen vier Messen zu akzeptieren. Einfach unbegreiflich! Ich habe meinen Anrufer dazu ermutigt, auch über die Öffentlichkeit und die Gremien Druck auszuüben, wenn eine Eingabe an das bischöfliche Amt kein Ergebnis bringt, ja manchmal nicht einmal eine Antwort. Es ist wirklich traurig, dass es so weit kommen muss, aber die Gemeinde hat ein Recht auf das Messopfer oder ein Sterbeamt, wenn ein Priester dafür zur Verfügung steht. Und das ist öfter der Fall, als man denkt.
Hier noch zwei Beispiele, die mir unmittelbar berichtet wurden. In einer Gemeinde ging der Pfarrer mehrere Wochen in Urlaub und ließ die Gemeindereferentin Wortgottesdienste halten, obwohl drumherum fünf rüstige geistliche Ruheständler zu Verfügung standen, die gerne eine Messe gehalten hätten.
Ein pensionierter Geistlicher aus dem Lehramt erzählte mir, dass eine Gemeinde um eine Messe gebeten hätte, da ihr Pfarrer keine Zeit hätte.
Als er in der Sakristei war, um die Messgewänder anzulegen, erschien plötzlich der Pfarrer und sagte ihm, er könne wieder nach Hause gehen, seine Dienste würden hier nicht benötigt.
Ich bin sicher, dass viele Leser hier zahlreiche andere Beispiele aufzählen könnten.
Wir bitten die deutschen Bischöfe, sich dieses Problems anzunehmen und dieses große Ärgernis für das Gottesvolk zu beseitigen.

Michael Schneider-Flagmeyer

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3 Antworten auf Ein Skandal und ein großes Ärgernis in der Pastoral der deutschen Teilkirche.

  1. Hermann-Josef Kemmer sagt:

    Ich denke, dass die Messvorbereitungen von Laien dem Priester die Arbeit der Messvorbereitung abnehmen. Predigten, ja auch gute, können im Internet massenweise heruntergeladen werden, so dass die „Vorbereitung“ einer hl. Messe durch den Priester lediglich einer insbesondere inneren-religiöse Vorbereitung bedarf.
    Ich sehe heutige Priester in der Sakristei sich nicht gebetsmäßig auf die Messe vorbereiten, wie dies vor dem 2. Vat. regelmäßig der Fall war, als noch das Brevier gebetet wurde. Das soll keine Kritik sein, sondern stellt nur Tatsachen fest.

    Dass unter diesen „erleichterten Umständen, eine hl. Messe zu lesen, nicht möglich sein sollte, ist schon sehr fragwürdig. Die alten Pfarrer lasen fast jeden Tag 2 hl. Messen und sonntags manchmal bis zu 3 in Ausnahmefällen und die jungen Pfarrer schaffen das nicht mehr, nicht einmal mehr sonntags? Kaum Andachten, kaum Vespern, keine „Christenlehre“ sonntags mehr. Messenlesen sollte doch einen religiösen inneren religiösen Höhepunkt für einen Priester erzeugen und nicht als Pflicht angesehen werden. Wer das Feiern einer hl. Messe als Pflichtveranstaltung ansieht, hat den Beruf verfehlt. Wollen wir aber auch ehrlich sein. In ein bis zwei Jahrzehnten bricht der gesamte Gottesdienstbesuch weg, wenn die alten Herrschaften als Friedhofsblumen – so wie ich – die noch gewohnt sind (und es aus Überzeugung und in Liebe zu Jesus tun sollten), sonntäglich die hl Messe zu besuchen, in Alten- und Pflegeheimen versorgt werden müssen oder aber das Zeitliche gesegnet haben.

    Die nachkonziliare Kirche hat es mit ihrem Soft-Wohlfühlchristentum nicht verstanden, die Jugend trotz Jugend- und Kindergottesdiensten mit viel moderner Musik an sich zu binden. Über die Gründe mag philosophiert werden. DAs Auseinanderbrechen der Gesellschaft ließ dieses Gleichgültigkeitsdenken Gott gegenüber wachsen. Wer sein Leben ohne Verpflichtungen und mit dem Anspruch auf den Himmel – egal wie er lebt – gestalten kann, wie es die moderne Theologie, die in der deutschen Teilkirche vertreten wurde und noch immer wird, vorgibt, der braucht sich über den Mangel an Kirchenbesuchern nicht zu wundern.

