Die im Schatten stehen: Geschiedene nicht wieder Verheiratete

In der aufgeregten Diskussion über den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter kommen die Geschiedenen, die nicht wieder geheiratet haben, kaum vor. Ihre Treue vor dem Altar zum gegebenen Ja-Wort, das sie leben, bleibt weitgehend unerwähnt. Und wenn sie keinen Antrag auf Annullierung ihrer Ehe stellen, dann deswegen, weil sie zu dieser Ehe freiwillig und überlegt Ja gesagt haben. Getrennt lebende oder nicht wiederverheiratete Geschiedene „sind eher still, stellen keine lautstarken Forderungen, haben aber ebenso das Recht auf eine besonders barmherzige Seelsorge“ (Tagespost 11.12 14).
Warum wird die beispielhafte Haltung, die Geschiedene nicht wieder Verheiratete in oft schwieriger Situation durchstehen, so wenig beachtet?
Stören sie bei der vehement, mit dem Argument der Barmherzigkeit, vorgetragenen Forderung nach Zulassung zur Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete?
Wird das Ja-Wort zu lebenslanger Treue als überholt, vielleicht heroisch, aber kaum lebbar angesehen?
Wer in dieser übersexualisierten Gesellschaft Enthaltsamkeit als nicht mehr lebbar betrachtet, der wird auch eine „Josefs-Ehe“ für unmöglich halten. Er wird aber dann auch den priesterlichen Zölibat für unehrlich, weil nicht haltbar, ansehen.
Auch Geschiedene, die sich nicht wieder verheiratet haben, verfolgen die aktuelle Diskussion zur Frage der Zulassung zur Kommunion von geschiedenen Wiederverheirateten. Ein Betroffener hält es für „den größten Fehler“, dass die Frage des Sakramenten-Empfangs so im Mittelpunkt steht. „Die Debatte trage dazu bei, dass Ehebruch nicht mehr als Sünde empfunden werde“ (Die Tagespost 11.12.14).
Der Mensch ist auf Komplementarität, d.h. gegenseitige Ergänzung, auf das Du hin angelegt. Ein Leben ohne Partner, ohne die Möglichkeit, sich auszusprechen, Verständnis und Wärme zu erfahren, ist schwer. Einsamkeit drückt. Damit Priester nicht an Vereinsamung leiden, hat schon Augustinus Priestergemeinschaften gestiftet.
Was Geschiedene brauchen, ist einfühlsame Begleitung, das Gespräch Betroffener untereinander zur gegenseitigen Bestärkung. Betroffene gründen deswegen auch Selbsthilfegruppen, z.B. unter der Bezeichnung „Solitude Myriam“, „Magnifikat“ u.a. Die Schönstattbewegung bietet mit dem „Emmausweg“ ein bunt gefächertes Programm für Geschiedene an.
Der Kongress „Freude am Glauben“ vom 31. Juli bis 2. August 2015 in Fulda hat das Leitthema „Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück“. Dieser Prozess will alle Seiten des ehelichen und familiären Lebens in den Blick nehmen. Auf zwei Podien werden die besonders aktuellen und schwierigen Fragen ins Visier genommen. Ein Podium ist überschrieben „Was macht Familie zukunftsfähig“. Dabei kommen Eltern, Lehrer, Seelsorger und zwei Bischöfe zu Wort. Das zweite Podium führt den Titel „Die Kirche lässt niemand allein“. Bischofsvikar Christoph Casetti, der in der Schweiz und auch in Wigratzbad in der Diözese Augsburg Geschiedene nicht wieder Verheiratete seit Jahren begleitet, wird in dieses Podium einführen und am Gespräch teilnehmen. Zwei betroffene Teilnehmer gehören der Gemeinschaft „Magnifikat“ an. Eine weitere Teilnehmerin ist Mitglied der Familie „Solitude Myriam“.
Eine Scheidung bleibt ein tiefer Einschnitt in das Leben, jedenfalls für diejenigen, die ihr Ja-Wort zur Ehe nicht mit dem inneren Vorbehalt „solange es gut geht“ gegeben haben. Die Betroffenen brauchen mehr Verständnis und Hilfe, als sie zumeist bisher, auch innerkirchlich, erfahren. Sie brauchen auch die Anerkennung für ihre Treue zum Wort Christi und zur Ehelehre der Kirche. Das kann den Ehepartner nicht ersetzen. Das kann nur Gott. Er kann als Dritter im Bund diese Lücke ausfüllen. Betroffene mit einer tiefen Gottesbeziehung können darüber berichten, dass dies möglich ist.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels”. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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2 Antworten auf Die im Schatten stehen: Geschiedene nicht wieder Verheiratete

  1. Michael Matthes sagt:

    Wieso ist das treue und sich gegenseitig unterstützende Zusammenleben mit einem neuen Partner nach einer leider unvermeidbaren Scheidung keine beispielhafte Haltung?
    Ein Gott, der so etwas ablehnt, ist kein gütiger Gott! Oder ist die Kirche blind und sieht gar nicht, dass ein Gott an dem neuen glücklichen Zusammensein seine Freude hätte.

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Sehr geehrter Herr Matthes,
      Ihre Frage ist deshalb berechtigt, weil auch die Mehrheit der Katholiken heute nicht mehr weiss, was Gottes Gebot ist. Jesus hat zur Ehe und ihrer Scheidung unmissverständlich gesagt: „Was Gott zusammengefügt hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Daran ist die Kirche gebunden, selbst der Papst.
      Die meisten Ehen, die heute geschieden werden, sind Ehen, in denen man sich nichts mehr zu sagen hat oder in der einer der beiden Partner ausbricht.
      Nach katholischem Verständnis ist die Ehe ein Sakrament, das sich die beiden Liebenden selber spenden. Die eheliche Verbindung ist damit von Gott zusammengefügt und kann nicht getrennt werden. Und zur Liebe gehört nun einmal Konsequenz. Eine Liebe ohne Konsequenz wäre nur ein Gefühlsduselei. Die Ehepartner versprechen sich am Altar Gottes Treue und Beistand „in guten wie in schlechten Tagen“ ein Leben lang. Sie versprechen, die Kinder anzunehmen, die Gott ihnen schenkt.
      Nun gibt es, wie Sie sagen, Fälle, in denen eine Trennung notwendig und unausweichlich ist. Zweifellos! Papst Benedikt XVI. hat dieses eine der großen Wunden der Kirche genannt.
      Nun sind in der Zeit nach dem Konzil viele Ehen vor dem Altar geschlossen worden, in denen entweder die Brautleute vorher nicht ausreichend über die christliche Ehe belehrt worden sind oder aber sie waren lediglich an der schönen Feier in der Kirche „ganz in Weiß“ interessiert oder beides trifft zu.
      Im ersten Fall trägt die Kirche schwer mit an der Verantwortung. Deshalb hat schon Papst Benedikt und jetzt vermehrt Papst Franziskus darauf hingewiesen, dass man bei der kirchlichen Scheidung mehr auf die Überprüfung der Gültigkeit achten soll; denn es gibt eine Reihe von Gründen, die die Aufhebung der Ehe durch die Kirche rechtfertigen. Im zweiten Fall aber ist das Sakrament der Ehe erschlichen, wenn auch oft in Unkenntnis des Sakramentes.

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