    In 10 Jahren braucht es in einer mittleren Großstadt noch höchstens 2 Kirchen, um den Bedarf an Gottesdiensten zu decken, es sei denn, katastrophale Lebensbedingungen wie Krieg, wirtschaftliches Desaster oder andere Katastrophen brechen herein. Wenn diese Katastrophen hereinbrechen, sind unsere Katholiken in der Mehrzahl jedenfalls glaubensmäßig nicht vorbereitet. Das steht schon jetzt fest wie noch das Amen in der Kirche.

  2. Friedrich Schäfer sagt:

    Wenn dem so ist, wie es geschildert wurde, so heißt das, dass etwas grundlegend falsch läuft. Seit vielen hundert Jahren ist die Kirche in deutschen Landen zu eng an den Staat gekoppelt. Die heuchlerische Reaktion des Erzbischofs von Freiburg auf die Rede des Papstes Benedikt zur Entweltlichung zeigt den materiellen Kern des Problems auf. Die deutsche Kirche hat auf die Frage „Gott oder Mammon?“eine eindeutig zweideutige Antwort gegeben – bis heute. Und daran wird auch der Glaube in unserem Land zwangsläufig und zuverlässig weiter zugrunde gehen. Im Nahen Osten wird das Christentum mit Gewalt und Terror vertrieben, bei uns durch die Zweideutigkeit. Anderswo wird die Kirche sicher überleben. Die Geschichte der Kirche zeigt, dass die heutige Situation durchaus nicht ungewöhnlich ist.

  3. Markus Gehling sagt:

    Ich bin sicher, dass es auch zahlreiche Gegenbeispiele gibt. Natürlich kann man solche Beispiele finden… Es gibt Pfarrer, die wollen nicht, dass „auf ihrer Kanzel“ ein anderes Evangelium verkündet wird, sprich, sie fürchen „Konkurrenz“. Dann sollte man auch bedenken, dass eine liturgische Ordnung in einer Gemeinde eine komplexe Entscheidung ist. Wie viele Gottesdienste gefeiert werden können kann man halt nicht nur anhand der evtl. verfügbaren Ruhestandsgeistlichen festlegen. Diese sind in den Gemeinden ein „Bonus“ und „Extra“. Dieses „Geschenk“ sollte man in den Gemeinden nutzen, aber auch beachten, dass die Ruheständler nicht so verläßlich zur Verfügung stehen. Natürlich muss ein Priester die Gelegenheit haben, zu zelebrieren. Aber wer in Ruhe seinen Ruhestand plant sollte auch schauen, wo er in diesem Sinne gebraucht wird. Hier im Bistum gibt es Orte, da könnte man dann sechs oder acht Werktagsmessen feiern. Anderswo müssen dann Messen ausfallen, weil kein Geistlicher verfügbar ist. Es gibt „beliebte“ Orte und weniger Geschätzte. Natürlich sollte man es nutzen, wenn ein Priester, z.B. auf der Durchreise – spontan einmal zelebriert. Aber wenn ein Gottesdienstbeauftragter seinen Gottesdienst mit Engagement und Zeiteinsatz vorbereitet hat und morgens steht ein Priester in der Sakristei und bietet sich an… ist das für diesen Laien auch ärgerlich. Dann sollte ein solcher Priester frühzeitig Kontakt aufnehmen… Viele Probleme ließen sich durch gute Absprache regeln. Ansonsten sehe ich das auch so, dass die Bischöfe es leicht in der Hand hätten hier eine klare Botschaft an ihre Priester zu senden. Aber nicht alles, was hier geschieht ist Ausdruck „theologischer“ Strategien. Oft sind es Probleme in der Absprache und „allzu Menschliches“. Das tragische Beispiel des Priesters stimmt mich sehr traurig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Priester nicht einen guten Ort hätte finden können. Hier bei uns wäre er herzlich Willkommen gewesen. Ich denke, dass er aus ganz verschiedenen Gründen geblieben ist, sicher auch, um seine Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Aber hier sollten manche Priester merken, dass die eigene Gesundheit auch ein geistlicher Wert ist. Vielleicht hätte er auch nach der Pensionierung noch lange Jahre vielen Menschen die Botschaft des Evangeliums weiter sagen können, wenn er seinem Kardiologen gefolgt wäre.

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